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Vom Scheitern einer Ehe

Jan Fleischhauer liest am Freitag, 13. April, in Gelnhausen

12 Mrz 2018 / 15:06 Uhr

Gelnhausen (wel). Zum Auftakt der neuen Reihe „Literatur in Gelnhausen“ ist Jan Fleischhauer am Freitag, 13. April, ab 19.30 Uhr im Saal der Kreissparkasse in Gelnhausen zu Gast. Der „Spiegel“-Redakteur, Kolumnist und Buchautor liest aus seinem neuen Roman „Alles ist besser als noch ein Tag mit Dir“.

Jan Fleischhauer, geboren 1962 in Hamburg, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie. Seit 1989 gehört er der Redaktion des „Spiegel“ an. Nach dem Fall der Mauer war er zunächst Büroleiter in Leipzig, danach in Berlin, später Amerika-Korrespondent des Magazins. Heute lebt er in München.

Seine wöchentliche Kolumne „Der schwarze Kanal“ auf „Spiegel Online“ gehört zu den meistgelesenen in Deutschland. Wie der Name impliziert, hat diese Kolumne mit dem journalistischen Mainstream nur wenig gemein. Schließlich ist Fleischhauer einer, der „aus Versehen konservativ wurde“ – so der Untertitel seines Bestsellers „Unter Linken“ von 2009. Schon damals hat der Journalist seine persönlichen Erahrungen in einem Buch verarbeitet.

Aufgewachsen in einem bürgerlichen norddeutschen SPD-Haushalt, hat er linke Milieus auch in der Schule und in der Journalistenausbildung am eigenen Leib erfahren. „Am Anfang versuchte ich, meine konservativen Neigungen zu unterdrücken. Ich redete mir ein, sie würden vorbeigehen wie jugendliche Hitzewallungen“, schreibt er. „Das Schwierigste für jeden späteren Konservativen ist immer das Coming-out.“

Auch sein neuer Roman ist stark autobiografisch geprägt. „Es ist gar nicht so schwierig, angesichts einer Scheidung guter Dinge zu bleiben“, meint Fleischhauer. „Man braucht nur einen ausreichenden Vorrat an Gin Tonic, eine Werkausgabe von Sigmund Freud und ab und an das Zwiegespräch mit einem Engel.“

Seine Ehefrau macht ihm ausgerechnet bei einer Paartherapie deutlich, dass alles besser ist als noch ein Tag mit ihm. Der Autor verliert auf einen Schlag das vertraute, gutsituierte Leben mit Frau und zwei Töchtern – und seinen Halt. Hilflos trudelt er durch den Alltag und versucht, die größte Katastrophe seines Lebens zu überstehen. Er sammelt Statistiken wie andere Leute Briefmarken, taucht ein in die Welt der Partnervermittlungen und leidet unter der Trennung wie ein Hund. Nur ganz langsam lernt er, wieder auf eigenen Beinen zu stehen und sich eine Perspektive aufzubauen. Natürlich kommt am Ende eine neue Frau ins Spiel, und der Autor geht einen neuen Weg.

Dass sich der Roman höchst unterhaltsam liest, ist Fleischhauers große Kunst. Noch erstaunlicher ist, dass sein Scheitern nicht zu einer Generalabrechnung mit der Ex-Frau und den Umständen wird, sondern zu einer vergnüglichen Lektüre mit reichlich Selbstironie. Und das, obwohl der Autor bei aller Dramatik sein starkes Ego doch immer wieder durchblicken lässt.

Karten für die Lesung zum Preis von 10 Euro gibt es bei der Tourist-Info am Gelnhäuser Obermarkt, Telefon 06051/830-300.

„Literatur in Gelnhausen“ ist der Titel einer Initiative, welche die Stadt Gelnhausen unter Federführung von Simone Grünewald (Bereich Kultur und Tourismus) gemeinsam mit Bettina Mähler, Deutsch- und Englischlehrerin an der Kopernikusschule Freigericht, und der GNZ als Medienpartner zusammengeführt hat. Unterstützt wird die Initiative von der Kreissparkasse Gelnhausen und der Kulturstiftung Gelnhausen.

Die neue Reihe hat sich zum Ziel gesetzt, namhafte Autoren zu präsentieren, aber auch Autoren mit einem besonderen Bezug zur Stadt oder zum Kinzigtal.

Die Reihe findet an wechselnden Veranstaltungsorten in Gelnhausen statt: im Saal der Kreissparkasse, im Museum der Stadt (unter dem Titel „Literatur im Museum“) und im GNZ-Kultursaal (unter dem Titel „Literatur im Pressehaus“).

Nach der Auftaktveranstaltung mit Jan Fleischhauer sind im zweiten Halbjahr 2018 noch weitere spannende Lesungen geplant.

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