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„Die Angriffe haben zugenommen“

Sebastian Spiller aus Geislitz spricht über die Situation der Einsatzkräfte

06 Apr 2018 / 22:19 Uhr

Einsatzkräfte und Rettungssanitäter klagen über zunehmende Übergriffe und Behinderungen in ihrer Arbeit. Vor allem in Großstädten scheint die Hemmschwelle zu sinken. Schaulustige behindern zudem den Zugang zu Einsatzorten. Doch wie sieht die Situation im ländlichen Raum aus? Nehmen Übergriffe zu, oder ist das ein Problem der urbanen Zentren? GNZ-Redakteur Martin Krauß sprach darüber mit Sebastian Spiller aus Geislitz. Er arbeitet seit 2003 als Notfallsanitäter bei der Berufsfeuerwehr in Frankfurt und ist zudem bei den freiwilligen Feuerwehren in Geislitz und Gelnhausen aktiv.

GNZ: Herr Spiller, Sie arbeiten für die Frankfurter Feuerwehr unter anderem als Notfallsanitäter. Kam es bereits vor, dass Sie in Ihrer Arbeit durch Passanten behindert oder gar angegriffen wurden?

Sebastian Spiller: Ja, leider gehören Behinderungen in der Ausübung meiner Einsatztätigkeit mittlerweile zur Tagesordnung. Das fängt bei uneinsichtigen Verkehrsteilnehmern, die keine Rettungsgasse bilden oder die Feuerwehrzufahrten zuparken, an und lässt sich beliebig fortsetzen. Beleidigungen und verbale Angriffe kommen seltener, aber doch regelmäßig vor. Dabei sind es meiner Erfahrung nach eher Patienten oder Angehörige, von denen die Verbalattacken ausgehen. Körperlich angegriffen wurde ich in meiner Zeit im Rettungsdienst leider ebenfalls schon das ein oder andere Mal. Meist standen dabei die Täter unter Alkohol und/oder Drogeneinfluss. Zum Glück gehen die meisten Vorfälle glimpflich mit Anspucken, Wegstoßen oder einem versuchten Faustschlag aus. Wobei man schon sagen muss, dass die Situationen subjektiv über die Jahre zugenommen haben.

Können Sie ein Beispiel dafür nennen, oder blieb Ihnen ein Vorfall besonders in Erinnerung?

Wir wurden einmal zu einer Gruppe Jugendlicher alarmiert, die am Mainufer feierten. Einer von ihnen hatte wohl zu viel getrunken, und es war unklar, ob Drogen mit im Spiel waren. Er wurde irgendwann ohnmächtig, was seine Freunde dazu veranlasste, den Rettungsdienst zu rufen. Als wir dort eintrafen und ich auf die Gruppe zuging, stand der junge Mann schon wieder. Als ich ihn fragte, was denn passiert sei, stieß er mich ohne Vorwarnung mit beiden Händen vor die Brust und schrie mich an. Ich signalisierte meinem Kollegen, dass wir uns zurückziehen, und ging selbst rückwärts zum Fahrzeug. Währenddessen nahm sich der Mann aus einem Bierkasten volle Flaschen und begann damit, nach uns und dem Rettungswagen zu werfen. Im Ergebnis konnten wir uns im Fahrzeug in Sicherheit bringen und blieben unverletzt. Allerdings wurde durch den Angriff unter anderem die Frontscheibe und die Signalanlage beschädigt, so dass wir das Fahrzeug nach dem Einsatz außer Dienst nehmen und austauschen mussten.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 7. April.

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