SUCHE

3. Update: Kinder mutmaßlich getötet

Ermittler gehen von familiärem Delikt aus / Fahndung läuft

11. Mai 2022 / 15:33 Uhr

Hanau (nic/dpa). Auf einem Bürgersteig vor einem Hochhaus in der Hanauer Innenstadt haben Passanten an der Römerstraße, unweit des Marktplatzes, heute Morgen einen schwerverletzten Jungen gefunden und die Polizei gerufen. Auch in dem Wohngebäude machten die alarmierten Beamten dann eine fürchterliche Entdeckung.

Zwei Kinder sind vermutlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen und gestorben. Nach Angaben von Lisa Pohlmann, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hanau, gehen die Ermittler von einem Tötungsdelikt aus. Es gebe Anhaltspunkte für einen familiären Hintergrund der Tat, nähere Angaben dazu machte die Sprecherin nicht. Die Ermittler fahndeten zunächst erfolglos nach einem Verdächtigen. Nähere Angaben zu dem Mann und in welchem Verhältnis er zu den beiden toten Kindern – einem Mädchen und einem Jungen – stehen könnte, wurden zunächst nicht bekannt.

Passanten hatten am Morgen um 7.25 Uhr die Polizei alarmiert, nachdem sie vor einem Hochhaus auf dem Boden den schwerverletzten Jungen entdeckt hatten. Beim Eintreffen der Beamten sei der Junge bereits nicht mehr ansprechbar gewesen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Auf dem Balkon einer Wohnung im neunten Stock fanden die Beamten dann das leblose Mädchen. Der Notarzt habe nur noch den Tod feststellen können. Der Junge wurde ins Hanauer Stadtkrankenhaus gebracht, wo er kurz darauf seinen schweren Verletzungen erlag. Die beiden Kinder sollten noch im Tagesverlauf obduziert werden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Nachbarn werden befragt und Spuren gesichert

Nach ersten Hinweisen dürfte es sich um das siebenjährige Mädchen und den elfjährigen Jungen handeln, die in der Wohnung lebten, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, ihre Identität stand zunächst aber noch nicht fest. „Die Ermittler von Staatsanwaltschaft und von Kriminalpolizei gehen von einem Tötungsdelikt aus und konzentrieren sich nun darauf, was sich am Morgen in dem Haus abgespielt hat“, hieß es in der Mitteilung. Auch Nachbarn würden umfassend befragt und Spuren gesichert, so die Sprecherin. Mit Blick auf die noch laufenden Ermittlungen könnten weitere Erkenntnisse vermutlich erst am morgigen Donnerstag veröffentlicht werden, hieß es.

Polizisten sperrten die Straßen gestern Vormittag rund um das Hochhaus großflächig mit Absperrbändern und Streifenwagen ab. Die Polizei ließ eine Drohne zum neunten Stock aufsteigen, um den Tatort aus möglichst vielen Perspektiven zu fotografieren. Vor dem Haus wurden darüber hinaus Büsche auf der Suche nach Spuren entfernt. „Bei einer solchen Tat fahren wir das volle Programm“, sagte ein Polizeisprecher.

In die Jahre gekommenes Wohnhaus hat elf Stockwerke

Das in die Jahre gekommene Wohnhaus hat insgesamt elf Stockwerke. Im Erdgeschoss sind ein Geschäft und ein Café untergebracht. Auch eine Arztpraxis befindet sich in dem Haus, das sich in der belebten Innenstadt und unweit des Marktplatzes der Stadt befindet. Anwohner standen auf dem Bürgersteig und blickten hoch zum Balkon, auf dem ein Ermittler in weißem Schutzanzug zu sehen war. „Man ist geschockt, vor allem wenn man selbst Mutter ist“, sagte eine 32-Jährige, die mit ihren beiden Kleinkindern unterwegs war. Im benachbarten Stadtteil Kesselstadt sei vor gut zwei Jahren der rassistische Anschlag gewesen. Bei dem Terrorakt am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher neun Hanauer Bürger aus rassistischen Motiven ermordet.

Eine Anwohnerin erinnerte sich an einen Vorfall, der ein oder zwei Wochen zurückliegen soll. Lautstarken Streit habe es gegeben, ein Mann habe darauf bestanden, seine Kinder zu sehen, die Polizei sei vor Ort gewesen. Vielleicht hänge das ja mit der Tat zusammen, meint sie. Die Stadt Hanau bestätigt auf Nachfrage der GNZ, dass es in der Familie wohl Probleme gab und sie seit Februar sozialpädagogische Unterstützung bekam.

Ein anderer Anwohner sagt der GNZ, er sei sich sicher, dass das Taubenfangnetz an dem Balkon im neunten Stock, das nun herunterhängt, am Vortag noch gespannt gewesen sei. Zu der Frage, ob der Junge sich seine tödlichen Verletzungen durch einen Sturz aus dem Fenster zuzog und wie genau das Mädchen zu Tode kam, will Staatsanwältin Lisa Pohlmann mit Verweis auf die noch heute anstehende Obduktion der Kinder noch keine näheren Angaben machen.

Weitere Meldungen aus der Region
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4

Schlagwörter: