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Dinopark versus Naturidylle

Bad Orber Wildpark: Ausschüsse befassten sich mit Konzepten, die unterschiedlicher nicht sein konnten

08 dic 2021 / 18:29 Uhr
Bad Orb (in). Fünf Jahre lang lag der Bad Orber Wildpark quasi brach, nachdem der Magistrat das Gelände an einen Pächter aus Bad Orb vergeben hatte, der den Park wieder zu dem machen wollte, was er früher einmal war. Nach jahrelangem Scheitern lautet jetzt die Frage: Wie geht es weiter mit dem Bad Orber Wildpark? Mit dieser Thematik befassten sich die Mitglieder des Verkehrs- und des Umweltausschusses am Dienstagabend im Gartensaal und sahen sich zwei Konzepten gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein können. Investor Norman Graudenz präsentierte die Pläne für einen „Dinopark Hessen“, bestückt mit lebensgroßen Glasfieber-Figuren der ausgestorbenen Erdbewohner. Heinz Josef Prehler (CDU) und Volker Döpfer (FWG) – beide sind Ausschussmitglieder und Repräsentanten der neuen Mehrheit im Stadtparlament – stellten in einem gemeinsamen Vortrag ein Konzept vor, das Prehler als „Naturerfahrung mit allen Sinnen“ bezeichnete. Eine Entscheidung trafen die beiden Ausschüsse am Dienstag noch nicht, aber es dürfte klar sein, wohin die Reise geht.

Als Investor und Betreiber eines Dino-Parks auf dem Wildpark-Gelände stellte sich Norman Graudenz den Ausschüssen vor – der, wie er mehrfach betonte, in der Region kein Unbekannter ist. Seit zehn Jahren betreibe er den erfolgreichen „Europa Kletterwald“ bei Steinau. Der Kletterwald sei ein „Top-Ausflugsziel“, verwies Graudenz auf seine Expertise im Tourismus-Bereich, und ein solches Top-Ausflugsziel solle auch der Wildpark in Bad Orb werden. Dabei sei sein Konzept so ausgelegt, dass es tragfähig und wirtschaftlich sei. Graudenz versuchte zunächst einmal, den Ausschussmitgliedern klar zu machen, dass ein Wildpark alles andere ist als ein Touristenmagnet ist – schon allein wegen der vielen vergleichbaren Angebote, die es in nächster Nähe gibt. Ohne Zuschüsse der Stadt sei daher der Betrieb eines Wildparks kaum vorstellbar. Ein Dinopark hingegen sei ein für die Region einmaliges Konzept – im Main-Kinzig-Kreis und auch in Hessen. Das führe dazu, dass „viele Touristen nach Bad Orb kommen, um sich die damaligen Lebewesen in Originalgröße anzuschauen“. Dien Finanzierung erfolge allein durch den Investor – für die Stadt entstünden keine weiteren Kosten. Graudenz stellte den Ausschussmitgliedern Gewerbesteuereinnahmen, Arbeitsplätze und preisgünstige Jahreskarten für Einheimische in Aussicht. Der Dinopark solle pädagogische Aufgaben erfüllen – so zeige ein 2 Kilometer langer Walderlebnispfad die Entwicklungsgeschichte der Erde. Auf einer Fläche von rund 7 Hektar sollen rund 100 Rekonstruktionen der ausgestorbenen Lebewesen ausgestellt werden – in Lebensgröße. Auch einige lebendige Tiere aus der „Erdneuzeit“ könnten eingebaut werden – und somit Elemente eines klassischen Wildparks.

Auf Nachfrage von Volker Döpfer erläuterte Graudenz, dass zunächst etwa 1 Million Euro investiert werden sollen und der Park Jahr für Jahr erweitert werde. Er rechne „am Anfang“ mit 50 000 bis 70 000 Besuchern pro Jahr und geht von Eintrittspreisen aus, die sich zwischen 13 und 15 Euro bewegen. Das Gelände müsste er für rund 25 Jahre nutzen können. Dabei gehe die Stadt allerdings kein Risiko ein. Wenn es nichts wird, erfolgt der Abbau und der Rückzug. Starten könne das Vorhaben im kommenden Jahr, wenn sämtliche Genehmigungen eingeholt sind. Der Betrieb könne im April 2023 aufgenommen werden. Margitta Schulze (FBO) erkundigte sich nach den Parkplätzen. Sicherlich, die brauche man, wo, da müsse man schauen, ließ der Investor wissen. Nicht nur dieser Punkt warf in Ausschuss Fragen auf. Auch der designierte Bürgermeister Tobias Weisbecker beklagte die fehlende Substanz in der Präsentation – etwa ein Verkehrskonzept, das bei der hohen Besucherzahl unabdingbar sei. Graudenz machte deutlich, dass es bei seiner Präsentation lediglich um die grundsätzliche Frage gegangen sei, ob das Projekt für Bad Orb interessant sei. Details würden – bei Interesse – selbstverständlich in Zusammenarbeit mit der Stadt ausgearbeitet. Außerdem gab Graudenz den Ausschussmitgliedern zu bedenken: „Wichtig ist nicht nur die Geschäftsidee, sondern auch, wer dahinter steht. Und ich kann das umsetzen.“

Heinz Josef Prehler gab zu bedenken, dass sich ein solches Projekt kaum in dem schmalen Tal umsetzen lasse – dort sei kein Platz für einen Adventure-Park und den Verkehr von täglich 200 Besuchern. Graudenz verwies zum Schluss noch auf die ökologischen Vorzüge des Dinoparks: „Die Tiere müssen nicht gefüttert werden und brauchen auch keinen Strom.“

Prehler und Döpfer stellten anschließend, wie Prehler einleitend betonte, „genau das Gegenteil von dem vor“, was Graudenz der Stadt angeboten hatte. Prehler: „Und das ist nichts aus Glasfaser und Kunststoff, sondern eine Naturerfahrung mit allen Sinnen.“ Das Konzept, das die beiden Politiker vorlegten, hat das zur Grundlage, was André Zimmermann, der für das Umweltbildungsangebot im Schullandheim auf der Wegscheide zuständig ist, dem Magistrat vor fünf Jahren bereits präsentierte. Viele politischen Beobachter haben damals nicht verstanden, warum Zimmermann den Zuschlag nicht bekam. Immerhin ist es wohl gelungen, Zimmermann wieder ins Boot zu holen, berichteten Prehler und Döpfer.

Nach den Vorstellungen der beiden Vertreter der Mehrheitsfraktionen soll der Wildpark wieder so werden, wie er früheren Generationen bekannt ist, allerdings ergänzt durch einen Waldspielplatz, pädagogische Angebote, einen Streichelzoo und einen Walderlebnispfad. Integriert werden soll auch der Waldkindergarten im unteren linken Bereich des Areals, für den die Stadt gerade die erforderlichen Genehmigungen einholt. Im Wildpark sollen regelmäßig Veranstaltungen für Abwechslung sorgen. Gedacht ist an Feste und Events auf der Ebene des sanften Tourismus. Der Park soll ein – auch finanziell – niederschwelliges Angebot am Ende einer Achse bilden, die am Salinenplatz beginnt und sich durch das Orbtal zieht. Der Park soll alle Altersgruppen anziehen und über die heimische Fauna und Flora informieren. Zielgruppe sind darüber hinaus die vielen Kinder auf der Wegscheide, für die der Wildpark Teil des umweltpädagogischen Bildungsangebots werden soll. Wie Volker Döpfer schilderte, soll der Park auf drei Säulen stehen: der Stadt, einem neu zu gründenden Förderverein und dem Betreiber André Zimmermann. Die Kosten für das Herrichten des Geländes bezifferte Döpfer auf rund 150 000 Euro, wobei allein 100 000 Euro auf das Errichten eines neuen Zauns entfallen würden. Der Rest verteilt sich auf Unterstände, Tiere, Waldspielplatz, Streichelzoo und Waldlehrpfad. Die laufenden Kosten für die Stadt schätzt Döpfner auf rund 10 000 Euro. Für weitere Einnahmen sollen der Förderverein, Eintritt und Futterverkauf sorgen.

Der Wermutstropfen bei dem Vorhaben ist die finanzielle Lage der Stadt, die es, wie Prehler bedauerte, wohl nicht möglich macht, das Projekt auf einmal zu finanzieren. So gelte es, den Wildpark Schritt für Schritt zu entwickeln. Dabei sei der Förderverein ein wichtiges Instrument und auch eine „ambitionierte Unterstützung der Stadt“.

Bürgermeister Roland Weiß sprach sich dafür aus, zu schauen, ob man nicht beide Konzepte kombinieren könne, was aber lediglich bei Udo Stopfer (SPD) Anklang fand. SPD-Stadträtin Annemarie Meinhardt wünschte sich, die anderen Fraktionen wären früher mit ins Boot geholt worden.

Das, so beschieden die Ausschussvorsitzenden, soll nun nachgeholt werden. Außerdem soll in einer weiteren Sitzung der Betreiber André Zimmermann zu Wort kommen, der am Dienstag krankheitsbedingt verhindert war.

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