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Eine Stadt steht in der Katastrophe zusammen

Das Jahrhundert-Hochwasser in Büdingen hat hunderte Bürger schwer getroffen. Unzählige Helfer packen in der größten Not mit an.

01 Feb 2021 / 15:26 Uhr
Büdingen. Nach dem Jahrhundert-Hochwasser in Büdingen dauern die Aufräumarbeiten weiter an. Am Wochenende offenbarte sich das ganze Ausmaß der Katastrophe. Mehrere hundert Häuser hatten am Freitag bis zu 1,70 Meter unter Wasser gestanden. Etliche Bewohner mussten in Schlauchbooten evakuiert werden. Am Samstag und Sonntag waren mehr als 500 Helfer von Feuerwehr, Polizei, DRK, THW und DLRG im Dauereinsatz. Hinzu kamen mindestens noch einmal so viele Bürger der Stadt, die sich solidarisch zeigten und ungefragt mit anpackten. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung war gewaltig.

„Ich möchte mich von ganzem Herzen bei den vielen helfenden Händen bedanken. Denen, die man erwartet hatte, und denen, die einfach kamen, ihre Hilfe angeboten haben“, schrieb Steffi Kleta vom Juweliergeschäft Türck stellvertretend für die vielen Bewohner der Altstadt, die förmlich „abgesoffen“ waren, auf der Facebook-Seite „Büdingen erleben“. Steffi Kleta weiter: „Ihr habt uns alle in so vielfältiger Art und Weise unterstützt, habt geräumt, geputzt und geschippt, Kaffee, Kuchen, belegte Brötchen, Suppe, Würstchen und asiatisches Essen gebracht. Mir fehlen die Worte, das hat mich zu Tränen gerührt. Danke, danke, danke!“

In der Tat war der Zusammenhalt bemerkenswert. Bereits in der Nacht zum Samstag standen die Pumpen nicht still, packte jeder mit an, wo er konnte. Quasi aus jedem Haus in der Altstadt, aber auch entlang des Seemenbachs in der Vorstadt bis an den Rand der Stadt hingen Schläuche. Wassermassen, soweit das Auge reichte.

Erst am Samstagvormittag, als der Pegel allmählich sank, war die Altstadt wieder begehbar. Nicht nur die Feuerwehren rückten mit schwerem Gerät an, sondern auch zahlreiche weitere Helfer, darunter auch örtliche Handwerksunternehmen, die unentgeltlich schufteten, mit Baggern und Lastwagen tonnenweise Müll entsorgten. Nonstop wurden Container an- und abgefahren. Menschenketten wurden gebildet, um Keller und Erdgeschosse auszuräumen. Das Autohaus Hess schleppte – kostenfrei für die Besitzer – im Minutentakt Autos ab, die vor den Fluten nicht mehr gerettet werden konnten. Andere Firmen stellten Baumaschinen, leistungsstarke Industriepumen und Luftentfeuchter zur Verfügung. Der örtliche Eichhorn-Baumarkt öffnete in Absprache mit dem Ordnungsamt trotz Corona seine Türen.

Bei den Bewohnern flossen Tränen, wohin man auch blickte. Viele Unterkünfte waren von jetzt auf gleich unbewohnbar. Wie sich die massiven Wasserschäden auf die Bausubstanz der Jahrhunderte alten Häuser auswirken werden, ist bis dato nicht absehbar. Wann und ob überhaupt die vielen Geschäfte in der Altstadt wieder öffnen werden, ist völlig ungewiss. Erst die Corona-Pandemie, dann das verheerende Hochwasser – die Stadt steht noch immer unter Schock.

Die Stadt richtete umgehend ein Spendenkonto ein. „Jeder Euro kommt den Büdinger Opfern des gestrigen Hochwassers zu Gute“, hieß es in einer Mitteilung des Magistrats, der über die sozialen Netzwerke tausendfach geteilt wurde. „Informationen über die konkrete Verteilung liegen derzeit nicht vor und werden sobald wie möglich bekanngegeben Wir danken Ihnen für die unzähligen Hilfsangebote, ob nun tatkräftiger oder materieller Art. Gemeinsam schaffen wir das - Hochwaser und Corona.“

Dem Aufruf folgten unzählige Bürger. Die Gewerbetreibenden zeigten sich besonders großzügig. So spendete Taxi Schröder spontan 2021 Euro, weitere folgten. Doch klar ist: All diese Spenden sind nicht mehr als ein starkes Zeichen der Solidarität. Die Schäden, so viel ist klar, sind enorm. Von an die hundert Millionen Euro ist die Rede. Doch das sind nur Schätzungen. Verlässlich kann niemand das tatsächliche Ausmaß vorhersagen.

„In den letzten drei Tagen haben wir viele Heimathelden und Menschen mit Herz gesehen“, bilanziert Thomas Appel, der die Facebook-Seite „Büdingen erleben“ betreibt. Sie zählt rund 10 000 Abonnenten und wird im aktuellen Katastrophenfall zum zentralen Kommunikationsmedium. „Die Hilfe von Nachbarn und Menschen, die einfach zum Aufräumen und Anpacken in die Stadt kamen, hat viele betroffene Menschen tief berührt“, schreibt Appel weiter. „Büdingen ist zusammengerückt, und ich hoffe, dass uns diese Gemeinsamkeit erhalten bleibt.“ Dem schließen sich viele Kommentatoren an. Und Sabrina Faust drückt in diesem Zusammenhang auch noch eine Hoffnung aus: „Hoffentlich ist das Virus gleich mit weggeschwommen.“

Das Eichhorn-Bauzentrum Büdingen ist aufgrund der Hochwasser-Katastrophe bis einschließlich kommenden Samstag für alle Privatkunden geöffnet, damit sich die betroffenen Bürger mit den notwendigen Materialen eindecken können. Zu beachten ist, möglichst nur alleine zum Einkaufen zu kommen, eine medizinische Maske zu tragen und die Abstandsregeln einzuhalten.

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