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Lebenslange Haft für „Todesengel“

Landgericht Hanau verurteilt 49-Jährigen wegen versuchten Mordes

04 Sep 2018 / 21:40 Uhr
Hanau (nic). Nichts kann damit ungeschehen gemacht werden, gar nichts. Aber vielleicht kann Elif A. (Name geändert) nun endlich einen Schlussstrich ziehen, ein Stück weit abschließen mit den Ereignissen jenes Tages, der ihr Leben in zwei Teile geteilt hat: das davor und jenes danach. Und irgendwann vielleicht sogar wieder durchschlafen, ohne Angst das Haus verlassen, ihren Frieden finden. Gestern Mittag hat das Hanauer Landgericht ihren geschiedenen Mann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte, daran gibt es für die Richter keinerlei Zweifel, versucht, Elif A. zu töten.

Mit der Verurteilung zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung ist die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Dr. Peter Graßmück dem Antrag von Oberstaatsanwalt Dominik Mies sowie dem der Nebenklage gefolgt. Die Verteidigung hatte kein konkretes Strafmaß gefordert, jedoch ein milderes Urteil angeregt.

Mies verwies eingangs auf die Parallelen zu einem nur wenige Wochen zuvor an gleicher Stelle verhandelten Fall: Hier war Najibollah A. vor dem Landgericht der Prozess gemacht worden, der am Nikolausabend 2017 seine getrennt von ihm lebenden Frau Shukriyeh vor der Hanauer Marienkirche mit einem Messer angegriffen hatte. Beinahe genauso, wie Aydin A. nur vier Wochen später, am Morgen des 5. Januar. In beiden Fällen, sagte Mies, habe ein überkommender Ehrbegriff eine Rolle gespielt, sei es um Eifersucht und um Emanzipation gegangen, mit der die Täter nicht zurechtkamen. Einen Unterschied allerdings gibt es: Shukriyeh A. ist tot.

Dass Elif A. noch lebt, ist ein kleines Wunder, das zuallererst dem Umstand zu verdanken ist, dass eine Nachbarin so beherzt und mutig zu einer umherliegenden Dachlatte griff und damit auf Aydin A. einschlug, bis er von seinem Opfer abließ und flüchtete. Doch in diesem geretteten Leben von Elif A. ist seitdem nichts mehr wie bisher, als „ein Häufchen Elend“ beschrieb Mies sie, und brachte die Folgen jener „bestialischen Tat“ für die 47-Jährige auf den Punkt: Der Angeklagte habe es zwar nicht geschafft, seine Frau physisch zu töten. Das Leben habe er ihr dennoch genommen.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 5. September.

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