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Gerne auch mit Hauptamt

Hauptversammlungen der Büdinger Feuerwehren:
Neue Strukturen für die Zukunft schaffen

04 Apr 2019 / 11:30 Uhr

Büdingen (jek). Das Aufgabenspektrum wird zusehends breiter, das Personal hingegen weniger. Mit dieser Erkenntnis wiederholte Kreisbrandinspektor Lars Henrich in seinem Grußwort jenen Schluss, den er schon zwei Wochen zuvor bei der Versammlung des Wetterauer Kreisfeuerwehrverbands gezogen hatte. Und auch Büdingens Stadtbrandinspektor Stephan Naumann forderte, wenn auch dezent, die grundsätzlich ehrenamtlichen Strukturen der Brandbekämpfer zu überdenken.

Ausrücken mussten die Brandbekämpfer im vergangenen Jahr 466-mal und damit deutlich öfter als im Jahr 2017, in dem nur 267 Einsätze in der Statistik vermerkt sind. Damit bleibt dieser Ausreißer bei den Einsatzzahlen in etwa gleich hoch wie im Jahr 2016. Die Zahlen beinhalten jedoch auch die Brandsicherheitsdienste, zu denen die Kameraden Helfer abstellten. Rund 4.800 Arbeitsstunden sind damit im vergangenen Jahr zusammengekommen.

Es herrscht nicht immer eitel Sonnenschein bei den Büdinger Feuerwehren. Das merkten die Kameraden bereits im vergangenen Jahr, als Horst Hofmeister bei der Wahl zum stellvertretenden Stadtbrandinspektor durchfiel, während die Kameraden Stephan Naumann als Führungsspitze der Büdinger Wehren in seinem Amt bestätigten. Das hinterließ eine gewisse Bitterkeit, wie auch dem Bericht Naumanns als Stadtbrandinspektor zu entnehmen war: „Wir leben in einer Demokratie und haben die bestehenden Regeln und Ergebnisse zu akzeptieren. Dennoch sehe ich es mit großem Bedauern, dass diese Wahl nach persönlichen und nicht nach fachlichen Überlegungen erfolgte“, kommentierte Büdingens oberster Feuerwehrmann die Ereignisse aus dem März vergangenen Jahres und unterstrich dabei, dass Hofmeisters Führungsverständnis aus seiner Tätigkeit als Berufsfeuerwehrmann wohl nicht jedem Kameraden geschmeckt hatte: „Horst Hofmeister hat in seinem Leben immer direkt das gesagt, was er gedacht hat, und hat das gemacht, was er für notwendig hielt. Er ist damit auch einigen Personen auf die Füße getreten. Mit durchdachten Überlegungen und Konzepten hat er immer versucht, das Beste für die Feuerwehr zu erzielen. Mit dieser Einstellung ist Horst meist auch an das gesteckte Ziel gekommen“, würdigte Naumann die Leistungen Hofmeisters, der überraschend im Juni 2018 an einem Herzinfarkt verstorben war.

Während die kurze Führungskrise der Büdinger Wehren inzwischen überwunden ist, bleibt die Tagesalarmstärke ein Sorgenkind: Nur vier der 16 Stadtteile gelten tagsüber als einsatzbereit. Hier steuerte nicht nur die Stadt Büdingen selbst durch die Einstellung neuer Mitarbeiter mit Feuerwehrausbildung in der Verwaltung gegen, auch der Kreis hat auf diese Entwicklung inzwischen reagiert und versucht, mit Löschbezirken die Ressourcen zu bündeln. Was bleibt: die Arbeitsbelastung der ehrenamtlichen Wehrführung, zumindest in der Position des Stadtbrandinspektors: „Die Leitung einer freiwilligen Feuerwehr muss personell besonders auch im Bereich der Verwaltung so verankert sein, dass die Belange des allgemeinen Brandschutzes und die Anforderungen einer Feuerwehr zu jeder Zeit zu bewerkstelligen sind. Somit ist eine zeitnahe hauptamtliche Besetzung in der Leitung einer so großen freiwilligen Feuerwehr wie hier in Büdingen unabdingbar“, forderte Naumann.

Derzeit arbeitet die Stadt Büdingen an einem neuen Bedarfsentwicklungsplan für die Wehren. Im Rahmen dessen überlegt die Stadt, die Stelle des Stadtbrandinspektors hauptamtlich zu besetzen. Was weitreichende Konsequenzen hätte: Das Amt würden nicht länger die Mitglieder der Einsatzabteilungen bestimmen, die Stadt müsste die Stelle ausschreiben und besetzen. Zumindest der amtierende Stadtbrandinspektor Stephan Naumann könnte sich vorstellen, seine Aufgaben künftig weiterzuführen.

Blicken die Kameraden auch mit einer gewissen Bekümmertheit auf die Tagesalarmstärke, so sei die Mitgliederzahl, entgegen des bundesweiten Trends, bei den Büdinger Wehren weitestgehend konstant geblieben, beruhigte Stadtbrandinspektor Stephan Naumann. Dennoch: Waren 2016 noch mehr als 360 Mitglieder der Einsatzabteilungen in der Statistik vermerkt, waren es im vergangenen und diesem Jahr nur noch knapp mehr als 320. Das jedoch auch im Blick darauf, dass im Fünf-Jahres-Vergleich die Feuerwehren im Jahr 2016 eine Höchstzahl aktiver Mitglieder verbuchen konnten.

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