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Mobilfunk bietet weites Feld für Verschwörungstheoretiker

Birsteiner Bürgermeister Fabian Fehl geht im GNZ-Gespräch mit Bürgerinitiative hart ins Gericht

07 Aug 2020 / 18:38 Uhr

Birstein (erd). In Birstein hat sich eine neue Bürgerinitiative gegen Mobilfunk gegründet, die sich klar gegen Mobilfunksendemasten in Ortsnähe ausspricht. Dies steht im Widerspruch gegen den Ausbau der Digitalisierung, welche gerade im ländlichen Raum die Zukunftsfähigkeit der Gemeinden steigern. Die GNZ hat dazu mit Bürgermeister Fabian Fehl (SPD) gesprochen.

GNZ: Was sagen Sie zur neu gegründeten Bürgerinitiative und deren Forderung keine Mobilfunkmasten in Ortsnähe zu errichten?

Fehl: Grundsätzlich ist das eine politische Position, die man vertreten kann. Ich halte sie nicht für zukunftsweisend und für den falschen Weg. Aber da darf man ja anderer Ansicht sein. Was mich allerdings enttäuscht und mittlerweile sogar schockiert ist die Art und Weise, mit der diese Leute für ihre Position werben.

Was meinen Sie?

Es wird systematisch mit Unwahrheiten gearbeitet und dabei werden noch Behauptungen aufgestellt, die Verschwörungstheorien bedienen.

Zum Beispiel?

Bei einem Flyer der Bürgerinitiative heißt es, dass Mobilfunkstrahlung nachgewiesenermaßen schädlich sei und verwiesen wird dabei auf die sogenannte Naila-Studie. Diese Studie ist längst überholt. Sie ist über 15 Jahre alt. Es gibt neuere und wesentlich umfangreichere und präzisere Studien, die den von der Naila-Studie behaupteten Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und erhöhtem Krebsrisiko nicht nachweisen konnten.

Aber auch in der Wissenschaft gibt es doch verschiedene Meinungen?

Genau das ist falsch. In der Corona-Krise haben wir eindringlich gelernt: Wissenschaft ist keine Meinung. Sehen Sie, die Naila-Studie ist von vier Hausärzten erstellt worden, die 20 000 Patientenakten von Krankenversicherungen untersucht haben und ihre Ergebnisse auf einer selbst erstellten Website präsentieren. Sie stammt aus dem Jahr 2004. In den Jahren 2010 bis 2012 sind drei große Studien von Forschungsinstituten erschienen, die insgesamt 1,5 Millionen Personen untersucht haben und allesamt kein erhöhtes Krebsrisiko durch Mobilfunkstrahlung unterhalb der Grenzwerte feststellen konnten. Mit diesen Studien ist die Naila-Studie überholt. Nun kann man weiterhin der Meinung sein, dass... Doch das hat aber dann nichts mehr mit Wissenschaft zu tun.

Das Schlimme ist, ich habe die Mitglieder der Bürgerinitiative mehrfach auf diesen Sachverhalt hingewiesen. Er wird ignoriert. Stattdessen wird auf Flyern systematisch mit Unwahrheiten gearbeitet. Eine überholte Studie wird dargestellt. Die aktuellen werden ausgeblendet.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 8. August.

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