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Manche Dinge brauchen Zeit

Seit 40 Jahren sitzt Heinz-Wilhelm Klein im Büdinger Ortsbeirat –
und konnte dort manch langwieriges Projekt begleiten

26 Jul 2019 / 18:08 Uhr

Von Jens Kirschner

Manche Dinge brauchen lange, mitunter furchtbar lange. Heinz-Wilhelm Klein sitzt bei einem Bier am Büdinger Marktplatz und blickt zurück auf 40 Jahre Arbeit im Ortsbeirat. Wohl als Einziger, der ohne Unterbrechung so lange einem Gremium angehört hat.

Klein ist Christdemokrat – was wahrscheinlich auch dem Umstand geschuldet war, dass ihm die Dominanz der Sozis in Hessen einst gehörig gegen den Strich ging. „Tritt in die SPD ein, dann bekommst du auch deine Baugenehmigung“, sagt Klein. Dies sei damals in Hessens Kommunalverwaltungen leidige Routine gewesen. Hessen als dunkelrotes Land – „der Filz war überall“. Und auch Helmut Schmidt als damaliger Verteidigungsminister war für den damals wehrpflichtigen mehr eine Enttäuschung als oberster Befehlshaber der Truppe.

In seinen vier Jahrzehnten als Vertreter der Kernstadt, in der kleinsten Zelle kommunalpolitischen Wirkens, kann der 70-Jährige heute sagen: Das ein oder andere Projekt haben er und seine Kollegen wohl doch auf den Weg gebracht. Er spricht bewusst von Kollegen, denn dort – im Ortsbeirat – sei kein Platz, um sich parteipolitisch zu profilieren.

20 Jahre, berichtet Klein, habe es gedauert, bis die Seemenbach-Brücke saniert wurde, welche die Berliner Straße über das Gewässer führt. „Das ist schon frustrierend, wenn etwas so lange dauert“, sagt der gelernte Elektroinstallateur. Genauso wie die Erneuerung der Treppe zum Meliorsdamm: angestoßen 1996 – ausgeführt 2016. Auf einigen DIN-A4-Zetteln hat sich der Pensionär Stück für Stück notiert, was er mit seinen Kollegen im Ortsbeirat verwirklichen konnte.

Erstes Mandat 1979

Doch spätestens, seit die Stadt ihren Stadtteilen ein Ortsbudget gewährt, sei vieles einfacher geworden. Unbürokratischer kann der Ortsbeirat seitdem aus eigenen Mitteln das ein oder andere Projekt in Gang bringen.

1979 rückte Heinz-Wilhelm Klein im März für Karl Lachmann in das Gremium nach. Fünf Jahre später beginnt er als Arbeiter beim Bauhof der Stadt, betreut unter anderem die Verkabelung der hiesigen Märkte und Feste. Seine hemdsärmlige Art hat den Beschickern offenbar gefallen, und Heinz-Wilhelm Klein genoss die Arbeit, vor allem aber das Gefühl, wenn alles funktionierte. Genauso genoss er das Vertrauen vieler Planer. Wenn es darum ging, Tiefbauprojekte in Büdingen vorzubereiten, suchten sie Rat bei Klein, der ihnen den ein oder anderen Fingerzeig gab, wie diese bei der Umsetzung ihre Vorhaben den Stadtbediensteten das Leben künftig nicht unnötig schwermachen.

Dass er nie in die Stadtverordnetensammlung „vorrückte“ hat wohl zweierlei Gründe. Zum einen stand ihm als Arbeiter der Stadt rechtlich allein der Ortsbeirat offen. Zum anderen gibt der sich der gebürtige Büdinger so bodenständig, dass ihm derart „höhere Weihen“ doch eher befremden. Die überlässt er gerne anderen.

„Ich habe immer so gestimmt, dass es zum Wohl der Stadt ist“

Die Arbeit im Ortsbeirat hat den freundlichen Mann auch deswegen überzeugt, weil er mit ihr zeigen konnte, dass er jenseits politisch-ideologischer Scheuklappen denkt. Von sich sagt Klein, er habe sich zwar viel über die CDU geärgert, „ich würde aber nie sagen: Ich trete aus“. Doch im Ortsbeirat hatte er bemerkt, dass er etwas bewirken kann – auch jenseits eines Fraktionszwangs, wie es in den kommunalen Parlament sonst oft Übung ist. „Ich habe immer so gestimmt, dass es zum Wohl der Stadt ist“, sagt der 70-Jährige und ist dabei mit sich offenbar im Reinen. Auch im Blick darauf, dass er durch seine Arbeit im Ortsbeirat dem ein oder anderen zeigen konnte, dass es einen Mensch Heinz-Wilhelm Klein gibt, nicht nur das CDU-Mitglied. „Man hat mit Leuten zusammengesessen, die waren sehr dunkelrot und haben mich draußen bekämpft“, sagt Klein. Im Ortsbeirat – drinnen – hätten sie dann gemerkt, dass er ganz anders war.

Auch als Mitglied des Personalrats in der Büdinger Verwaltung habe er sich immer dafür stark gemacht, dass die Einstellungspolitik der Stadt sich nicht mehr allzu sehr an Parteibüchern orientiert. Und selbst an einem Sitzstreik hätte er sich als Ortsbeirat beteiligt, hätte das damaligen Straßenbauamt tatsächlich seine Pläne umgesetzt, den Loudéac-Kreisel in Büdingen zu entfernen.

„Wenn wir heute etwas beschließen, sage ich, wir brauchen Zeit“, resümiert Klein über seine Arbeit im Ortsbeirat. Und dennoch blickt er mit einer gewissen Genugtuung auf jene Projekte, die nach langen Jahren irgendwann in der Realität auftauchten: die Fußgängerampel am Busparkplatz genauso wie ein neues Toilettenhäuschen an dieser Stelle. Doch für Klein ist nach dieser Mandatsperiode mit der Arbeit im Ortsbeirat Schluss. Loslassen wird ihn seine Heimatstadt und der Einsatz für Büdingen wohl dennoch nicht ganz: Selbst wenn die Dinge manchmal etwas länger dauern.

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