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Eine vorübergehende Erscheinung

Jo van Nelsen liest aus literarischen Autoreisebericht Otto Bierbaums von 1903

02 Sep 2019 / 19:10 Uhr
Brachttal-Schlierbach (dl). So ziemlich zur gleichen Zeit, um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, wurden zwei Erfindungen gemacht, die die Welt nachhaltig grundlegend verändern sollten. Automobil und Grammophon begannen ihren Siegeszug über den ganzen Erdball, auch wenn Kaiser Wilhelm weiter aufs Pferd setzte und noch viele Menschen glaubten, dass das Automobil nur eine vorübergehende Erscheinung sein würde. Zu dieser Zeit entstanden in der Wächtersbacher Keramik „Automobilisten-Figuren“, mit denen Jo van Nelsen kabarettistisch im Auftrag der Industriekultur Steingut die Verbindung zum damaligen Autoreisebericht von 1903 herstellte.

In den Räumen des sensibel wieder hergerichteten historischen Werksverkaufs der Wächtersbacher Keramik begrüßte das Vorstandsmitglied der Industriekultur Steingut, Pascal Heß, das Publikum im historischen Ambiente des Traktes der früheren Fabrik, in dem im 19. Jahrhundert der Sitz des Konsumvereins war, einer Einrichtung, die für die Versorgung der Mitarbeiter mit günstigen Konsumartikeln gegründet worden war. Das Provisorium, in dem der Staub der Jahrzehnte ganz bewusst noch nicht ganz entfernt worden war, ist dem Verein vom derzeitigen Eigentümer Alexander Zimmer zur Verfügung gestellt worden, um den großen Raum künftig als Museum und Veranstaltungshalle zu nutzen. Der Verein will nicht ausschließlich in der Vergangenheit leben, sondern das „bereits Gewonnene liebevoll pflegen“ und damit das großartige Erbe für die Zukunft nutzen, sagte Heß den Besuchern und aktiven Unterstützern, zu denen auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung Lutz Heer, Bürgermeister Wolfram Zimmer und Erster Beigeordneter Roland Tzschietzschker gehörten.

Wenn man mit dem Auto fährt, braucht man unter anderem Staubbrillen, wie sie die bereits die 1908 hergestellten keramischen Figuren tragen, die der Museums- und Geschichtsverein Brachttal und das Lindenhof Keramik-Museum zur Verfügung gestellt hatten. Wie eine Mode, die kommt und vergeht, betrachtete man den frühen Automobilismus: „Ein Geschenk vom Himmel gesendet, aber nur, wenn man vorsichtig fährt“, erklärte Jo van Nelson, der sich zusammen mit den Zuhörern mit Hilfe des Autoreiseberichtes von Otto Julius Bierbaum von 1903 „Eine empfindsame Reise im Automobil“ auf den Weg von Berlin über den tückischen Gotthardpass nach Italien machte.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 3. September.

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