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Wenn die Touristen wegbleiben müssen

Warum das gerade für kleinere Städte wie Steinau eine Katastrophe ist

30 Apr 2020 / 18:08 Uhr
Steinau. Die Bundesregierung ruft die Menschen weiterhin dazu auf, im Kampf gegen das Coronavirus auf private Reisen und auf überregionale tagestouristische Ausflüge zu verzichten. Das trifft besonders kleinere Städte wie Steinau.

Keine Stadtführungen, keine Besuchergruppen aus dem Ausland, und auch das Schloss hat derzeit seine Tore für Besichtigungen geschlossen. Hinzu kommt, dass in Steinau bereits seit Jahren ein Rückgang des Einzelhandels zu verzeichnen ist. Zwar gibt es einige Geschäfte entlang der Brüder-Grimm-Straße, es gibt Metzger, Bäcker und Lebensmittelgeschäfte. Doch hat gerade der Tourismus bislang zu einer Belebung beigetragen, die derzeit wegfällt.

„Große Teile der Touristen kommen aus kulturellem Interesse nach Steinau, um hier die Museen zu besuchen oder Stadtführungen zu machen“, erklärt Claudia Dorn, Leiterin des Steinauer Verkehrsbüros. Bereits im Vorfeld organisierte Studienreisen und Gruppenausflüge nach Steinau seien aufgrund der Ungewissheit storniert oder auf das kommende Jahr verschoben worden. „Wir haben seit vielen Jahren Kontakt zu einer türkischen Reiseveranstalterin mit Sitz in Deutschland, die mit zahlreichen türkischen Schülergruppen jeweils im Frühjahr und Sommer nach Steinau kommt. Sämtliche Buchungen wurden hier storniert, und wir haben das bereits vereinnahmte Geld zurücküberwiesen“, so Dorn weiter. Der finanzielle Schaden, welcher der Stadt entstehe, sei derzeit noch nicht zu beziffern. Klar ist: Jede Stornierung bedeute im Umkehrschluss wegfallende Einnahmen für die Museen, keine Umsätze durch den Verkauf von Eintrittskarten, kein Verdienst für die Gästeführer, keine Vermittlungsgebühren für das Verkehrsbüro beziehungsweise die Stadt. „Aber auch keine Einnahmen für die Gastronomie, für den Einzelhandel, beispielsweise den Bäcker oder den Metzger, keine Ausgaben für Andenken, den Restaurantbesuch, das Eis beim Italiener oder für das Betanken des Pkw“, so Dorn.

Die Touristen fehlten einfach. „Hierzu zählen auch private Reisen nach Steinau, beispielsweise um Verwandte oder Freunde zu besuchen.“ Besonders schmerzlich sei das Ausbleiben der internationalen Gäste. „Diese kommen in Steinau in der Tat von allen Kontinenten. Die Corona-Pandemie wird da noch lange Zeit nachwirken“, erklärt Dorn weiter.

Mehr: GNZ vom 29.4.

Bernhard Mosbacher, Geschäftsführer der Spessart Tourismus und Marketing GmbH, fürchtet extreme Auswirkungen durch die Coronakrise: „Der Tourismus ist eine der Branchen, die es am stärksten getroffen hat. Und hier denke ich auch an die Gastronomie, an Freizeit parks oder Cafés.“ Je nachdem, wie gut ein Betrieb vorher aufgestellt gewesen sei, werde er die Krise mehr oder weniger überstehen. In Gesprächen würden viele ans Aufhören denken. „Und wir wissen, dass diese Katastrophe noch lange nicht vorbei sein wird“, so Mosbacher. Die 2016 vom Main-Kinzig-Kreis und der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern gegründete Tourismusgesellschaft entwickle derzeit im Austausch mit den Betrieben des Hotel- und Gastrogewerbes Strategien, um gegenzusteuern. Hier habe man drei Phasen im Kopf, so Mosbacher. Zuerst gehe es um die Rückkehr der Tagestouristen. „In einer zweiten Phase könnte man die Öffnung der Gastronomie planen. In der dritten Phase kommen die Übernachtungen hinzu.“ Parallel dazu starte man derzeit Kampagnen, um über die Social-Media-Kanäle „in den Köpfen der Menschen präsent zu bleiben“. (sim)

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