SUCHE

Lust auf Lachen durch Lesende

Hans-Jürgen Lenhart über seine neue Reihe „Textrausch“in Hanau

06 Jan 2020 / 15:29 Uhr
Hanau (re). Das Hanauer Café Ellis in der Johanniskirche setzt mit seinem Veranstaltungsangebot neben Musik ab Januar auch verstärkt auf Literatur und Kabarett. An der Lesereihe „Textrausch“ beteiligen sich bekannte Namen wie die Satirikerin Susanne Hasenstab, aber auch lokale Schreiber wie die Hanauer Autorengruppe „ZwanzigZehn“.

Organisator der Reihe ist der in Hanau geborene Autor Hans-Jürgen Lenhart, der bereits zum dritten Mal eine Lesebühne ins Leben ruft. „Textrausch“ hat ein offenes Konzept. Los geht es am Sonntag, 26. Januar, ab 18 Uhr mit „Die Lesebühne Ihres Vertrauens”. Mit dabei sind einige bekannte aufstrebende Kabarettpreisträger wie Tilman Birr, Severin Groebner und Elis C. Bihn, die schon vor Jahren Frankfurts erste Lesebühne gegründet haben. Die Lesebühnenszene steht für eine Autorenszene, die sich wohltuend abgrenzt von Pennäler-Comedy, altbackenem Politkabarett oder trockenen Literaturrezitationen. Sie streift zwar derartige Grund-Genres, aber mit völlig eigenem Gestus. In diesem Sinn will Lenhart auch die Lesereihe verstanden wissen. Abseits vom Mainstream der Bestsellerlisten will er von Satire bis Unkonventionellem, von Motto-Lesungen bis zu lokalen Autoren, von Sprachspielern bis zu Künstlern, die Literatur mit anderen Genres verbinden, präsentieren.

„Die Berliner Lesebühnenszene hat viele tolle Autoren hervorgebracht, und das ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit der Poetry-Slam-Szene, wenngleich es auch Überschneidungen gibt“, sagt Lenhart. „So etwas gibt es in Rhein-Main eigentlich noch zu wenig, aber in den Lesebühnen entdecke ich noch am ehesten neue Ideen. Dass man mit einem bekannten Beispiel anfängt, ist nur logisch.“ Die drei Protagonisten der „Lesebühne Ihres Vertrauens” sind vor allem begnadete Moderatoren ihrer eigenen Werke und höchst witzige Liedermacher. Birr und Elis bilden zudem das erfolgreiche Duo „Welthits auf Hessisch“. Und Lenhart meint: „Mit einem Typ, der Elis heißt, im Ellis zu beginnen, passt doch irgendwie.“

Nächster Gast ist am Sonntag, 9. Februar, Susanne Hasenstab. Die mit dem Duo „Hohler Chaussee“ bekannt gewordene Mundart-Autorin stellt ihren neuen Roman „Irgendwo zwischen Liebe und Musterhaus“ vor, eine bissige Persiflage auf die Akteure des Kunst- und Kulturbetriebs und zeitgeistgetriebener Jungfamilien.

Stimmkunst, Komik, Poesie, Musik und Jonglage präsentiert das weibliche Duo „Die Qsinen“ am Mittwoch, 4. März. Auch diese Veranstaltung dient als Beispiel für die kulturelle Wundertüte, in der sich das Poetische mit anderen Disziplinen vermischt, die Lenhart präsentieren will.

Wer Peter P. Peters heißt, dem ist das Sprachspiel wohl in die Wiege gelegt worden. Der Meister der fonetischen Dichtung, in der es vor endlosen Alliterationen und Ähnlichem nur so herum „jandlt“, kommt am Mittwoch, 8. April, nach Hanau.

In Seligenstadt gibt es einen sehr erfolgreichen literarischen Salon namens „Skriptorium“, der immer wieder mit Gemeinschaftslesungen auf sich aufmerksam macht, dem aber Autoren von Frankfurt bis Aschaffenburg angehören. Die Gruppe hat sich eine Lesung um geheimnisvolle Gegenstände vorgenommen, was gut in das einfallsreiche Programm der Reihe passt. Sie liest am Samstag, 25. April.

Die Hanauer Autorengruppe „ZwanzigZehn“ präsentiert sich am Freitag, 15. Mai, und nähert sich ihrer Stadt mit unterschiedlichen Herangehensweisen und biografischen Erinnerungen.

Hans-Jürgen Lenhart verwandelt sich am Sonntag, 3. Mai, mit seinem Bühnenpartner Matì in „Zwaa Babbelschnute“, die die Absurditäten hessischer Volleulen und Klugscheißer beleuchten. Das klingt nach hessischem Monty-Python-Zirkus.

Unterstützt wird die „Textrausch“-Reihe von der Sparkasse Hanau – „zumindest eine gute finanzielle Absicherung, um bei Erfolg weitermachen zu können“, wie der Organisator betont. Lenhart ist waschechter Hanauer und sagt: „Ich lebe zwar inzwischen in Frankfurt, aber es freut ich mich besonders, auf diese Weise immer wieder in meine Heimatstadt zurückzukehren. In der Johanniskirche, in deren Bau sich das Café Ellis befindet, habe ich vor gut 45 Jahren schon einmal als Filmvorführer für Kinderfilme für die Stadt Hanau gearbeitet.“

Mit „Textrausch“ setzt Lenhart teilweise an das Konzept seiner „Panischen Lesebühne“ im Hanauer Brückenkopf an, die er dort von 2014 bis 2016 betrieb. „Im Brückenkopf lief es immer recht gut. Insbesondere entwickelte ich dort meine Vortragsreihe zur Hanauer Stadtgeschichte, die in der Ton-Bild-Schau ‚Hanau – eine Zeitreise‘ im Comoedienhaus endete. Diese hätte ich noch mehrfach aufführen können. Mit dem Thema der Hanauer Schreibgruppe ‚ZwanzigZehn‘ wird aber darauf zurückgekommen. Die Idee einer Lesebühne hat mich danach nicht mehr losgelassen. Ich bin jetzt froh, erneut versuchen zu können, im Café Ellis für Hanau ein Kulturangebot zu etablieren, das in seiner Art noch fehlt und bislang eher in der Metropole Frankfurt zu finden ist.“

Weitere Meldungen aus der Region
  • 1
  • 2

Schlagwörter: