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Rosenmontagszug ist Geschichte

Faschingsgemeinschaft Salmünster zieht die Reißleine

07 Jan 2020 / 16:30 Uhr
Bad Soden-Salmünster (hgs). Die Zahl passt zu einem Karnevalverein: Seit elf Jahren gibt es den Rosenmontagsumzug in Salmünster. Einen zwölften wird es aber nicht geben, denn die Faschingsgemeinschaft Salmünster hat sich als dessen Trägerverein dazu entschlossen, keinen närrischen Lindwurm mehr zu veranstalten.

Nach Mitteilung des Vereinsvorsitzenden Christoph Becker wurde die Entscheidung mehrheitlich vom Vorstand und einer einberufenen Mitgliederversammlung getroffen (GNZ vom Montag). Als Hauptgrund nennt Becker stark rückläufige Teilnehmer- und Zuschauerzahlen: „Wir haben mal mit 40 Gruppen angefangen, im Vorjahr waren es nur noch halb so viele.“ Diesen Abwärtstrend stellt Becker schon seit einigen Jahren fest, weshalb die Vorjahreszahl wenig mit dem 2019 sturmbedingt in den Sommer verlegten Faschingsumzug zu tun habe.

Eine wichtige Einnahmequelle sei neben dem Getränkeverkauf auch der Verkauf von Ansteckern vor und während des Faschingsumzugs. Doch immer mehr Zuschauer verfolgten den Gaudiwurm zwar gerne, seien aber immer seltener bereit, hierfür auch den kleinen Obolus zu entrichten. Trotz des vielfältigen Einsatzes der etwa 40 ehrenamtlich tätigen Mitglieder und Helfer müsse der Verein für jeden Umzug etwa 1000 Euro für Versicherungen oder obligatorische Dienstleistungen aufbringen – von steigenden allgemeinen Kosten ganz abgesehen. Überdies gebe es immer öfter Personengruppen, deren Betragen – Feierlaune hin, Partysause her – sehr zu wünschen übrig lasse. Nach oftmals exzessivem Alkoholgenuss seien dann nicht nur die Rotkreuz-Helfer gefordert, sondern es würden zahllose zerdepperte Flaschen und sonstiger Unrat hinterlassen, für dessen Beseitigung auch der Veranstalter aufzukommen hat. Becker bereitet es dabei zunehmend Unbehagen, als Vorsitzender des Vereins im Zweifelsfall persönlich haftbar zu sein. Namens der Faschingsgemeinschaft würdigt Becker jedoch alle bisherigen Teilnehmer, die Stadt Bad Soden-Salmünster, die Feuerwehr, das Rote Kreuz, die Salmünsterer Wirte, und alle Helfer für deren Engagement bei den bisherigen Umzügen.

Im Rathaus wird die Entscheidung der Faschingsgemeinschaft Salmünster bedauert: „Die Nachricht kam für uns zwar überraschend, aber nicht unerwartet“, sagt Erster Stadtrat Werner Wolf (GWL) auf Anfrage. Die Veranstalter hätten bereits angedeutet, dass die Umzüge in jüngerer Zeit nicht mehr so erfolgreich gewesen seien. Daher hat Wolf „viel Verständnis für die dargelegten Gründe“, was ihn mit Burkhard Kornherr als Vorsitzendem der Vereinsgemeinschaft Salmünster verbindet. Dieser nennt den Entschluss der Karnevalisten als „gut nachvollziehbar“.

Das Aus für den Rosenmontagsumzug ist laut Werner Wolf unter anderem den strengeren Regularien in puncto Sicherheit geschuldet, so der Stellvertreter des Bürgermeisters. Alleine die erforderliche TÜV-Abnahme der Motivwagen „hat viele Teilnehmer aus Kostengründen dazu bewegt, nicht mehr an den Umzügen teilzunehmen“. Dies treffe vor allem die traditionell kleineren Umzüge. Manche Wetterkapriolen hätten ebenfalls ihren Beitrag zu der Situation geleistet. Erfreulich sei jedoch, dass die Faschingsgemeinschaft auch weiterhin Aktivitäten plane. Laut Becker gibt es am Freitag, 21. Februar, einen Karaoke-Abend im alten Güterbahnhof („jeder, der kommt, muss auch bereit sein, zu singen“), und die Fastnachter aus Salmünster wollen nach wie vor an Faschingsumzügen in der Umgebung teilnehmen. Für das Auffüllen der Vereinskasse dient ein Bahnhofstraßenfest mit Live-Musik, das für Samstag, 22. August, vorgesehen ist.

Wenn der Generationentreff in Salmünster fertiggestellt ist, können sich die Akteure der Faschingsgemeinschaft vorstellen, dort einmal Narrensitzungen zu veranstalten. Doch dies ist derzeit noch Zukunftsmusik.

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