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Kuki vor dem Aus – wenn niemand handelt

Kino- und Kulturverein in Schlüchtern hofft auf Impulse der Stadt

29 Jan 2020 / 15:37 Uhr
Schlüchtern. „Das war eine unglaublich lange, coole Zeit. Mit ganz unvergesslichen Erfahrungen, vielen großartigen Filmen und Künstlern, die der Bergwinkelstadt in den vergangenen Jahren einen unverkennbaren Glanz bescherten“. So lautet das Feedback vieler Schlüchterner, das gegenwärtig das Kuki-Team erreicht. 25 Jahre Kuki, mit aktuellen Filmen und tollen Künstlern und mittlerweile 500 000 Besuchern – nun soll Schluss sein. Es gibt zu viele Bedenkenträger in der Stadt, die sich seit Monaten nicht entschließen können, ihre Räume auch für Kino zeitgemäß zu ertüchtigen. Dabei stünden sogar Fördergelder von Bund und Land bereit.

Obwohl ein Kinoabend in der Vorliebe der Bundesbürger seit zwei Jahrzehnten statistisch ganz oben steht, ja sogar vor dem Besuch von Sportveranstaltungen (GfK vom Juli 2019), findet der ehrenamtliche Einsatz der Vereinsmitglieder, die viel Zeit und Lebensenergie opfern, um sich seit Jahr und Tag für ihre Stadt einzusetzen, wenig Gegenleistung. Niemand versteht so richtig, warum die Stadtlenker zögern und das gemeinnützige Kuki nicht stützen und in der Stadt halten.

Bereits bei der Schließung der Synagoge für öffentliche Kulturveranstaltungen vor zehn Jahren gaben der renommierte Regisseur Michael Verhoeven und seine Frau, die Schauspielerin Senta Berger, zu bedenken: „Das Kuki hat eine Bedeutung über die Stadt Schlüchtern hinaus für die gesamte Region. Es ist ein klassischer Beweis dafür, dass eine Stadt gegen die Nivellierung von Kino-Orten und gegen eine Verflachung des allgemeinen Kinoprogramms ein Beispiel setzen kann. Gäbe es das Kuki Schlüchtern nicht, müsste man es umgehend gründen und mit der neuesten Technik ausstatten.“ Und sie ergänzten, „dass eine Schließung des Kinos als katastrophale Entscheidung in die Annalen der Stadt Schlüchtern eingehen und in der Zukunft auch von denen erkannt wird, die jetzt zögern.“

Auch Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff gab damals den Hinweis: „Es ist leicht, etwas abzuwickeln, das über Jahre entstanden ist. Es ist fast unmöglich, es je wieder erstehen zu lassen. Die Stadt sollte sich eher Hilfe aus Bund und Land holen, als diesen einmaligen Ort der Kultur aufzugeben.“

Mächtige Schützenhilfe gibt es durch das Bundesprogramm „LandKultur“, das innovative Projekte als Impulsgeber für die Entwicklung ländlicher Räume weiterentwickeln möchte, um die kulturelle Teilhabe in ländlichen Räumen und Kleinstädten zu erhalten. Auch die Kulturstiftung des Bundes fördert Konzepte, die innovative Ansätze in der Kulturpolitik verfolgen, etwa die des Vogelsbergkreises, der mit dem Kulturzentrum Kreuz und der Musikschule Lauterbach nun ein neues Kulturnetzwerk knüpft. Das Kuki ist von der Jury des „Kompetenzentrums Ländliche Entwicklung“ des Programms „Land-Kultur“ bereits als „kultureller Anker in der Bergwinkelregion“ ausgewählt worden. Eine Bundes-Förderung bis zu 100.000 Euro des BULE steht bereit, wenn die Stadt entsprechende Räume für diesen Kulturknotenpunkt bereitstellt. Ein unschlagbares Argument für „mehr Kultur wagen“.

Die alte Synagoge und das neu geplante Kultur- und Begegnungszentrum sind mit anderweitigen Aktivitäten und Inhalten versehen. Das Kuki stellt deshalb mit dem Motto „Lebenswertes Schlüchtern“ die Entwicklung der Stadthalle zum „Kulturknotenpunkt“ vor.

Zusammen mit anderen Vereinen und Kulturakteuren könnte das Stadthallen-Areal samt seiner Gastronomie, den Freiflächen für Open-Airs und dem benachbarten Museum hervorragend für ein kulturelles Netzwerkprojekt genutzt werden. Man müsste eigentlich nur den kleinen Saal der Stadthalle mit einer zeitgemäßen Lärmschutz-Faltwand mit hohen Akustikdämmwerten umrüsten, dann wäre dort auch ein Kinobetrieb möglich. Parallel würden gleichzeitig zwei Gruppen und Veranstaltungen im großen und kleinen Saal Platz finden. Das wäre ein gewaltiger Schritt voran zu einer nachhaltigen und wirtschaftlicheren Nutzung der „Gudd Stubb“ und einer Belebung der Innenstadt auch im Winter. Die Kapazität würde sich auf einen Schlag nahezu verdoppeln, ohne dass die bisherigen Nutzer der Räume in ihrer Vereinsaktivität eingeschränkt wären.

Diese Raumgestaltung liegt seit geraumer Zeit von Planerseite her auf dem Tisch der Verwaltung. Das Kuki-Team greift die Idee nur wieder auf. Der Stadt ginge das ehrenamtliche Engagement des aus 80 Mitgliedern bestehenden Kulturvereins nicht verloren. Und es wäre zudem ganz im Sinne einer Umfrage im vergangenen Jahr, in der 1.200 Bürger ein zeitgenössisches und attraktives Angebot von Kino und Live-Kultur als Daseinsfürsorge der Stadt mehr als begrüßen würden. „Was im Vogelsbergkreis bereits angepackt wird, sollte für uns im Bergwinkel auch möglich sein“, betont der Kuki-Vorstand.

Die Zeit läuft. Um das Potenzial des Kuki für die nachhaltige Kulturentwicklung zu nutzen, gibt es nur noch ein ganz enges Fenster. Danach ist Schluss, die Bundes-Förder-Gelder verfallen, der Kulturverein gehört der Vergangenheit an. Die Stadtverantwortlichen haben es seit zwei Jahren Gesprächen in der Hand, die Weichen auf Grün zu stellen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – dieses Sprichwort trifft es.

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