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Die Kommunen Ortenberg, Hirzenhain und Gedern wollen sich an einer Landesgartenschau versuchen

27 Jan 2020 / 10:06 Uhr

Wetteraukreis (jek). Mit einer Machbarkeitsstudie gehen die Kommunen Ortenberg, Gedern und Hirzenhain einen Schritt weiter auf dem Weg zu einer möglichen interkommunalen Landesgartenschau in sieben Jahren. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Mitglieder der Gemeindevertretungen in einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag vorvergangener Woche. Deutlich wurde aber auch: Allein die drei Kommunen zusammen werden eine solche Veranstaltung nicht stemmen können.

Entsprechend hoffen die Stadt und die beiden Gemeinden wohl darauf, dass sich weitere der elf Mitgliedskommunen im Verein Oberhessen den Plänen anschließen. Das zumindest ist die Hoffnung von Bernd-Uwe Domes, einer der beiden Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau. Die Gesellschaft begleitet das Vorhaben gemeinsam mit dem Verein Oberhessen. Er skizzierte das Vorhaben einem durchaus breiten Publikum. Eingeladen zur gemeinsamen Versammlung der Gremien aus Ortenberg, Gedern und Hirzenhain waren auch die Stadtverordneten und Gemeindevertreter der übrigen Mitgliedskommunen des Vereins Oberhessen.

Eine Landesgartenschau sei eine Investition in eine zukunftsgewandte Entwicklung, sagte Domes. „Die Landesgartenschau ist ein Format, um die substanzielle Qualität unserer Region offenzulegen“, meinte der Chef der Wirtschaftsförderung.

Eckpfeiler, sagte Domes, seien neben Hirzenhain, Gedern und Ortenberg auch die Städte Nidda und Büdingen – mit ins Boot sollen aber wohl möglichst viele der elf Mitgliedskommunen mit ihren insgesamt rund 103.000 Einwohnern und einer Fläche von rund 680 Quadratkilometern.

Innovation, Reduktion und Nachhaltigkeit waren die Punkte, die Domes als Leitlinien für eine mögliche Landesgartenschau in der Region nannte. „Wir wollen nicht künstlich etwas inszenieren, wir wollen zeigen, was wir haben“, sagte er. Gleichzeitig erhofft sich Domes von einer solchen Veranstaltung eine besser vernetzte Infrastruktur zwischen den Kommunen, die Verbindungen zwischen Stadt und Land sollen hierdurch genauso besser werden wie zwischen Dörfern selbst. „Die Landesgartenschau ist ein Format, um die substanzielle Qualität unserer Region offenzulegen“, warb er, dass eine Landesgartenschau die Region Oberhessen auch als „attraktiven Naherholungsraum“ für den „Quellmarkt Rhein-Main“ präsentiert.

Die geplante Machbarkeitsstudie soll den möglichen Ausrichter-Kommunen nicht nur bei der Bewertung helfen, ob es überhaupt realistisch ist, eine Landesgartenschau zu veranstalten. Ebenso dient sie nach einer formlosen Interessenbekundung bis Ende Januar als Bewerbungsunterlage für die Entscheidung des Landes. Bis Juli 2020 muss das Dokument vorliegen. Beinhalten muss es: ein regionales Leitthema, den Nachweis verfügbarer Flächen, geplante Sonderveranstaltungen wie auch die Auflistung aller regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen länger als drei Tage sowie einer Darstellung, wie die genutzten Flächen später Verwendung finden. Schlussendlich muss der Studie auch ein Finanzierungskonzept beiliegen. Und hieran dürften sich die meisten der potenziellen Ausrichter-Kommunen wohl am meisten reiben. Als Beispiel diente am Donnerstagabend die Stadt Bad Schwalbach: Dort habe die Kommune rund 15 Millionen Euro investiert, sie erhielt im Gegenzug 3,3 Millionen Euro an Fördermitteln aus dem Topf für die Landesgartenschau, wie Referentin Wiebke Neumann von der Fördergesellschaft Landesgartenschauen Hessen und Thüringen schilderte. An privaten Investitionen seien rund 20 Millionen Euro geflossen. Neumann sprach nichtsdestotrotz von einem „Turbo für die Kommunalentwicklung“, da die Fördergelder spätestens mit dem Zuschlag auch fließen müssten. Doch auch die Aussicht auf Geld aus anderen Förderprogrammen soll den Kommunen die Entscheidung für die Ausrichtung einer Landesgartenschau versüßen.

Dennoch: „Es gibt keine Party, ohne Kater danach“, mahnte der Raumplaner und Stadtgeograf Christian Diller, der an der Uni Gießen lehrt. Diller betreut derzeit eine Dissertation, die Effekte der Landesgartenschauen betrachtet. Am Beispiel Gießen zeigte er, dass mit Ende der Veranstaltung oftmals ein Tief einziehe, weil nicht alle Besucher regelmäßig wiederkommen und Geld dalassen.

Dafür, dass eine Landesgartenschau unter der Regie verschiedener Kommunen funktionieren kann, warb der Fachbereichsleiter für Kultur und Sport der Stadt Waiblingen, Thomas Vuk. Seine Stadt war im vergangenen Jahr Mitausrichterin der Landesgartenschau in Baden-Württemberg. „Es lohnt sich“, meinte Vuk. Einheimische hätten ihren eigenen Raum neu entdeckt, viele Projekte seien nachhaltig und hätten auch in diesem Jahr bestand.

Am Donnerstagabend sprachen sich neben Ortenbergs Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring, auch die Ratauschefs der Stadt Nidda, Hans-Peter Seum, und der Gemeinde Limeshain, Adolf Ludwig, dafür aus, das Projekte Landesgartenschau zumindest zu versuchen. Dabei stehen den Kämmerern in Nidda und Büdingen nicht unbedingt rosige Zeiten bevor: In Nidda wird der Ruf nach einer Abschaffung der Straßenbeiträge lauter, Büdingen muss in den kommenden beiden Jahren seine Feuerwehren neu organisieren, inklusive neuer Gerätehäuser.

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