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Blühende Pracht im Main-Kinzig-Kreis

Alfred Herms (Obst- und Gartenbauverein) über Streuobstwiesen

02 Mai 2017 / 17:43 Uhr
Neuberg (re). Blüten wohin man schaut, denn in vielen Orten des Main-Kinzig-Kreises können sich Menschen an der Pracht blühender Obstbäume erfreuen. Streuobstwiesen sind eben mehr als nur eine Ansammlung von Obstbäumen, weiß Alfred Herms, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Neuberg zu berichten.

Gegenwärtig stehen die Apfelbäume in voller Blüte, während Kirsche, Birne und Pflaume bereits ihren Höhepunkt überschritten haben. Diese Pracht haben wir den noch vorhandenen Streuobstwiesen von Frankfurt in Richtung Hanau und auch in die Wetterau hinein zu verdanken. Hier liegt eines der größten zusammenhängenden Streuobstgebiete Hessens. Längst ist die wirtschaftliche Bedeutung der Streuobstwiesen gesunken, denn die heutigen Konsumenten von Obst bevorzugen den makellosen Apfel aus dem Supermarkt unbeschadet der Tatsache, dass heimische Obstwiesen hervorragendes Obst zu liefern zu vermögen. Sie nehmen es nicht nur in ihrer naturbelassenen Optik, sondern auch mit dem hervorragenden Geschmack alter Sorten und den unverfälschten Inhaltsstoffen allemal mit den teilweise aus fernen Länder importierten Erzeugnissen auf. Zudem gehören Streuobstwiesen zu den schönsten Kulturlandschaften Mitteleuropas. Sie haben auch heute noch einen großen Wert für das Kleinklima der sie umgebenden Region, indem sie zur Windbremsung beitragen, Schadstoffe aus der Luftfiltern und einen großen Artenreichtum von Flora und Fauna bewirken.

Bereits Anfang des sechsten Jahrhunderts wurde der Obstbau und dessen Pflege auf dem Gebiet des heutigen Bundeslands Hessen nachgewiesen, heutige Kulturobstsorten wurden jedoch bereits unter der römischen Herrschaft verbreitet. Mit der Ausdehnung der Siedlungen erfuhr auch der Obstbau eine Ausbreitung. Mit der Errichtung der Klöster ging eine Intensivierung des Obstbaues im deutschen Raum einher. Einen starken Aufschwung nahm der Anbau hochstämmiger Bäume Anfang des 19. Jahrhunderts infolge von Missernten der Weinbauern in Verbindung mit eingeschleppten Weinrebenschädlingen. In der Hochzeit des Obstbaues kannte man mehr als 2000 Apfel- und Birnensorten in unserer Heimat. Die Nahrungsmittelknappheiten des Ersten und Zweiten Weltkriegs führten zu einer Renaissance des Obstbaumanbaues. Doch die Intensivierung der Landwirtschaft führte in den siebziger Jahren zu einem dramatischen Rückgang des Obstbaumbestandes. Der Obstbau althergebrachter Art stellte sich zunehmend als unwirtschaftlich heraus, zumal Rodungsprämien des Staates bis in die 90er Jahre hinein die Reduzierung der Baumbestände massiv beförderten. Heute ist glücklicherweise ein Umdenken feststellbar, denn man entdeckt den Wert der Bäume und Wiesen wieder.

Mehr in der GNZ vom 3. Mai.