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„Verrückt sein“ nur bei Bedarf

Verfahren um Raub, Diebstahl und Körperverletzung:
Gutachten sieht nur in zwei Fällen verminderte Schuldfähigkeit

22 Apr 2020 / 21:15 Uhr
Hanau(nic). „Ich sage nicht, dass es völlig unmöglich ist. Aber es wäre sehr, sehr schwer.“ Diese Einschätzung von Dr. Eva-Catarina Janzen in Bezug auf den voraussichtlichen Erfolg der Behandlung von Ricardo M. (Name geändert) in einer forensischen Psychiatrie gibt wenig Anlass zum Optimismus. Und auch insgesamt ist die Prognose der psychiatrischen Gutachterin ziemlich düster: Die Wahrscheinlichkeit, dass M. erneut straffällig wird, zu den aktuell neun angeklagten Taten also weitere kommen werden, hält sie für ausgesprochen hoch.

Der Konflikt mit dem Gesetz zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des 44-Jährigen, die aktuell angeklagten Taten zwischen Dezember 2017 und April 2019 sind dabei gewissermaßen nur die Spitze des Eisbergs. Diebstahl, Sachbeschädigung, Besitz von Betäubungsmitteln, Körperverletzung, Beleidigung und das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole, namentlich des Hitlergrußes, wirft ihm die Staatsanwaltschaft Hanau vor. Zwar sind von den ursprünglich Angeklagten neun Einzeltaten zum Ende der Beweisaufnahme „nur“ noch sechs übrig geblieben. Zu den anderen ließen sich die Umstände nicht hinreichend ermitteln, weil beispielsweise die Mutter des Angeklagten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, Zeugen nicht auffindbar waren oder M. nicht mehr eindeutig als Täter identifizieren konnten oder wollten. An der schlechten Prognose, die ihm Dr. Eva-Catarina Janzen, Oberärztin in der Psychiatrischen Klinik Haina, wo M. seit April 2019 untergebracht ist, ändert das indes nichts.

Mehr: GNZ vom 23. April

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