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17.12.2015

Den Nazis auf der Nase herumgetanzt

Emil Mangelsdorff berichtet aus dem Leben eines musikalischen Antifaschisten

Freigericht-Somborn (klm). „Swingtanzen verboten“ – so lautet der Titel des Gesprächskonzerts, zu dem Emil Mangelsdorff und sein Quartett am Mittwoch in die vollbesetzte Aula der Kopernikusschule Freigericht eingeladen hatten. Es war Mangelsdorffs erster Auftritt, nachdem er durch den Hessischen Minister für Wissenschaft und Kunst zum Ehrenprofessor des Landes Hessen ernannt worden war – gewiss ein ganz besonderes Glanzlicht in der an Preisen und Ehrungen ohnehin nicht armen Karriere des betagten Musikers.

Mangelsdorff wurde 1925 geboren und wuchs in Nazi-Deutschland auf. Dem Publikum, das unter anderem aus vielen Oberstufenschülern bestand, erzählte er aus seiner Jugend, und alle lauschten wie gebannt diesen Berichten aus einer finsteren Zeit. Durch seine linksliberal-demokratisch gesinnten Eltern kam Mangelsdorff früh in Kontakt mit der Jazzmusik, weil zu Hause oft Radio Luxemburg statt des gleichgeschalteten deutschen Staatsrundfunks gehört wurde.

Schon mit zehn Jahren hatte er ein musikalisches Schlüsselerlebnis nach dem anderen, als er dort Duke Ellington und Louis Armstrong hörte. Da wusste er, was er zukünftig machen wollte und überredete seine Eltern, ihm ein Akkordeon zu kaufen. Gut so, denn Emil Mangelsdorff wurde einer der größten Jazzmusiker Deutschlands, wie auch sein Bruder Albert. Aber bis dahin war es noch ein langer, steiniger Weg. Sein Vater, ein Buchbinder, führte ihn früh in die Literatur der Arbeiterbewegung ein und lehrte ihn friedlichen Ungehorsam, etwa gegenüber einem nationalsozialistischen Milchmann, den der junge Emil partout nicht mit „Heil Hitler“ zurück grüßen wollte. Der Vater riet ihm deshalb, dem NS-Mann stattdessen ein strammes „Drei Liter“ entgegen zu rufen.

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