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Sensibel und zugleich stark im Ausdruck

20 Werke des Bildhauers zieren die Kurstadt: Todestag des Bildhauers Hans Prasch

25 Feb 2020 / 15:20 Uhr
Bad Orb (ez). Am 26. Oktober 1999 starb der Bad Orber Bildhauer und Ehrenbürger Hans Prasch. Überall in der Kurstadt trifft man auf seine Werke. Da ist einmal der „Peter von Orb“, der als legendärer Spessarträuber die VR-Bank am Untertor bewacht, oder der Sälzer zwischen Burg und Parkplatz an der Stadtmauer. Nur wenige Meter weiter steht seine Plastik, „Hoher Besuch“ auch „Einzug des Bischofs“ genannt, vor der Pfarrkirche St. Martin.

Hans Prasch war immer einer, der andere an seiner Kunst teil haben ließ. So vermachte er im Mai 1999, als er zum Ehrenbürger ernannt wurde, den „Hohen Besuch“ der Kirchengemeinde. Und Pfarrer Rudolf Hofmann dankte herzlich für die großzügige Gabe. „Der Ehrenplatz soll unsere tiefe Anerkennung zum Ausdruck bringen“, sagte Hofmann, als Weihbischof Johannes Kapp den „Besuch des Bischofs“ im November 1999 einweihte. Anlass für die Schöpfung Praschs war seine Verbundenheit zu dem früheren Bad Orber Pfarrer Johannes Kapp und dessen Ernennung zum Weihbischof

Gestaltet hat Hans Prasch auch den Jubiläumsbrunnen auf dem Solplatz, der 1987 zum 150-jährigen Heilbadbestehen eingeweiht wurde. Ein Werk, das Anerkennung und Bewunderung eines jeden Betrachters finde, hob der damalige Bürgermeister Hugo Metzler hervor. Prasch greift hier in seinen Darstellungen bis ins Dunkel der Vorzeit zurück und schildert mit viel Herz und tiefen Einblicken anschaulich die Geschichte seiner Heimatstadt, mit Salz- und Kurgeschichte und markanten Ereignissen, wie den Brand der St.-Martins-Kirche. Bei Prasch paaren sich handwerkliches Können mit Kreativität, scharfer Beobachtungsgabe und Wissen um die Zusammen hänge zu einem eigenen Stil und einem erfreulich anzuschauenden Ganzen. Seine Werke haben eine charakteristische Ausstrahlung und zeugen oft von augenzwinkerndem Humor und Lebensfreude – ganz gleich aus welchen Material.

Jedes der Prasch-Kunstwerke erzählt eine eigene Geschichte, darunter auch „Die Bekanntmachung“, die 1988 auf dem Salinenplatz aufgestellt wurde und 2017 vor die Kurverwaltung „gewandert“ ist. Sie erinnert an die „Stadtscheller“ im alten Orb.

Als die Plastik „Tauzieher“ oder „Tauziehen“ auf dem Salinenplatz eingeweiht wurde, da lautete eine Frage an den Künstler, warum weniger Mädchen, noch dazu barfüßig, als Jungen mit festen Stiefeln am Tauziehen beteiligt seien, und er antwortete, dass er die Position der Mädchen stärken wolle: Mädchen seien stark und sollten sich behaupten. Wer gewinnt, bleibt dem Betrachter offen, doch die Mädchen behaupten sich. Auch diese Darstellung hat Prasch seiner Stadt gestiftet. Anlass war der hessisch-bayerische Spessartkongress 1995. Bürgermeister Hugo Metzler vermutete damals, dass Hans Prasch seine Mitbürger dazu an regen wollte „an einem Strick zu ziehen“. Der eigentliche Strick fehle bewusst, vermittelte Prasch: „Es gehört eben auch Fantasie dazu.“ Es ist ein typisches Prasch-Oeuvre, mit den unverkennbaren Gesichts zügen, dynamisch und sensibel zugleich und stark im Ausdruck. Die feinsinnig und liebevoll gewählten Details seiner Arbeiten entlocken dem Betrachter auch so manches Schmunzeln. Gerade seine Gruppenplastiken ziehen in ihren Bann. Die verschiedenen herausgearbeiteten Charaktere geben dem Beobachter viel freien Raum für eigene Interpretationen, sodass jede Arbeit eine Geschichte erzählen kann.

Im Gartensaal der Konzerthalle finden sich Pinguine von Hans Prasch. Einst waren sie Bestandteil eines kleinen Brunnens und bildeten einen besonderen Blickpunkt. Direkt neben dem Weg zur Konzerthalle hat der Mundharmonika spieler des Künstlers seinen bleibenden Standort gefunden.

Der Gedanke, das Salzsiederdenkmal vom Burggelände auf den Salinenplatz zu verpflanzen, trifft nicht überall auf offene Ohren. Bei der Einweihung der Plastik hieß es, dass der Platz im nachweisbar ältesten Stadtteil durch den Salzsieder, der das kostbare Gut in einen Salzkorb schaufelt, zu einem historischen Zentrum und zum Beweis dafür, dass die Geschichte lebendig bleibt geworden sei. Am unteren Rand des Bronzedenkmals hat Hans Prasch den schwierigen Transport des Salzes dargestellt und Symbole dafür, dass die Salzsieder Tag und Nacht Arbeit verrichten müssen.

1990 hieß es „Das Pumpchen liefert wieder Wasser“. Das „Pumpchen“ steht in der Heppengasse und auf seinem Rand beobachtet eine (Prasch-)Katze eine (Prasch-)Maus. Und in der Krippendarstellung von St. Michael breitet der heilige Josef seinen Mantel über Maria und dem Jesuskind aus. Auch dies ist eine besondere Arbeit von Hans Prasch, so wie alle Arbeiten etwas Besonderes sind. Relief und Türgriffe am alten Rathaus stammen von ihm, Brunnenausgüsse und vieles mehr. Sein Wirken ist mit über 20 Werken in der Kurstadt allgegenwärtig.

Werke von ihm finden sich unter anderem auch in Wiesbaden, Gelnhausen, Schlüchtern, Aufenau, Lettgenbrunn oder Rüsselsheim und Obernburg. Ausstellungen zeugten von seinem künstlerischen Schaffen.

Hans Prasch wurde am 7. Juni 1925 als fünftes Kind eines Landwirts in eine alte Bad Orber Familie hineingeboren. Schon in früher Jugend zeigte sich sein künstlerisches Talent. Er besuchte die Volksschule und machte zunächst eine Schreinerlehre. Anschließend besuchte er die Fachschule für Holz- und Elfenbeinschnitzerei in Erbach im Odenwald und vervollkommnete hier sein Können. 1943 wurde er zum Wehrdienst einberufen und kurz vor Kriegsende noch schwer verwundet. Später setzte er seine Ausbildung an der Werkkunstschule in Offenbach (heute Hochschule für Gestaltung) fort. Ab 1948 arbeitete er als freischaffender Bildhauer.

1985 wurde er mit dem Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises ausgezeichnet. Seine Vorliebe galt der Holzplastik, aber er verwendete auch Blei und Kunststein und vielfach Bronze. In seinem Künstlerporträt zur Kulturpreisverleihung wurde sein Stil wie folgt charakterisiert: „Unbeeinflusst von modischen Strömungen bevorzugt Hans Prasch gegenständliche Motive, reduziert seine menschlichen Plastiken und Reliefs auf das Wesentliche und befasst sich überwiegend mit dem Menschen in seiner konkreten Situation (...). Die Grundstimmung seiner Plastiken ist der Natur des Künstlers entsprechend eher ernst, besinnlich, mit feiner Ironie und Signalen menschlicher Schwächen.“

Wenige Monate vor seinem Tod erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Bad Orb. Bürgermeister Wolfgang Storck sprach über einen Mann, der sich im kulturellen Bereich außerordentlich verdient gemacht und Zeichen gesetzt habe, innezuhalten in einer hektisch-bewegten Zeit. Hans Prasch war verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er starb am 26. Oktober 1999 in seinem Geburtsort.

Der Name des Bildhauers soll auch dauerhaft mit in seiner Heimatstadt verbunden werden. Werner Johanns hat als Pate seines Stadtleitbildprojekts, die Hans-Prasch-Anlage mit Skulpturengarten auf dem Bahnhofsvorplatz (wo der Springbrunnen sprudelt) geplant. Die Aufnahme der Örtlichkeit in das Förderprogramm „Ative Kernbereiche“ ist erfolgt. Den Skulpturengarten will auch die Familie unterstützen.

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