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Der Keramik ein Denkmal gesetzt

Klaus-Dietrich Keßler im Alter von 87 Jahren gestorben / Museum aufgebaut

23. November 2022 / 10:15 Uhr
Brachttal-Streitberg (erd). Er hat mit seinem Lindenhof-Keramik-Museum der Wächtersbacher Keramik und all den großen Künstlern ein Denkmal gesetzt und sich gemeinsam mit seiner Frau Marlies einen Lebenstraum erfüllt. Am Samstag ist Klaus-Dietrich Keßler im Alter von 87 Jahren gestorben.

Klaus-Dietrich Keßler erblickte am 22. Mai 1935 in Frankfurt das Licht der Welt. In seiner Kindheit erlebte er dort die Bombennächte während des Krieges, die ihn sehr prägten. Sein Vater wurde zur Wehrmacht eingezogen, die Mutter musste in der Rüstungsindustrie arbeiten, und Klaus-Dietrich wurde zu Onkel und Tante nach Eberbach am Neckar verschickt.

Nach dem Krieg erhielt er modernen Schulunterricht, der ihm einen guten Abschluss und eine Lehrstelle beim privaten Bankhaus Bethmann einbrachte. Nach Abschluss der Lehre wurde Keßler Mitglied der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) und machte dort Karriere. Er wurde Betriebsratsvorsitzender in der Bank und saß in der Bundes-Tarifkommission. Nach 30 Jahren in der Bank wechselte Keßler komplett zur Gewerkschaft, wurde Gewerkschaftssekretär der DAG, machte sich mit der Organisation von Bankenstreiks einen Namen.

Der eingeschlagene Weg führte ihn nach Bochum. Das veränderte auch sein Privatleben, denn er lernte seine zweite Ehefrau Marlies kennen, die damals Betriebsrätin der Commerzbank war. Die Gewerkschaften DAG und HBV schlossen sich zu Verdi zusammen. Und ein Hilferuf seines Vaters sorgte dafür, dass die Familie Keßler wieder nach Hessen zog.

Es zog sie aufs Land, eine Hofreite in Streitberg sollte im Jahr 1993 ihr neues Zuhause werden. Diese lag idealerweise nahe an Schlierbach, wo die wunderbaren Keramiken in der Steingutfabrik entstanden. Klaus-Dietrich und Marlies Keßler fanden auf dem Anwesen den Raum, für ihre umfangreiche Sammlung an Wächtersbacher Keramik in der denkmalgeschützten Scheune ein passendes Domizil zu schaffen. Es wurde liebevoll renoviert, für alle Epochen der Wächtersbacher Keramik ein Raum für die Ausstellung eingerichtet. So entstand mit dem Lindenhof-Keramik-Museum eine grandiose private Ausstellung, die der Wächtersbacher Keramik und deren großartigen Künstlern ein würdiges Denkmal setzt, ihr enormes künstlerisches Potenzial interessierten Menschen präsentiert und für die Nachwelt bewahrt. So bleibt das Werk von großen Künstlern wie Max Roesler, Christian Neureuther oder Ursula Fesca erhalten und stiftet in Brachttal Identität. Mit dem Aufbau des Museums wird auch der Name Keßler für immer mit der Wächtersbacher Keramik verbunden bleiben. In diesem Jahr erhielten Marlies und Klaus-Dietrich Keßler bei der Verleihung des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises einen Sonderpreis für ihr Lebenswerk mit der Schaffung dieses einmaligen Museums. Es blieb ihnen verwehrt, diesen Preis am vergangenen Freitag selbst entgegennehmen zu können.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 23. November.

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