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„Der Wildpark ist menschenleer“

Forstamtsleiter Schäfer über die Situation in der Alten Fasanerie

24 Mrz 2020 / 09:53 Uhr
Hanau-Klein-Auheim (tmb). Im Wildpark Alte Fasanerie in Klein-Auheim ist momentan nichts so, wie es war, wie fast überall in Deutschland. Christian Schäfer, Leiter des Forstamts Hanau-Wolfgang und Chef des Wildparks, berichtet über die bizarre Situation.

„Der Wildpark ist trotz des sonnigen Wetters nahezu menschenleer. Das ist eine ganz ungewöhnliche Situation, die wir so noch nie erlebt haben“, berichtet Schäfer. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei gut. Jeder gehe seiner Arbeit nach. „Normalerweise gibt es an solchen Tagen viele Interaktionen mit Besuchern, die zum Beispiel Fragen an uns richten oder unseren Fütterungstreffpunkten beiwohnen. Das alles fällt jetzt weg – alles mehr als merkwürdig. Auch die spielenden und tobenden Kinder des Wildparkkindergartens fehlen. Es ist außergewöhnlich ruhig hier.“

Die Versorgung der Tiere sei gewährleistet. „Die Mitarbeiter sind glücklicherweise alle fit und hochmotiviert. Die Tiere werden weiterhin medizinisch versorgt, gefüttert und gepflegt wie immer“, sagt Schaefer. Somit haben sich in der Versorgung der Tiere keine Veränderungen ergeben. „Der einzige Unterschied bisher ist, dass die Tierpfleger mehr Zeit für die Tiere aufwenden, weil sie ihrer Arbeit ungestört nachgehen können.“ Vielleicht bemerken sogar die Tiere im Park, dass etwas anders ist. „Mit Sicherheit fehlen vielen Tieren die Besucher mit dem leckeren Kassenfutter. Insbesondere unsere Wildschweine, Mufflons, Sikahirsche und Hausziegen werden sich über so wenig Publikum reichlich wundern und die fütternde Hände natürlich vermissen. Die zusätzlichen Leckereien werden wahrscheinlich sehr vermisst. Ein bisschen ‚Diät’ ist aber gerade für unsere Ziegen nicht das Schlechteste.“

Auch das Wildpark-Team hält sich selbstverständlich an die Hygienevorschriften. „Wir erfüllen unsere Sorgfaltspflichten gegenüber unseren Mitmenschen und auch uns selbst gegenüber.“ Das Forstamt hat für alle Mitarbeiter einen Pandemieplan erstellt. So werden zum Beispiel Mindestabstände zueinander eingehalten, direkte Kontakte vermieden. „Wir machen unsere Pausen im Moment lieber draußen, lüften unsere Räume. Besprechungen, Fortbildungen, Veranstaltungen wurden alle abgesagt.“

Von weiteren Auswirkungen sei der Park bisher völlig verschont geblieben, berichtet Schäfer. „Einige aus dem Team haben frei, um ihre Überstunden auszugleichen, da im Moment weniger Arbeit anfällt.“ Die Wildparkführer seien zum Teil Freiberufler und litten jetzt sehr stark unter dem Wegfall der Veranstaltungen. „Das belastet natürlich auch uns, und wir machen uns dazu viele Gedanken. Wir hoffen, dass wir viele Veranstaltungen und Führungen nachholen können, sobald sich die Situation wieder verbessert und entspannt hat. Es ist schade, dass nun so schöne Veranstaltungen wie das Wolfsheulen, der Ostermontag oder der Wildkatzensonntag mit dem BUND erst einmal ins Wasser fallen.“

Natürlich wirke sich die Wildparkschließung auch nachteilig auf die Besucherzahlen aus. „Das Wichtigste ist aber erst einmal das Wohl und die Gesundheit der Menschen. Wir freuen uns schon darauf, dass viele von ihnen unseren Park besuchen, wenn wir uns wieder normal bewegen können.“ Was die finanzielle Situation angeht, weist Schäfer darauf hin, dass der Wildpark Alte Fasanerie zu Hessen-Forst gehört und damit ein staatlicher Betrieb ist. „Die Verluste, die wir in diesem Jahr erleiden, werden somit vom Staat ausgeglichen. Rein private Betriebe sind in einer viel schwierigeren Lage.“

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