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11.09.2017

Viel Kunst, wenig Besucher

Langenselbolder Kulturtage verzeichnen nur geringes Publikumsinteresse

Langenselbold (mab/ag). Zu einer kölschen Party im Schlosspark hatte die Vereinsgemeinschaft Langenselbold (LVG) für Freitagabend eingeladen. Das kostenlose Konzert hätte der Höhepunkt der Kulturtage 2017 werden sollen, die am Freitag und Samstag erstmals seit 2010 wieder veranstaltet wurden. Doch der Regen machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Wer dennoch kam, wurde mit großartigen Songs belohnt. Insgesamt zieht LVG-Vorsitzender Gerhard Landmann eine durchwachsene Bilanz in Bezug auf die zweitägige Kulturveranstaltung: „Wir hatten mit weitaus mehr Besuchern gerechnet.“

Während in der Herrnscheune die Showbühne Mainz rund 40 Besucher mit einem musikalischen Satireprogramm unterhielt (die GNZ berichtete), baute die Freigerichter Gruppe „Hey Kölle“ draußen im Schlosspark ihre Instrumente auf. Einen Soundcheck, also eine Art Testlauf für die Bühnentechnik, gab es nicht, damit das Publikum in der Scheune nicht gestört wurde. Dennoch lief beim Auftritt der Freigerichter Band alles glatt. Um 21 Uhr startete „Hey Kölle“ das Programm und trotz des Wetters lockten die fröhlichen Klänge schnell eine Schar von mehr als 70 Schaulustigen in den Park. Viele Menschen aus dem Publikum begannen bald mitzutanzen und die Stimmungshits von Gruppen wie den Höhnern oder BAP mitzusingen.

Längst sind die „Kölschen Nächte“, wie die Freigerichter Band um Frontmann Alex ihre Auftritte nennt, weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Ob mit rockigen Stücken oder sanften Balladen, der sechsköpfigen Band gelang es mit ihrer Spielfreude, zwei Stunden lang die Besucher zu begeistern, und das schlechte Wetter vergessen zu lassen. Zahlreiche Vereine hatten für das leibliche Wohl der Besucher im Park gesorgt. Neben dem Auftritt der Mainzer Showbühne am Freitag kamen Kulturfreunde am Samstagabend in der katholischen Kirche auf ihre Kosten, wo das „Bolongaro-Quintett“ Stücke klassischer Komponisten aufführte. Freitag- und samstagnachmittags standen Senioren und Kinder im Fokus der Kulturtage. Am Samstagabend rundete die Langenselbolder Band „Klörrfaktor“ die Veranstaltung ab.

Für Kunstfreunde bestand am Wochenende in der Herrnscheune die Möglichkeit, Werke des Kreativtreffs 88 zu bestaunen. Die Palette reichte von Ölbildern bis hin zu Skulpturen, etwa Patchwork-Tieren. Von realistisch gemalten Mohnblumen bis hin zu abstrakten Gefühlsbildern war für jeden Geschmack etwas dabei. Auch Lederarbeiten konnten bestaunt und gekauft werden. Die Künstler, überwiegend Langenselbolder, standen für ausführliche Gespräche bereit. Auch zwei Maler aus Freigericht waren vertreten, um Bilder zu präsentieren, die teilweise erst am Samstagvormittag fertiggestellt wurden.

Organisator Gerhard Landmann zieht im Gespräch mit der GNZ ein durchwachsenes Fazit. „Klar ist, dass viel zu wenige Besucher zu allen Veranstaltungen gekommen sind. Wir hatten mit drei Mal so vielen Gästen gerechnet. Doch die Zuschauer, die gekommen waren, zeigten sich äußerst zufrieden mit unserem Programm.“ Für den Auftritt des „Bolongaro-Qintetts“ in der katholischen Kirche gab es sogar stehende Ovationen.

Neben dem schlechten Wetter ist auch die Fülle an Veranstaltungen in Langenselbold ein möglicher Grund für den Misserfolg der Kulturtage. Vor allem die vielen Veranstaltungen, die der Stadtmarketingverein im Rahmen des Kultursommers ausrichtet oder bewirbt, stehen teilweise in Konkurrenz zum Angebot der LVG. Am Samstag fand zeitgleich zu Theater und kölscher Party der Poetry Slam im Schloss statt, zu dem mehr als 80 Besucher gekommen sind (Bericht folgt).

„Als die Stadt die Vereinsgemeinschaft 2016 mit der Ausrichtung der Kulturtage beauftragt hat, kannten wir die Fülle der Konkurrenzveranstaltungen noch nicht“, meint Landmann im Gespräch mit der GNZ. „Ursprünglich hatten wir eine viertägige Veranstaltung geplant.“ Dafür hatte die Stadt 20 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Die tatsächlichen Kosten für die Kulturtage belaufen sich laut Landmann höchstens auf 9 000 Euro. „Da der vorgesehene Termin mit der Brandschutzwoche der Feuerwehr kollidierte und das Schlossareal für vier zusammenhängende Tage nicht mehr zur Verfügung stand, brachte Magistratsmitglied Gerhard Groß die sogenannten ‚Kleinen Kulturtage‘ ins Gespräch“, erläutert der LVG-Vorsitzende.

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