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Mit Stiefmütterchen zu Weltruhm

Volker Kirchner erinnert an Christian Neureuther: Vor 100 Jahren verstarb der Schlierbacher Keramikkünstler

15 Jan 2021 / 17:42 Uhr
Brachttal-Schlierbach (re). In den Keramik-Fachzeitschriften las man zu Beginn des Jahres 1921: „Nach längerem Leiden verstarb am 18.1.21 der verdienstvolle Leiter der Kunstabteilung der Wächtersbacher Steingutfabrik, Christian Neureuther. Das Unternehmen und mit ihm die deutsche Keramik verliert ... einen arbeitsfreudigen und erfolgreichen Mitarbeiter, der seine volle Kraft dafür einsetzte, die auf seine Anregung hin eingerichtete Kunstabteilung einer gedeihlichen Entwicklung entgegenzuführen und die dort geschaffenen Erzeugnisse auf eine höchste künstlerische Stufe zu bringen.“ Der Heimatforscher Volker Kirchner erinnert an den großen Künstler zu dessen 100. Todestag.

Christian Neureuther wirkte über sein gesamtes Berufsleben für die Wächtersbacher Steingutfabrik als Schmelzmaler, Zeichner und Kunstkeramiker. Er hatte seine Ausbildung zu Zeiten der Kunstrichtung des Historismus erhalten. Etwa ab 1898 entwickelte er sich und die Wächtersbacher Steingutfabrik in den Jugendstil hinein. Dieser Weg in den Jugendstil war in den ersten Jahren auch holprig. Es entstanden noch 1902 stilgemischte Kuriositäten. Beispielsweise entwickelte man eine historistische Form für Küchengefäße und nannte sie Germania. Die Deckel dieser Gefäße versah man mit einer Pickelhaubenspitze. Eine Dekorationsvariante bekam eine reliefierte Jugendstilbanderole. An drei Seiten versah man das Gefäß dann noch mit nett und freundlich schauenden, farbenfrohen Stiefmütterchen (Dekornummer 1312). Drei Stilrichtungen kämpfen auf dem Produkt gegeneinander. Glücklicherweise setzen sich die Stiefmütterchen beim Betrachter durch.

Im Jahr 1903, mit Etablierung der Kunstabteilung, fand Neureuther dann seinen stilistisch gesicherten Platz im künstlerisch hochwertigen Jugendstil. Dass die Umstände der Einrichtung seiner Abteilung Auslöser für den neunmonatigen Streik in der Steingutfabrik waren, ist nicht Neureuther anzulasten.

Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 18. Januar.

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