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Bunte Barrierefreiheit

Rita Ebel baut aus Legosteinen mobile Rampen für Rollifahrer

29 Mai 2019 / 10:03 Uhr
Hanau (nic). Die 62 sieht man ihr nicht an, doch aus dem Lego-Alter ist Rita Ebel zweifelsohne raus. Dass sie sich trotzdem in jüngster Zeit in ihrer Freizeit sehr intensiv dem Zusammenstecken kleiner bunter Plastiksteinchen widmet, ist aber keiner infantilen Phase zu verdanken, sondern einem neuen Projekt der Initiative „Menschen in Hanau“, das Ebel angestoßen hat. Aus Tausenden Legosteinen entstehen dabei mobile Rampen, die für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator eine wertvolle Hilfe im Alltag sein sollen.

Manchmal sind es nur sechs Zentimeter: Eine einzige Treppenstufe nimmt Rita Ebel die Entscheidung darüber ab, ob sie beim Einkaufsbummel ein bestimmtes Geschäft besucht oder nicht. Eine Art Unmündigkeit, die sich nicht gut anfühlt. „Da denke ich manchmal an dieses Schild für Hunde: ‚Wir müssen leider draußen bleiben‘“, sagt Ebel, die seit einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist, und das ist nur zum Teil ironisch gemeint. Denn obwohl man natürlich theoretisch andere um Hilfe bitte könnte, ist Unabhängigkeit ein hohes Gut – auch und gerade, wenn man im Rollstuhl sitzt.

Weil Rita Ebel aber ein Mensch ist, der lieber nach Lösungen sucht, anstatt Zustände zu beklagen, soll es in der Grimmstadt hoffentlich bald möglichst viele Rampen geben, die die Stadt ein bisschen barrierefreier machen – und ganz nebenbei auch ein bisschen bunter. Dass die Idee mit den Legosteinen ihren Weg nach Hanau fand, ist dem Umstand zu verdanken, dass Ebel beim Blättern in einem Magazin auf einen Bericht über eine junge Bielefelderin gestoßen war, die in ihrer Heimatstadt Tausende Legosteine zu mobilen Rampen verbaut – und gleich Feuer und Flamme war. „Das ist so simpel wie sinnvoll: Die Steine sind sehr stabil, leicht zu händeln und lassen sich im Prinzip für jede Stufenhöhe anfertigen“, sagt Ebel. Die bunten Steinchen werden zusammengesteckt und dann mit Silikon verklebt, eine Granulatmatte sorgt als finales Element dafür, dass nichts verrutscht.

Sammelstellen in Hanau sind beispielsweise das Haus am Steinheimer Tor, der Stadtladen, das Tattoostudio Incognito in der Salzstraße oder die Altstadt-Apotheke in der Hausmannstraße. Wer die Aktion unterstützen will oder Fragen dazu hat, kann sich außerdem per E-Mail an legorampen@menschen-in-hanau oder unter Telefon0163/636385209 an Rita Ebel wenden. Auch Firmen, die gerne selbst mobile Legorampen nutzen möchten, sind hier an der richtigen Adresse.

Mehr lesen Sie in der GNZ vom 29. Mai.

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