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Versöhnung über die Gräber hinweg

Geschichte einer deutsch-französischen Freundschaft

19 nov 2021 / 17:48 Uhr
Biebergemünd (re/ez). Die Geschichte der Freundschaft, von der hier berichtet werden soll, begann vor nahezu 70 Jahren im Elsass, und sie wäre ohne das Leid und die Tränen, die der Zweite Weltkrieg verursacht hat, nicht entstanden. Es ist die Geschichte zweier mutiger Frauen, die sich Anfang der 1950er Jahre aufmachten, um das Grab des im Krieg gefallenen Mannes und Bruders zu suchen. Er war noch im Januar 1945 bei Kämpfen im Fôret de Haguenau gefallen. Zwei kleine Jungen, der jüngste gerade ein halbes Jahr alt, wurden dadurch zu Halbwaisen.

Vom Roten Kreuz hatte die Ehefrau Auguste Daus erfahren, dass ihr Mann Eduard in der kleinen französischen Gemeinde Walbourg im Arrondissement Haguenau-Wissembourg mit weiteren gefallenen deutschen Soldaten auf dem Friedhof an der Dorfkirche beerdigt war. Mit diesem Wissen machte sie sich mit ihrer Schwägerin Agnes Desch auf eine wahrhaft beschwerliche Reise nach Frankreich, mit zahlreichen Zwischenstopps und vielfachem Umsteigen, bis sie an ihrem Ziel ankamen. Nach dem Krieg glich das schon einem kleinen Abenteuer. Die beiden Schwägerinnen erreichten also Walbourg und fanden auch den traurigen Beweis, dass der geliebte Ehemann und Bruder dort beerdigt ist. In der Nähe pflegte gerade eine ältere Frau das Grab eines Angehörigen. So kamen die Frauen mit ihr in ein Gespräch über den Krieg und all das Leid, das dadurch entstanden war. Das „Elsässerdeutsch“ der Einheimischen verstanden die beiden Hessinnen gut.

Die etwa 60-Jährige lieh den beiden Deutschen ihre Hacke, damit sie das Grab des Ehemannes und Bruders ein wenig pflegen konnten. Da es durch die große Entfernung und die schwierigen Verbindungen unmöglich war, am gleichen Tag die Rückreise anzutreten, machten sich die beiden Frauen auf den Weg ins Dorf, um sich nach einer Übernachtungsmöglichkeit umzuschauen. Gasthäuser gab es einige, doch es hagelte Ablehnungen. Niemand wollte ihnen ein Zimmer vermieten. Die Demütigungen aus der Besatzungszeit waren nicht vergessen, und es gab noch jede Menge Ressentiments Deutschen gegenüber.

Und nun beginnt die wundersame Geschichte.

Mehr: GNZ vom 20. November

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