Von Esther Ruppert-Lämmer
Gelnhausen. „‚Und wo geht es jetzt hin?‘ fragt die Wirtin im Bayerischen Hof in Geiselbach. Der Wanderer stellt sein Apfelweinglas auf den Tresen und meint: ‚Na, erst mal runter in den Kahlgrund.‘ ‚Ui, das ist aber noch ein schönes Stückchen!‘ Er aber will weiter. Viel weiter. Er traut sich nur nicht, zu sagen, wohin. Zu phantastisch, zu großmäulig erscheint ihm das wirkliche Ziel seiner Wanderung.“ Denn das liegt 2500 Kilometer entfernt in Spanien. Von Gelnhausen nach Santiago de Compostela, zu Fuß, allein, dreieinhalb Monate lang – der Gelnhäuser Michael Heininger ist diesen Weg gegangen, zweimal sogar. Seine Erfahrungen – angefangen von der eingangs geschilderten Unterhaltung im Bayerischen Hof bis hin zur Ankunft in Santiago – hat er jetzt in einem Buch mit dem Titel „Heiter. Weiter“ aufgeschrieben.
Der Jakobsweg hat ihn gefunden, nicht umgekehrt. „Gewandert bin ich schon immer gerne, bin beispielsweise von Gelnhausen bis nach Tirol gelaufen, mein nächstes Ziel sollte Italien sein“, erinnert er sich.
Doch das Schicksal hatte etwas anderes mit ihm vor: Heininger, damals Wirt im legendären „Henninger Stüberl“ in der Langgasse, fischte beim Aufräumen unter einer Sitzbank eine Zeitung hervor. „Ich wollte sie zum Altpapier geben, da fiel mein Auge auf einen Artikel. Im Reiseteil wurde über einen uralten Pilgerpfad im Norden Spaniens berichtet. Ich hatte nie davon gehört, war aber sofort elektrisiert: Da musst du hin! Es war die ‚Welt‘, die mir zu Füßen lag“, sagt er heute und fügt lächelnd hinzu: „Und damit meine ich nicht nur den Titel der Zeitung.“
Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 22.Juli.
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