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„Die Patienten haben andere Sorgen“

Fragerunde und Podiumsdiskussion wegen des geplanten Baus von Windkraftanlagen in der Kurstadt

09. Mai 2022 / 20:46 Uhr
Bad Soden-Salmünster (hgs). Beim Bürgerforum zur Windenergie standen am Mittwoch nach den Beiträgen des Projektentwicklers und der Bürgerinitiative (BI) Gegenwind (die GNZ berichtete) eine Fragerunde für das Publikum und eine Podiumsdebatte auf der Agenda. In dieser standen vor allem pragmatische Lösungen für die Kurstadt im Fokus.

Steinaus Bürgermeister Christian Zimmermann (parteilos) saß zwar nicht auf dem Podium, sprach aber das aus, was viele Zuhörer dachten. Er bedauerte, dass vom Landesbetrieb Hessen-Forst kein Vertreter den Weg von Kassel ins Spessart-Forum nach Bad Soden gefunden habe. Denn es wäre interessant gewesen, von diesem zu erfahren, wie sich die Bürgerbeteiligung bei dem Windkraftprojekt im Spessartwald konkret gestalten solle.

Harald Schwarz verwies als Vertreter des Forstamtes Schlüchtern darauf, dass die Untere Forstbehörde die Firma RES als Projektierer lediglich forstfachlich begleite. Das Ziel der Förster sei dabei, die Eingriffe in den Wald so gering wie möglich zu halten, wenn die geplanten Windenergieanlagen vor der Genehmigung stünden. Raymond Grant nahm eine Äußerung der BI-Sprechers Heinz Josef Prehler auf und räumte als Wahl-Marjosser ein, dass auch er den Spessart liebe. Der Vertreter der Kliniken in Bad Soden-Salmünster gab jedoch zu bedenken, dass „wir die technische Entwicklung nicht aufhalten können“. Seiner Ansicht nach würden Patienten die Wahl der Klinik nicht von der Anzahl der Windräder abhängig machen, die von dort aus zu sehen seien: „Die haben ganz andere Sorgen.“ Auch die von Prehler skizzierten negativen Folgen für den Tourismus relativierte Grant. Wenn Windkraftanlagen derart abschreckend wären, „müsste Schleswig-Holstein leer sein“, unterstrich der Norddeutsche.

Dieter Holk erklärte als Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins VTW, dass „wir der Sache nicht aus dem Weg gehen können“. Es komme nun darauf an, ob die Kurstadt auf den Windkraftzug aufspringen und davon profitieren wolle „oder eben nicht“. Die Windräder würden angesichts der Politik in Land und Bund zweifellos genehmigt. Er plädiere deshalb für eine pragmatische Lösung. Bürgermeister Dominik Brasch (parteilos) teilte die Auffassung, dass in den Kommunen übergeordnete politische Beschlüsse nicht „herumgerissen“ werden könnten. Deshalb müsse fernab ideologischer Debatten „die konkrete Lage in den Vorranggebieten 3-309 und 3-73 besprochen werden“. Zwar stehe die Kurstadt noch ganz am Anfang des Verfahrens, doch in diesem sei zu klären, ob sie eigene Flächen verpachten wolle und, wenn ja, wie und von wem Windkraftanlagen betrieben werden sollten.

Brasch betonte, dass er in dieser Frage nicht seine eigene Meinung vertrete, sondern „das Beste für Bad Soden-Salmünster“ zu erreichen suche. Braschs Amtskollege aus Weilrod im Taunus, Götz Esser, berichtete von guten Erfahrungen mit einem extern betriebenen Windpark. Seine Gemeinde sei darin Vorreiterin im Taunus gewesen. Auf eigenem Gelände drehten sich bis zu zehn Windräder, auf einem direkt angrenzenden Areal ein Dutzend Anlagen. In diesem Zusammenhang kamen auch Modelle zur finanziellen Beteiligung der Bürgerschaft sowie Zahlungen an die Kommunen zur Sprache. Mit Blick auf Immobilienwerte und die Entwicklung von Grundstückspreisen sagte Esser, diese seien sogar gestiegen. Für ein Baugebiet mit 47  Grundstücken habe es 211 Bewerber gegeben.

Befürchtungen, die Stadt Bad Soden-Salmünster könne durch den Bau von Windkraftanlagen auf den Höhenzügen rund um die beiden Kernstädte Bad Soden und Salmünster ihr Prädikat „Bad“ im Namen verlieren, hat Verwaltungschef Dominik Brasch (parteilos) entkräftet. Laut dem Regierungspräsidium habe Windenergie keinerlei Auswirkung auf die Prädikatisierung als Kurort.

(hgs)

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