SUCHE

Warnung vor zu wenig Dünger

Vertreterversammlung des Regionalverbands Wetterau/Frankfurt:
Kritik an neuen Vorgaben vonseiten der Europäischen Union

04 Apr 2019 / 10:32 Uhr

Wetteraukreis (gli). Das Dürrejahr 2018 hat Folgen und bedeutet tiefgreifende Herausforderungen im Acker- und Futterbau, aber auch in der Tierhaltung. Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau/Frankfurt, skizzierte diese in ihrer Ansprache zur diesjährigen Vertreterversammlung des Vereins im Bürgerhaus Ober-Mockstadt.

Basierend auf dem Dürrejahr liegen laut Petra Rahn-Farr die Mindererträge Getreide bei 10 bis 15 Prozent, beim Silomais bei 20 bis 50 Prozent und beim Grünland bei 40 bis 60 Prozent. Tierhalter- und Futterbaubetriebe mussten die Lücken teuer füllen. Zwei Betriebe im Wetteraukreis erhielten eine Bewilligung für Dürrebeihilfen. Zu den Herausforderungen im Acker- und Futterbau zählte Rahn-Farr die vermehrten Extremwetterlagen, die Diskussion um die Biodiversität mit dem Bienensterben und dem Artenschwund sowie den EU-Binnenmarkt mit nationalen Sonderwegen.

Als Beispiele führte sie die gekoppelten Prämien im EU-Ausland beim Zuckerrübenanbau und Neonic-Sonderzulassungen an. Auch der Zulassungsstau bei Pflanzenschutzmitteln in Deutschland und Verschärfungen im deutschen Düngerecht bereiteten den Bauern Sorge. Die Umsetzung der Nitratrichtlinie der EU wird in Deutschland von der EU-Kommission bemängelt und soll nachgebessert werden. Laut Rahn-Farr soll besonders im südlichen Teil des Wetteraukreises 20 Prozent weniger gedüngt werden, als die Pflanzen bräuchten. „Wenn man dem Weizen nicht genug Dünger gibt, hat das Korn weniger Eiweißgehalt und die Qualität, wie beim Backweizen, leidet. Massive Einschränkungen im Pflanzenbau sind die Folge“, mahnte Rahn-Farr. Nach der EU-Entscheidung im Mai 2018, wonach keine neonicotinoiden Wirkstoffe mehr im Freiland verwendet werden dürfen, ist auch die Neonicotinoid-Beizung von Zuckerrübensaatgut untersagt. Zahlreiche andere EU-Mitgliedstaaten erteilten Sonderzulassungen der Wirkstoffe für bestimmte Kulturen.

Herausforderungen in der Tierhaltung bestehen laut Rahn-Farr darin, dass nötige bauliche Veränderungen von Bürgern vor Ort blockiert würden und das schlechte Image der Tierhaltung dominiere, trotz hoher Standards. Auch neue Regelungen rund um die Ausgleichszulage für benachteiligte landwirtschaftliche Betriebe machten (AGZ) heimischen Betrieben zu schaffen. Durch die Neuregelung fallen viele Betriebe aus der Förderung. „Der Wetteraukreis hatte bisher ein AGZ-Fördervolumen von 350.000 Euro. Die neuen Regeln sind sehr unübersichtlich“, sagte Rahn-Farr. Auch der Bodenverbrauch für Bauland bereitet ihr Sorge. Weil etwa rund die Hälfte der Flächen innerhalb der EU landwirtschaftlich genutzt werde, unterstütze die EU aus Umweltgründen den Erhalt der Grünflächen und lege Blühstreifen an.

Geschäftsführer Florian Dangel sprach von insgesamt 1.259 Betrieben im Regionalbauernverband, wovon 668 Betriebe aktiv seien. „Die berechnete Fläche liegt bei 32.785 Hektar“, sagte Dangel. In diesem Jahr werden im Rahmen der Blühstreifen-Aktion 940 Kilogramm Saatgut von 49 teilnehmenden Landwirten ausgebracht. Im vergangenen Jahr besuchten 218 Klassen und 100 Gruppen von Kindertagesstätten verschiedene landwirtschaftliche Betriebe im Wetteraukreis, um den „Bauernhof als Klassenzimmer“ zu erleben. Ab 2020 wird die Vertreterversammlung in der Form der Mitgliederversammlung abgehalten. Die Vorteile liegen für Rahn-Farr auf der Hand. Durch den Strukturwandel hat sich das Modell überlebt. „Wir wollen mehr Teilhabe, mehr Transparenz und eine bessere Erreichbarkeit“, sagte sie. Thomas Eiser wurde für seine langjährige Tätigkeit als ehemaliger Ortsbauernverbandsvorsitzender mit der Silbernen Ehrennadel des Hessischen Bauernverbandes geehrt.

Rahn-Farr wurde als Vorsitzende wiedergewählt, ebenso wie ihre Stellvertreter Matthias Mehl und Michael Schneller. Zum Thema „Neue GAP, Brexit und Co. – Wohin steuert die Landwirtschaft in der EU?“, sprach Hessens Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich. Sie machte deutlich, wie eng Deutschland mit der Europäischen Union verwoben sei. „Wir leben in Frieden, Freiheit und Demokratie. Die Gemeinschaft gibt uns das. Das wird häufig unterschätzt“, sagte Puttrich. Sie informierte, dass die großen Gewinner der EU die Landwirte seien. „Gestalten Sie mit, beteiligen Sie sich an der Europawahl“, gab sie den jungen Leuten mit auf den Weg. Am Brexit könne man sehen, wo die besonderen Vorteile liegen, Mitglied der EU zu sein.

Weitere Meldungen aus der Region
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4

Schlagwörter: