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„Gespräch kam nicht mehr zustande“

Sozialdezernent berichtet nach dem Tod zweier Kinder in der Stadtverordnetensitzung über die familiäre Situation

17. Mai 2022 / 10:31 Uhr
Hanau (nic/dpa). Die Ermittlungen zum gewaltsamen Tod der beiden Hanauer Geschwister-Kinder dauern an. In der Stadtverordnetenversammlung sind am Montagabend weitere Details zur Situation der Familie bekannt geworden. Aber viele Fragen sind noch offen.

Der unter Mordverdacht stehende Vater der beiden in Hanau getöteten Kinder ist dem Vernehmen nach bereits in einem Fall wegen häuslicher Gewalt aufgefallen. Wann der Mann, der am Samstag in der Nähe von Paris festgenommen wurde, nach Deutschland überstellt wird, ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft nach wie vor nicht absehbar. Er schweige weiterhin zu den Vorwürfen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Der Stadt Hanau sind nach eigenen Angaben keine strafrechtlich relevanten Informationen über den Vater bekannt geworden. Das berichtete Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) am Montagabend in der Hanauer Stadtverordnetenversammlung, nachdem der beiden Kinder in einer Schweigeminute gedacht worden war. Es gab demnach auch keine Gespräche unter Beteiligung des Jugendamtes mit dem Mann. Etwaige Gespräche mit dem Vater lagen Weiss-Thiel zufolge im Zuständigkeitsbereich eines beauftragten freien Trägers.

Am vergangenen Mittwoch war vor einem Hochhaus in der Hanauer Innenstadt ein schwer verletzter, elfjähriger Junge gefunden worden, der aus dem neunten Stock des Wohnhauses gestürzt war und kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlag. Seine siebenjährige Schwester wurde tot auf dem Balkon einer Wohnung im neunten Stockwerk des Hochhauses gefunden, in der die Kinder mit ihrer Mutter lebten. Sie wurde offensichtlich mit einem Messer getötet.

Die Mutter war nach Angaben des Bürgermeisters Anfang des Jahres mit ihren beiden Kindern aus dem Landkreis Offenbach nach Hanau gezogen – und zwar ohne ihren Mann. Zuvor hatte sie offenbar noch in einer gemeinsamen Wohnung mit dem Vater der Kinder gelebt, jedenfalls gab es eine gemeinsame Meldeadresse. Das Jugendamt habe sehr schnell Kenntnis von familiären Problemen erhalten, sei auf die Mutter zugegangen und habe mit ihr eine sozialpädagogische Familienhilfe vereinbart. Dafür habe das Amt, wie in solchen Fällen üblich, einen in Frage kommenden freien Träger beauftragt, dessen Auswahl vor allem aufgrund der vorhandenen Sprachkenntnisse erfolgte. Die Familie stammt aus Indien, die dortige Amtssprache Hindi werde hier nicht oft gesprochen.

Hinweise darauf, dass der Vater bereits zuvor gewalttätig geworden sei, habe es ebenso wie weitere strafrechtlich relevante Informationen entgegen anderslautenden Darstellungen in der Presse nicht gegeben. Auch die Behauptung, dass der Vater die Tat angekündigt habe, wollte Weiss-Thiel nicht bestätigen. „Es gab keinen konkreten Hinweis auf eine Kindeswohlgefährdung“, sagte der Sozialdezernent. Richtig sei jedoch, dass das städtische Jugendamt durch den Bericht des freien Trägers darüber in Kenntnis gesetzt worden war, dass sich die Situation verschärft habe. Vor diesem Hintergrund sei wenige Tage vor dem Tod der Kinder ein weiteres Gespräch mit der Mutter vereinbart gewesen, in dem auch die Möglichkeit eines Besuchsverbots sowie weitere sorgerechtliche Schritte eruiert werden sollten. „Doch dieses Gespräch kam nicht mehr zustande“, so Weiss-Thiel. „Wir müssen jetzt mit aller Kraft die Mutter unterstützen, der unser Mitgefühl gilt.“

Zielfahnder des Landeskriminalamtes hatten den Vater mit Unterstützung weiterer Experten der Zielfahndung des Bundeskriminalamtes in Frankreich lokalisiert. Gegen den Mann lag bereits seit dem Tag der Tat ein Haftbefehl vor, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hanau sagte. Nach seiner Überstellung von Frankreich nach Deutschland werde er dem Ermittlungsrichter vorgeführt, danach dürfte er in Untersuchungshaft genommen werden, so die Sprecherin.

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