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Argumente „fachlich längst widerlegt“

Stellungnahme des Wasserverbandes Kinzig zu Protesten in Kirchbracht und Illnhausen

06. Januar 2022 / 16:41 Uhr
Birstein/Brachttal (re). „Kein neuer Brunnen“, „keine Erhöhung der Grundwasserentnahme“: Mit diesen Forderungen haben Mitglieder der Ortsbeiräte aus Kirchbracht und Illnhausen gemeinsam mit Landwirten am Montag protestiert, der Hessische Rundfunk (HR) drehte vor Ort in Kirchbracht. Dagegen wehrt sich nun der Wasserverband Kinzig (WVK) in einer Stellungnahme: Die Argumente seien „fachlich längst widerlegt“.

Der Obst- und Gartenbauverein Brachttal, der Kreisverband des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Main-Kinzig, die Vertreter aus den Dörfern am Montag: Mehrfach hatte die Gelnhäuser Neue Zeitung über die Proteste und Einwände berichtet. Hintergrund ist, dass die Neuvergabe der Wasserrechte für die Trinkwassergewinnungsgebiete Neuenschmidten und Kirchbracht/Illnhausen ansteht. Der WVK hat beantragt, die Fördermenge von 1,095 auf 2,05 Millionen Kubikmeter im Jahr zu erhöhen, die Laufzeit soll 30 Jahre betragen.

Die Sachverhalte, die die Gegner vorbingen, haben laut WVK „nichts mit den aktuellen Anträgen zu tun. Die meisten der dort vorgebrachten Argumente beziehen sich auf die 70er-, 80er- oder 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts und sind fachlich längst widerlegt.“ Auch die jüngste öffentliche Kritik des Kreisverbandes des BUND Main-Kinzig sowie der Artikel zum Drehtermin des HR in Birstein diese Woche machen da leider keine Ausnahme.“

Seit 2001 führe der WVK eine „umweltschonende Wassergewinnung“ durch. Deshalb setze man umfangreiche Analysen an, bevor ein Brunnen dauerhaft zur Wassergewinnung genutzt werde. Die aktuellen Berichte führten aus, dass in Kirchbracht und Illnhausen in den 80er-Jahren ein Pumpversuch vorgenommen wurde, der erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt gezeigt hatte. „Pumpversuche werden durchgeführt, damit gerade derartige Auswirkungen identifiziert werden und erhebliche Nachteile für die Umwelt verhindert werden können. Die Anlage ist damals in dieser Form nicht in Betrieb gegangen“, schreibt der WVK. Und weiter: „In den Jahren 2012 bis 2014 konnte der WVK im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Pumpversuchs öffentlich und transparent die problemlose Vereinbarkeit der Grundwassergewinnung mit einem verlässlichen Biotopschutz nachweisen. Hierbei hat der WVK deutliche höhere Anforderungen bezüglich der Auswirkungen der Grundwasserentnahme auf die Biotope nach den Kriterien der umweltschonenden Grundwassergewinnung angelegt, als dies in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts geschehen ist.“ Der WVK habe mittels dieser langfristigen Messreihen sichergestellt, dass bei einer Wasserförderung der Wasserstand des Illnhäuser Weihers und des benachbarten Schwingrasen-Biotop zu einem wichtigen Maßstab der gewinnbaren Mengen gemacht werde. Sowohl in den wasserwirtschaftlichen Jahresberichten des WVK als auch im Wasserrechtsantrag, die allesamt der Kommune und damit der Öffentlichkeit vorliegen, sind diese Zusammenhänge ausführlich dargestellt, heißt es weiter. Vor etwa 20 Jahren habe der WVK deshalb den Wechsel von der Nutzung reiner Fördermengen je Brunnen zu einer umweltschonenden Grundwassergewinnung vollzogen. Bei dieser stünden nicht mehr die Maximalmengen der Genehmigungsbescheide im Mittelpunkt. Gerade bei einem sich verändernden Klima habe der WVK frühzeitig erkannt, dass hierdurch kein effektiver Biotopschutz gewährleistet werden könne. Vielmehr habe der WVK die tatsächlichen gemessenen Grundwasserstände in den Mittelpunkt seines Handeln gestellt. „Einfach gesagt: Wenn genügend Wasser vorhanden ist, kann die beantragte Wassermenge gefördert werden. Ist nicht genügend Wasser vorhanden, wird auch kein Wasser gefördert.“ Hierbei sollen flexible Wasserrechte zum Einsatz kommen, so dass immer dort gefördert werden könne, wo ausreichend Wasser vorhanden sei. So konnten laut WVK durch die Verlagerung von Fördermengen von Neuenschmidten-Süd nach Neuenschmidten-Nord die Umweltauswirkungen reduziert werden. In Neuenschmidten-Süd sei die Bodenfeuchte deshalb gestiegen und der Faschborn führe durch diese Maßnahme wieder dauerhaft Wasser.

Mehr lesen Sie am 7. Januar in der GNZ.

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