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„Wir sind beide Hellsteiner“

Ernst Gottschalk trifft Erich Grünebaum in den USA

09 Mrz 2020 / 15:31 Uhr
Brachttal-Hellstein/Durango(USA) (bak). Erich Grünebaum musste Deutschland 1939 mit einem Kindertransport in Richtung Frankreich verlassen. Sein Weg führte ihn zwei Jahre land über die Pyrenäen und von Spanien aus mit dem Schiff nach Amerika. Im vergangenen Jahr, im Alter von über 90 Jahren, schloss sich für ihn ein Kreis. Gemeinsam mit seiner Schwester bekam er in seinem Heimatort Hellstein im Weißen Garten, in dem die lebensgroße Silhouette des Geschwisterpaars aufgestellt wurde, wieder eine Heimstatt.

Ernst Gottschalk arbeitet maßgeblich an der dörflichen Erinnerungskultur. Weil Eric Greene, wie sich Grünebaum inzwischen nennt, die weite Reise zur Eröffnung des Erinnerungsgartens im vergangenen Jahr nicht mehr antreten konnte, schrieb er ihm: „Ich würde dich gerne kennenlernen.“ So reiste Gottschalk im November zu einem persönlichen Treffen mit Greene in die USA. Für Ernst Gottschalk war es die wichtigste Reise seines Lebens, wie er sagt.

Als Eric Greene von der Planung des Weißen Gartens erfahren hatte, konnte er nächtelang nicht schlafen. Er war in Gedanken wieder ganz nah bei seiner Schwester. Johanna war mit einem Kindertransport in das jüdische Kinderheim im holländischen Westerbrok gekommen. Später wurde sie nach Ausschwitz deportiert, wo die Nationalsozialisten sie ermordeten. Johanna hatte eine Ausbildung zur Krankenschwester vor. Es kam nicht mehr dazu. Jetzt möchte Eric Greene durch seinen finanziellen Beitrag einem jungen Menschen in Deutschland die Ausbildung im Krankenpflegebereich ermöglichen. Ernst Gottschalk ist deshalb auf der Suche nach einer entsprechenden Person.

Auch die Eltern Grünebaum kamen in der Zeit des Nationalsozialismus ums Leben. Eric Greene hatte das in den 50er-Jahren recherchieren können. Die Familie hatte Hellstein 1938 als letzte jüdische Familie verlassen und anschließend in Frankfurt gelebt. Eric Greene erinnert sich daran, dass es immer auch Menschen gegeben habe, die weiterhin jüdische Mitbewohner unterstützten.

Als Ernst Gottschalk am 8. November 2019 in den USA in Durango bei Eric Greene ankam, war er nervös. wie er berichtet. Doch schnell sprachen die beiden Hellsteiner über alte Zeiten. Die Bilder aus der Ausstellung anlässlich der Eröffnung des Weißen Gartens taten ihr Übriges dazu. So kamen viele alte Geschichten aus Hellstein an die Oberfläche. „Danke, dass du das machst“, bedankte sich Greene bei seinem Gast.

Mehr dazu lesen Sie am Dienstag, 10. März, in der GNZ.

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