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Mahnmal wider das Vergessen

„Weißer Garten“ Hellstein wird am Sonntag, 15. September, um 14 Uhr eingeweiht

22 Aug 2019 / 18:06 Uhr
Brachttal (re/erd). Die Gemeinde Brachttal wird ein wichtiges Zeichen wider das Vergessen setzen. Am Sonntag, 15. September, um 144 Uhr wird der „Weiße Garten“ an der Alten Schule in Hellstein eingeweiht. Damit weiht die Gemeinde ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ein und erinnert an die frühere jüdische Gemeinde in Brachttal.

Nach dem einstimmigen Beschluss der Brachttaler Gemeindevertretung vom 18. Dezember 2017 wurde die „AG Gedenken“ zur Umsetzung des geplanten Mahnmals ins Leben gerufen. Bei dem Antrag zum Mahnmal ging es den Gemeindevertretern darum, aufzuzeigen, dass es den Nationalsozialisten damals gelungen ist, bis in kleine Dörfer hinein ihre Ideologien zu verbreiten und Hass zu säen, auch in die Brachttaler Ortsteile. Das Mahnmal soll dafür stehen, dass man zwar heute die Geschichte nicht mehr rückgängig machen kann, man jedoch sehr wohl dafür verantwortlich ist, dass sie sich nicht wiederholt.

Die Geschichte der Familie Grünebaum aus Hellstein ist beispielhaft für das, was unser Brachttaler Mahnmal ausdrücken soll. Viele Jahrzehnte war die Familie Grünebaum in Hellstein integriert, eine von zehn deutschen Familien jüdischen Glaubens in den Brachttaler Ortsteilen Hellstein und Schlierbach.

Am 7. Juli 1928 wurde Erich Grünebaum in Hellstein geboren. Seine Schwester Johanna war etwas älter, sie erblickte am 24. Dezember 1925 in Hellstein das Licht der Welt. Im Jahr 1934 wurde Erich Grünebaum in der Hellsteiner Schule eingeschult. Damals war es üblich im Laufe des ersten Schuljahres von allen Erstklässlern ein Foto vor der Treppe der Alten Schule Hellstein zu machen. Viele Hellsteiner Familien haben oder hatten entsprechende Fotos in ihrem Besitz, so auch Familie Grünebaum: Das Erinnerungsfoto zeigt Erich vor der Alten Schule im Jahr 1935, zusammen mit seiner Schwester Johanna.

Selbst im kleinen und beschaulichen 400 Einwohner zählenden Hellstein gelang es den Nazis, ihre Theorien zu verbreiten und einen Keil in die Gesellschaft zu treiben. Die acht jüdischen Familien im Ort (und auch die beiden im benachbarten Schlierbach) verloren nach und nach ihre Existenzgrundlagen sowie alle sozialen Kontakte bis sie 1938 schließlich vollständig vertrieben wurden. Erich Grünebaum konnte 1939 als elfjähriges Kind alleine, nach einer Odyssee über Frankreich, Spanien und Portugal, nach Amerika fliehen und überlebte als einziger aus seiner Familie. In Amerika lebt er seither unter dem Namen Eric Greene.

Johanna Grünebaum kam 1939 zunächst nach Utrecht in Holland, wurde aber von dort aus deportiert und mit nur 16 Jahren am 30. September 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Die Eltern der Kinder, Jonas und Else Grünebaum, wurden zunächst 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie kamen von dort im Januar 1943, also vier Monate nach Johannas Tod, ebenfalls ins KZ nach Auschwitz.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 23. August.

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