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Anleitung zur „Operation Kaninchenjagd“

Wie CDU-Kreisgeschäftsführerin Anne Höhne-Weigl einst aus dem Amt gedrängt werden sollte

23 Sep 2016 / 11:18 Uhr
Main-Kinzig-Kreis (wel). „Pflegehinweise für das Kaninchen“ ist ein achtseitiges Papier mit dem Untertitel „Operation Kaninchenjagd“ überschrieben, das der GNZ aus CDU-Parteikreisen zugespielt wurde. Es dient als Handlungsanleitung, wie die ehemalige Kreisgeschäftsführerin der CDU Main-Kinzig, Anne Höhne-Weigl (das „Kaninchen“), vor zehn Jahren aus dem Amt gedrängt werden sollte. Zumindest mitverfasst haben soll das Papier nach GNZ-Informationen der damalige Landesvorsitzende der Jungen Union (JU) Hessen und heutige Generalsekretär der CDU Deutschland, Dr. Peter Tauber. Adressat war der seinerzeit neue CDU-Kreisvorsitzende Tom Zeller. Tauber bestreitet, dass er der Verfasser war. Wer auch immer das Papier zu verantworten hat, fest steht: Der Vorgang wirft ein dunkles Licht auf die Machtspiele in der Politik und auf die handelnden Akteure.

„Lieber Tom, der Arbeitsvertrag des Kaninchens muss her. Sonst prüfen wir ohne Basis – das ist bull-shit.“ Mit diesen harschen Worten steigt der Verfasser des Papiers ein. Was folgt, ist ein detaillierter Ablauf, wie die unliebsame Kreisgeschäftsführerin geschasst werden sollte:

„Ende November/Anfang Dezember: Aufhebungsvertrag; Februar/März: Einarbeitung Nachfolger als 400-Euro-Kraft, letzter Monat des Kaninchens; März/ April: Nachfolger arbeitet sechs Monate Probezeit zu geringerem Gehalt, zum Beispiel 2 000 oder 2 500 Euro; September: Mit dem eingesparten Geld bezahlt man dem Kaninchen seine symbolische Abfindung, danach bekommt Nachfolger normales Entgelt für den Rest des ersten Jahres; März/April 2007: Nach einem Jahr automatische Erhöhung auf die normale Stufe des Entgelts nach TVöD.“

Im Weiteren wird Zeller das konkrete, üble Vorgehen dargestellt.

Das besagte Papier erreichte den Kreisvorsitzenden Tom Zeller im Herbst 2006, kurz vor der Bürgermeisterwahl in Gelnhausen, die Thorsten Stolz (SPD) gegen CDU-Kandidat Thilo Allwardt gewann. Anne Höhne-Weigl hatte wenig später offenbar Kenntnis von dem Schreiben bekommen. Im Sinne der Parteiräson wurde der gesamte Vorgang von allen Seiten vertraulich behandelt. Gespräche, die Höhne-Weigl zum Weggang bewegen sollten, mussten demnach unterbleiben, um die handelnden Akteure und damit die gesamte Partei nicht nachhaltig zu beschädigen.

Tom Zeller und Peter Tauber kannten einander schon damals sehr gut. Sie waren viele Jahre lang in Führungsämtern der JU Hessen tätig. Zeller warf als CDU-Kreisvorsitzender 2011 das Handtuch. Offizielle Darstellung seinerzeit: Die Christdemokraten ziehen die Konsequenzen aus den Niederlagen bei Kommunal- und Landratswahlen.

Höhne-Weigl blieb nach dem ominösen Papier vom Herbst 2006 noch fast acht Jahre lang Kreisgeschäftsführerin der CDU. Erst im Juni 2014 wurde sie vom damals gerade neu gewählten Kreisvorsitzenden Johannes Heger in den Ruhestand verabschiedet. Zwischen Zeller und Heger war Tauber selbst gut drei Jahre Kreisvorsitzender der CDU Main-Kinzig. Seine Hände mochte und konnte er sich in Sachen Höhne-Weigl nicht schmutzig machen. Wohl oder übel blieb sie in der Geschäftsstelle. Ende 2013 wurde Tauber Generalsekretär der CDU Deutschland. Wenige Monate später legte er das Amt des Kreisvorsitzenden nieder. Johannes Heger durfte die „Personalie“ Höhne-Weigl zum Abschluss bringen.

Am 4. November dieses Jahres kürt die CDU ihren Bewerber für den hiesigen Bundestagswahlkreis 175. Einziger Bewerber bis dato: Dr. Peter Tauber.

Mehr dazu lesen Sie am Samstag in der GNZ.

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