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Auf der Walz das große Glück gefunden

Tom Gerbig kehrt nach 1 141 Tagen auf Wanderschaft in seine alte Heimat Bieber zurück

08 oct 2021 / 22:04 Uhr
Biebergemünd-Bieber. „Ich wollte die Welt sehen und mich im Handwerk weiterbilden, damit ich ein guter Handwerker werde.“ Mit diesem Ansinnen begab sich Tom Gerbig auf die Spur einer jahrhundertealten Tradition, der Walz. Jetzt ist er nach 1 141 Tagen zurückgekehrt in den Ort, wo er die ersten vier Jahre seiner Kindheit verbracht hatte, nach Bieber. Nach seiner Walz zog es ihn zurück ins Haus seiner Kindheit und zu seiner Oma, die er jetzt tatkräftig unterstützen will. Klar, dass der Wandergeselle am Ortseingang von Bieber mit großem Hallo empfangen und die glückliche Heimkehr gebührend gefeiert wurde.

Dass Wanderjahre keine Herrenjahre sind erzählt Tom Gerbig in seinem Rückblick, der am Ende viele positive Seiten aufzeigt. So belegt Gerbigs Geschichte eindrucksvoll, dass die Walz auch heute noch viele Wandergesellen in ihren Bann zieht.

Überliefert ist, dass junge Handwerker seit dem zwölften Jahrhundert durch das Land ziehen, um andere Regionen und kulturelle Unterschiede kennenzulernen und Lebenserfahrung zu sammeln. Aber vor allem, um neue Fertigkeiten in ihrem Fach dazuzulernen. Dabei wurde der Lehrling von seinem Meister freigesprochen und ging anschließend auf die Walz. Diese war vom zwölften bis zum 18. Jahrhundert Voraussetzung für einen Gesellen, um seine Meisterprüfung zu absolvieren.

Die Walz wird seit jeher von alten Ritualen und Traditionen bestimmt, die wenigsten davon wurden der heutigen Zeit angepasst. Davon weiß auch Tom Gerbig zu berichten, der nach seiner Gesellenprüfung, als Dachdecker im Sommer 2018 recht zügig auf Wanderschaft ging. Erste Voraussetzung dafür ist, dass man ledig, kinderlos, schuldenfrei und unter 30 Jahre alt sein muss. Dann kommt die erste große Hürde, nichts für Weicheier: der obligatorische Ohrring. Das entsprechende Ohrloch wurde ihm von den anderen Wandergesellen mit Hammer und Nagel gestanzt: „Es wurde aber vorher alles ordentlich desinfiziert, von innen und von außen“, erinnert sich Tom Gerbig noch lebhaft an den Schmerz.

Mehr: GNZ vom 9. Oktober.

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