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Halbtagsschulen sind Auslaufmodell

Guido Seelmann-Eggebert referiert zur Zukunft der Grundschulen

27 Feb 2019 / 18:26 Uhr
Brachttal-Streitberg (dl). Auf Einladung der Freien Wähler Brachttal plädierte Guido Seelmann-Eggebert im Dorfgemeinschaftshaus Streitberg für eine Umstellung des Schulsystems von Halbtags- auf Ganztagsgrundschulen. Im Anschluss an seinen Vortrag stellte sich Seelmann-Eggebert einer Diskussionsrunde mit den anwesenden Lehrern, Mitgliedern des Vereins der Freunde und Förderer der Grundschule Brachttal und Kommunalpolitikern, allen voran Bürgermeister Wolfram Zimmer. Dass die Halbtagsgrundschulen tatsächlich ein Auslaufmodell sind, sei im Koalitionsvertrag der amtierenden Bundesregierung festgeschrieben: Ab 2025 soll ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen gelten.

Der Diplom-Pädagoge und frühere Rektor, Lehrer für Mathematik und Sozialkunde, Guido Seelmann-Eggebert ist heute unter anderem ehrenamtlich als Landesvorsitzender des Hessischen Ganztagsschulverbandes tätig. Seelmann-Eggebert ließ von Anfang an keinen Zweifel daran, dass er ein Verfechter der Ganztagsschule ist. Das hat er unter anderem mit der Historie der Grundschulen, der Entwicklung der Ganztagsschule in Hessen und aktuellen Umfragen und psychologischen Gutachten untermauert.

Ursprünglich habe der Grundschule in Deutschland immer der ganze Tag gehört, belegte der Referent anhand historischer Schulpläne. An einem Frankfurter Gymnasium war 1626 nur Mittwoch- und Samstagnachmittag keine Schule. Diese Regelung war im ganzen deutschsprachigen Raum üblich. Die beiden Nachmittage waren aber nicht frei, sondern den Diensten in der Kirche vorbehalten. Ausgenommen waren auch die Nachmittage, an denen Beerdigungen stattfanden. Nicht mehr als drei Stunden hintereinander sollten am frühen Vormittag für die Lernfächer genügen, nachmittags waren von 14 bis 16 Uhr unter anderem Spiel- und Turnstunden angesetzt worden. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann die Halbtagsschule zunächst an den Gymnasien und später an den Volksschulen eingeführt. Seelmann-Eggebert bezog sich auf eine Empfehlung eines psychiatrisches Gutachtens aus dieser Zeit, das die Ganztagsschule präferierte, weil Lernfächer nicht länger als drei Stunden hintereinander unterrichtet werden sollten. Die Lehrer hätten die Möglichkeiten, die die Halbtagsschule bot, genutzt, um ihre damals kargen Einkünfte durch Nebentätigkeiten aufzubessern. Das ist vielen von ihnen nicht gut bekommen, weil sie die Doppelbelastung krank gemacht habe. In Brachttal war die Volksschule bis zirka 1930 eine Ganztagsschule, hat Seelmann-Eggebert herausgefunden.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 28. Februar.

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