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Der Fluch der langen Liste ...

... und wie die Nachbarschaft mit der Niederlage des

17 Mrz 2021 / 21:42 Uhr
Biebergemünd (in). Seit 30 Jahren sitzt Herbert Richter für die FWG im Biebergemünder Gemeindeparlament. Seit zehn Jahren ist er Vorsitzender der FWG-Fraktion. Vor der Kommunalwahl setzt die Wählergruppe Richter, dessen Name wie kaum ein anderer für die Biebergemünder FWG steht, dementsprechend auf Listenplatz zwei – gleich hinter dem Spitzenkandidaten Bernhard Schum. Am Dienstag kam für Richter, nachdem alle Stimmen ausgezählt waren, das böse Erwachen: Die Bürger machten von der Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens heftig Gebrauch – und so landete der Fraktionschef auf Platz 14. Damit ist Richter – theoretisch – nicht mehr im Gemeindeparlament vertreten, weil die FWG dort nur zwölf Sitze hat.

„Das ist nicht erfreulich“, kommentiert Richter im Gespräch mit der GNZ. Vom Wähler abgestraft sieht er sich hingegen nicht. Und er macht sehr deutlich, dass dieses Ergebnis nicht zur Folge hat, dass er sich aus der Biebergemünder Gemeindepolitik zurückziehen wird.

Die vom Wähler neu geordnete Kandidatenliste lässt den politischen Gruppierungen einige Hintertürchen offen, die Reihenfolge wieder in die gewünschte Richtung zu bringen. Bei der FWG zum Beispiel führt Bernhard Schum als Spitzenkandidat die Liste an. Schum sitzt momentan aber nicht im Gemeindeparlament, sondern im Gemeindevorstand. Sollte Schum weiter als Beigeordneter tätig sein wollen, rückt die erste Ersatzperson an das Ende der Liste nach. Daneben gibt es die Möglichkeit, dass Kandidaten sich nur als Sympathisanten auf die Liste haben setzen lassen – ohne die tatsächliche Absicht, im Parlament mitarbeiten zu wollen. Diese Gruppe und auch jeder andere Listenkandidat haben die Möglichkeit, die Annahme des Mandats – aus welchen Gründen auch immer – abzulehnen. Wechselt also von den gewählten Listenkandidaten einer in den Gemeindevorstand und ein weiterer nimmt sein Mandat nicht an, wäre Richter wieder drin.

Ob das so kommt, vermag der Fraktionsvorsitzende natürlich noch nicht zu sagen. Die personelle Aufstellung der FWG nach der Wahl müsse zunächst innerhalb der Wählergruppe besprochen werden, kündigt er an. Sollte es mit dem Einzug in das Parlament nicht klappen, strebt der altgediente FWG-Politiker einen Sitz im Gemeindevorstand an. Welche Personen in den Vorstand entsandt werden, entscheiden die jeweiligen Parteien selbst.

Dieses Selbstverständnis, auf jeden Fall in Biebergemünd weiter politisch tätig zu sein, kommt bei Richter nicht von ungefähr. Er geht davon aus, dass es nicht die Intention der Wähler gewesen ist, ihn aus dem Spiel zu nehmen. Er führt an, dass viele Kandidaten aus größeren Ortsteilen kommen – Richter selbst lebt im kleinen Breitenborn / Lützel – und schon deshalb mehr Kreuzchen auf ihre Person vereinigen können. Weitere Vorteile verbuchten auch die Kandidaten, die größeren Vereinen angehören und dementsprechende Solidaritätsstimmen von den Mitgliedern erhalten. Richter: „Ich bin eben nicht in Vereinen aktiv. Mein Hauptengagement ist die Politik.“ Die bei der FWG prall gefüllte Kandidatenliste tue ein Übriges dazu, dass ein Spitzenkandidat auch einmal hinten runterfallen könne – beziehungsweise andere nach vorne gewählt werden. Schließlich gehe es bei den Prozentanteilen der Stimmen für die Kandidaten oft nur um Nachkommastellen und letztlich um eine Handvoll Wähler.

Allerdings muss bei all diesen Erklärungen auch Folgendes gesehen werden: Die Kandidaten auf Platz eins und Platz drei haben ihre Positionen unverändert beibehalten. Ein Minus von zwölf Positionen hat im relevanten Bereich der Kandidatenliste mit Abstand kein weiterer FWG-Bewerber verzeichnen müssen.

Wie auch immer: Richter blickt lieber auf das Gesamtergebnis der FWG, die bei der Wahl insgesamt zugelegt hat. Daraus könne man schließlich folgern, dass die FWG in den Augen der Wähler eine gute Arbeit gemacht hat. Und für diese Arbeit trage er schließlich maßgeblich Verantwortung.

Als ausgesprochen ärgerlich empfindet Richter die Tatsache, dass er in Form eines Leserbriefs (siehe links) nun aus seiner direkten Nachbarschaft attackiert wird. Mit den Nachbarn gebe es Meinungsverschiedenheiten rund um das Thema „Hundegebell“, an dem sich Richter stört. Auch anonyme Briefe an die Fraktion, die sich gegen ihn gerichtet haben, vermutet er aus dieser Richtung. Dass er ein „als Wahlwerbung getarntes Pamphlet“ – wie es im Leserbrief heißt – bei den Nachbarn eingeworfen habe, weist Richter deutlich zurück. Es habe sich dabei um ein privates Schreiben zum Thema „Hundehaltung“ gehandelt.

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