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Main-Kinzig-Kreis - 22.02.2013 16:35 Uhr
Überlebenskampf in Hanau




Freigericht/Hanau (erl). Das Problem stinkt zum Himmel ? buchstäblich. In der Hanauer Daimlerstraße, unweit des Bahnhofs, türmen sich die Abfälle. Zweimal am Tag schaut das Ordnungsamt vorbei, um eine ?Vermüllung? des Quartiers zu verhindern. Dabei ist der Müll ohnehin allgegenwärtig: Direkt gegenüber eines großen, ehemals weißen Wohnblocks befindet sich der städtische Betriebshof. Hanauer, die ihren Unrat loswerden wollen, kommen an diesem Ort nicht vorbei ? ob sie wollen oder nicht. Viele würden mittlerweile lieber nicht mehr wollen müssen, auch wegen der ?Recycling-Händler?, die sich oft dicht um die anliefernden Autos drängen. Rund 350 Menschen mit rumänischem Pass sind offiziell in der Daimlerstraße gemeldet; bis zu 30 Personen pro Wohnung, heißt es. Wie es hinter der Fassade aussieht, weiß niemand so genau. Auch nicht Holger Franz. Der Diplom-Sozialarbeiter aus Freigericht ist seit 15 Jahren beim Caritas-Verband für den Main-Kinzig-Kreis im Einsatz. Er kümmert sich im Rahmen der Allgemeinen Sozialberatung um die südosteuropäischen Zuwanderer in der Daimlerstraße. Er versucht es zumindest.



 



Es war ein regelrechter Hilfeschrei, mit dem sich der Hanauer Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD), in dieser Woche an die Öffentlichkeit wandte. ?Wir sind konfrontiert mit Menschen, die nur eine geringe Bildung haben, kein Deutsch sprechen und aus einem Kulturkreis kommen, der zur Abschottung neigt. Die Kontaktaufnahme gestaltet sich ausgesprochen schwierig?, berichtet der Stadtrat in einem Schreiben an Kultusministerin Nicola Beer (FDP).



Dabei habe die Stadt einiges getan, um den sozialen Brennpunkt unweit der Innenstadt zu entschärfen. Als sich im Frühjahr 2012 herauskristallisierte, dass sich die Wohnblocks in der Daimlerstraße zu einem Anlaufpunkt für rumänische Armutsflüchtlinge entwickeln, wurde eigens eine ?Task-Force? ins Leben gerufen. Die Ausländerbehörde, das Ordnungsamt, die Bauaufsicht, der Fachbereich Bildung, Soziale Dienste und Integration, der Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung und das Staatliche Schulamt ? alle maßgeblichen Stellen sind mit im Boot. Bislang allerdings mit mäßigem Erfolg.



Hört man den Erzählungen von Holger Franz zu, drängt sich der Eindruck auf, dass man eigentlich dankbar sein sollte für die Müllberge auf der Straße ? schließlich waren sie ?schuld?, dass die prekäre Lebenssituation der rumänischen Zuwanderer sukzessive einer immer breiteren Öffentlichkeit ins Auge fiel.



Der mediale Aufschrei der vergangenen Tage, das plötzliche Interesse der überregionalen Politik hat Holger Franz dennoch überrascht. ?Für uns ist das, was da passiert, Alltagsgeschäft?, sagt er mit einem leichten Schulterzucken. Mittlerweile, wohlgemerkt, denn mit Zuständen, wie sie derzeit in der Daimlerstraße herrschen, waren Franz, der früher im Strafvollzug beschäftigt war, und seine Kollegin Claudia Muschler, mit der er das Projekt ?Straßensozialarbeit in der Hanauer Innenstadt? verantwortet, bislang nicht konfrontiert.



?Die Politik auf Bundesebene hat die Problematik unterschätzt ? oder zumindest billigend in Kauf genommen?, sagt Franz, und mehr als ein Hauch Resignation schwingt in seiner Stimme hat. Mit Zuwanderern hat er in den vergangenen Jahren regelmäßig zu tun gehabt. Rund 50 Prozent der Klientel, die seine Sprechstunde aufsucht, sind Menschen mit Migrationshintergrund. Im Zuge der EU-Erweiterung kamen Menschen aus Polen oder den baltischen Staaten in den Main-Kinzig-Kreis ? viele ohne Familie und nur auf Zeit, solange eben, wie zum Geldverdienen notwendig war. Dann ging es zurück.



Nicht so die Rumänen.



 



Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 23.Februar.



 










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