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Lebenslange Haft für Rick J.

Gießener Landgericht spricht Urteil im Mordfall Johanna Bohnacker

19 Nov 2018 / 15:22 Uhr

Gießen/Ranstadt (mn/jek). Das Gießener Landgericht hat den 42-jährigen Rick J. aus Friedrichsdorf wegen Mordes an Johanna Bohnacker zu lebenslanger Haft verurteilt. Er soll das Mädchen aus Ranstadt 1999 entführt, vergewaltigt und ermordet haben, wie das Gericht heute befand. Ebenso attestierte ihm eine besondere Schwere der Schuld. Damit kann Rick J. nicht darauf hoffen, dass seine Strafe bereits nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird.

Es sind Taten, Mehrzahl, wegen denen sich der 42-Jährige vor dem Gießener Landgericht verantworten muss. Neben der Vergewaltigung und den Mord an Johanna Bohnacker ist es auch der Besitz kinder- und jugendpornografischer Materialien, die Beamte auf unzähligen Datenträgern in seiner Wohnung fanden, gespeichert auf Festplatten, Disketten und selbst VHS-Kassetten.

Zur Befriedigung seines Geschlechtstriebes soll Rick J. 1999 die damals achtjährige Johanna Bohnacker in seinen VW-Jetta gezerrt und verschleppt haben. Mit Chloroform betäubt, so die Anklage, habe er Johanna in seinem Kofferraum an einen abgelegenen Ort im Vogelsberg- oder Wetteraukreis gebracht und sich dort an ihr vergangen. Ihren Kopf soll er mit Klebeband umwickelt haben, was letztendlich dazu führte, dass Johanna erstickte. Dies sah letztendlich auch das Gericht so.

Zwei mögliche Szenarien zog die Kammer dabei als möglich in Betracht: Entweder habe Rick J. das Mädchen ermordet, um seinen Missbrauch an ihr zu verdecken oder der Mord selbst habe zur Befriedigung seines Fetisches beigetragen, befand die Strafkammer. Zweifelsohne habe das Klebeband, das er mehrfach um Johannes Gesicht gewickelt hatte, zum Tod des Kindes geführt.

Die Kammer ging in ihrer Urteilsbegründung zudem auf viele Unstimmigkeiten des Prozesses ein, darauf, dass Rick J. seine Aussagen immer wieder revidiert und korrigiert habe. Er habe nur das gestanden, was ihm zweifelsohne nachgewiesen werden konnte.

Die Einweisung des nachweislich drogenabhängigen Friedrichsdorfers in eine Entzugsklinik hatte das Gericht hingegen abgelehnt, da die Entführung aus Sicht der Kammer nichts mit dem Drogenkonsum zu tun gehabt habe. Fest stand für Richter und Schöffen, dass Rick J. zwar pädophile Neigungen habe, er seinen Trieb aber auch ohne Missbrauch von Kindern und Jugendlichen hätte ausleben können.

Nach dem Plädoyer der Anklage hatte Rick J. die achtjährige Johannna Bohnacker am 2. September 1999 am Laisbach in ihrem Heimatort Bobenhausen bei Ranstadt gesehen, mit Chloroform betäubt und in den Kofferraum seine VW Jettas gezerrt.

Dann habe der 42-Jährige das Mädchen gefesselt, ihren Kopf mit Klebeband 29-mal umwickelt und eine Stelle gesucht, wo er sie vergewaltigen konnte. Ein Missbrauch, fand Staatsanwaltschaft Thomas Hauburger, könne zwar nicht nachgewiesen werden, vieles spreche aber dafür – wie beispielsweise Johannas fehlende Kleidung und persönlichen Gegenstände. Der Einlassung des Angeklagten würdigte Hauburger damals kaum Beachtung. Rick J. habe sich in „ganz besonders egoistischer Weise über den Lebensanspruch des Mädchens gestellt“, führt Hauburger aus.

Der Angeklagte wiederum hatte immer wieder geltend gemacht, dass er Johannas Tod nicht beabsichtigt habe. Auch den Missbrauch des Mädchens bestritt Rick J. bis zuletzt. Allein die Entführung der damals Achtjährigen gestand er ein.

Zusammen mit der Gesinnung des Angeklagten und der Tatsache, dass sich Johannas Todeskampf über mehrere Stunden erstreckte, erfülle die Tat das Merkmal der besonderen Schwere der Schuld, fand Staatsanwalt Hauburger. Das Motiv basiere laut Staatsanwalt auf der Befriedigung des Sextriebs und der Verdeckungsabsicht.

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