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Vielleicht auch ohne Abweichung

Möglicherweise ein Edeka-Markt entstehen, ohne die Regionalplanung zu umgehen

06 Sep 2018 / 11:58 Uhr
Büdingen (jek). Die Chancen, dass auf dem einstigen Büdinger Kasernengelände ein Edeka-Markt und damit ein dritter Vollsortimenter für die Stadt entsteht, sind merklich gestiegen. Denn offenbar steht die Regionalplanung einem solchen Vorhaben nicht derart entgegen, dass eine Abweichung von dem Regelwerk notwendig wäre.

Im Mai hatten die Büdinger Stadtverordneten beschlossen, bei der zuständigen Regionalversammlung Süd ein Abweichungsverfahren zu beantragen. Diesen Schritt musste Büdingen gehen, da der gültige Regionalplan ein Vorhaben wie den Edeka-Markt auf dem Kasernengelände nicht zulässt.

Entsprechende Signale hatte bereits das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt (RP) gegeben. Dort hatte man eine Genehmigung für die Pläne des Investors Revikon, an der Orleshäuser Straße neben den Filialen des Discounters Aldi und der Drogeriekette „dm“ auch einen Edeka-Vollsortimenter zu verwirklichen, als „sehr unwahrscheinlich“ bezeichnet. Das Problem: Während „dm“ und Aldi lediglich mit ihren bestehenden Filialen an den Standort zögen, würde Edeka ein komplett neues Versorgungsangebot bieten.

Für derartige Vorhaben bevorzugt der geltende Regionalplan jedoch den Innenstadtbereich. Schon früher hatte das RP andere Pläne, einen großflächigen Einzelhandel in Büdingen zu verwirklichen, mit den gleichen Argumenten eine Absage erteilt. Damals ging es um die Ansiedlung eines Kauflandes auf dem Gelände südlich der Bahngleise („Über der Seeme“), wo derzeit das neue Pflegeheim des Büdinger DRK entsteht.

Diese Einschätzung scheint sich zumindest in Teilen geändert zu haben. Wie Büdingens Rathauschef Erich Spamer schildert, sei ein Abweichungsverfahren gar nicht notwendig. Viel mehr reiche es aus, das Vorhaben bei der Regionalversammlung anzuzeigen. Das bestätigt auch der behördliche Unterbau der Regionalversammlung, das Darmstädter Regierungspräsidium (RP), auf Anfrage: „Die Aussage des Bürgermeisters der Stadt Büdingen ist nach derzeitigen Erkenntnissen grundsätzlich zutreffend.

Allerdings wurde der Stadt aufgegeben, die Auswirkungsanalyse für den geplanten Standort nachzubessern. Sollten diese Nachbesserungen zu dem Ergebnis führen, dass die drei geplanten Märkte ein Einzugsgebiet haben, das den sogenannten zentralörtlichen Verflechtungsbereich der Stadt Büdingen überschreitet, wäre doch ein Abweichungsverfahren erforderlich“, schildert der Pressesprecher des RPs, Dieter Ohl.

Demnach hängt es nun von besagtem Gutachten ab, ob Büdingen an seinem Antrag festhalten muss oder die Genehmigung des Edeka-Marktes auch ohne ein Abweichungsverfahren möglich ist. Konkret müsste diese Expertise zeigen, dass ein neuer Vollsortimenter nicht über ein Ziel hinausschießt: die Versorgung der umliegenden Unter- und Kleinzentren rund um Büdingen sicherzustellen. Erst in diesem Fall bedürfte es eines Abweichungsverfahrens, wie das RP schildert.

Rewe befürchtet Umsatzeinbußen

Doch so oder so: Diese Kombination aus Discounter, Drogerie und Vollsortimenter ist nicht ganz ohne. Zumindest, so die Befürchtung von Rainer Lapp, zieht sie möglicherweise bis zu einem Viertel seines Umsatzes aus der Innenstadt ab, wie der Rewe-Kaufmann mit seinem Laden in der Büdinger Innenstadt berichtet.

Und das, obwohl Büdingens Bürgermeister Erich Spamer ihm in die Hand versprochen habe, solche Marktansiedlungen im Außenbereich zugunsten des Innenstadtkerns zu vermeiden. Zulassen wollen habe Spamer ausschließlich kleinflächigen Einzelhandel bis maximal 800 Quadratmeter.

Geplant sind auf dem Gelände neben den Märkten auch 185 Wohneinheiten und 85 Bauplätze. Gerne findet damit der Begriff „Büdingens neuer Stadtteil“ Verwendung im Sprachschatz der Kommunalpolitik. Mit dieser Entwicklung begründet auch der Rathauschef, warum die Ansiedlung der drei Märkte in diesem Außenbereich der Kernstadt sinnvoll sei.

Doch mit rund 600 erwartbaren neuen Einwohnern wäre wohl für einen Vollsortimenter kein Krieg zu gewinnen, findet zumindest Rewe-Kaufmann Rainer Lapp. Schon wenn Ortschaften unter die Marke von 2.000 Einwohnern schrumpften, hätten Märkte geschlossen. „Und nun wird wegen 600 Leuten ein neuer Markt eröffnet“, wundert sich der Kaufmann, der sich vor fünf Jahren in Büdingen niederließ. Der Mietvertrag für seinen Laden laufe nach einer jüngsten Vereinbarung noch weitere 15 Jahre.

Wohlgemerkt: Ein einzelner Edeka-Markt wäre für Lapp ebenso kein Grund, in Jubel auszubrechen, aber an dieser Stelle wohl verschmerzbar. Doch mit „dm“ und Aldi hätte der Vollsortimenter dann eben auch Frequenzbringer, mit denen sich auch der Edeka lohne und damit drohe, dem bestehenden Rewe-Markt empfindliche Umsatzeinbußen zu bescheren, wenn sich die Aldi-Kunden dann alles, was sie nicht bei ihrem Discounter bekommen, im naheliegenden Vollsortimenter besorgen.

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