SUCHE

Mathe handgreiflich beim Weidenruten-Schneiden

Kinder vom Naturkindergarten Lämmerschlupp helfen Korbflechterin und lernen dabei mehr als Zählen

09 Mrz 2021 / 19:46 Uhr
Birstein-Kirchbracht (re). „Transporter“ ruft es hinter einem Kopfweiden-Stamm. Sofort sausen einige Kinder los, die selbst kaum größer sind als die niedrigen Stämme auf der Baumplantage oberhalb von Kirchbracht. Sie nehmen die abgeschnittenen Ruten entgegen und bringen sie zum Sammelplatz. Dort warten schon viele Bündel auf die Abholung durch den großen Traktor. Die Kinder helfen beim Schneiden der Weidenruten mit und lernen dabei ganz nebenbei das Zählen.

Eine Woche lang sind die elf Kinder vom Naturkindergarten „Lämmerschlupp“ zusammen mit ihren Betreuerinnen Tag für Tag den Volkartshainer Weg hinaufgewandert. Dort wächst der Rohstoff für Korbflechterin Gudrun Müller. In diesem Frühjahr hilft der „Lämmerschlupp“ bei der Ernte der einjährigen Weidentriebe.

Zunächst aber streifen die Zwei- bis Vierjährigen durch die Plantage – aus Kindersicht ein wahrer Irrgarten. Nach der Erkundung wollen die Kinder helfen. Die Älteren dürfen mit Anleitung unter Aufsicht schon selbst mit der Heckenschere ernten, die Jüngeren machen sich als „Transporter“ nützlich.

Ganz nebenbei und in Bewegung mit viel Lachen findet hier Lernen statt, wie Kindergarten-Leiterin Nicole Krauthan erklärt: „Die Kinder machen sich mit elementaren Grundlagen der Mathematik wie Ordnen, Messen und Zählen vertraut. Sie unterscheiden beim Bündeln dicke und dünne, lange und kurze Ruten. Sie lernen Mengenlehre, wenn mittlere Ruten zum einen und zum anderen Bündel gehören könnten. Sie zählen mit, wie viele Ruten sie auf einmal tragen können.“

Mathematische Konzepte seien abstrakt, der Zahl „10“ könne niemand im Alltag begegnen, sagt Krauthan. Sehr wohl aber lasse sich erleben, dass sich zehn Ruten schwerer tragen als drei und dass der Transport von längeren Ruten mehr Umsicht verlangt als der von kurzen. „Auch wird handgreiflich erfahren, dass fünf dicke Ruten mindestens so schwer zu schleppen sind wie zehn dünne.“ Der Umgang mit Strukturen, Mustern und Regelmäßigkeiten helfe Kindern zu verinnerlichen, wie Muster funktionieren. So werde der Grundstein gelegt für ein tiefergehendes Verständnis des Zahlensystems. Weil die Kinder dabei unterwegs seien und den Gegenstand der Erkundung fühlten, verankere sich ihr Wissen viel tiefer, als wenn es nur am Tisch stattfinde. „Die Basissinne werden stimuliert, dadurch wird integriert wahrgenommen, was weitere Verknüpfungen erleichtert und das Hirn auf Trab bringt“, schildert Krauthan, wie ideales Lernen im Vorschulalter funktioniert.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 10. März.

Weitere Meldungen aus der Region
  • 1
  • 2
  • 3

Schlagwörter: