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Absturz kurz nach dem Start

Ursache für Flugzeugunglück weiterhin unklar / Geborgenes Wrack wird untersucht

09 Jun 2021 / 17:00 Uhr
Gelnhausen (mb/dpa). Nach dem Absturz eines Ultraleichtflugzeugs mit zwei Toten an der Gelnhäuser Westspange ist noch am späten Dienstagabend das Wrack sichergestellt worden. Es soll nun von Experten untersucht werden, um die weiterhin unklare Ursache für das tragische Unglück zu ermitteln. Fest steht inzwischen, dass sich der Absturz offenbar kurz nach dem Start vom Gelnhäuser Flugplatz ereignet hat. Beide Piloten galten als sehr erfahren, wie Dr. Benjamin Schaum, Vorsitzender des Aero-Clubs Gelnhausen, bestätigte.

Das Flugzeugwrack sei noch am späten Abend mit Hilfe eines Feuerwehrkrans geborgen worden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Bei dem Absturz waren am Dienstagnachmittag wie berichtet zwei Männer ums Leben gekommen: ein 53 Jahre alter Mann aus Wächtersbach und ein 67-Jähriger aus Alzenau (Bayern). Nach Polizeiangaben war das kleine Flugzeug aus bisher unbekannter Ursache in größere Büsche an einer Böschung gestürzt. Das Wrack soll nun in Absprache mit der Staatsanwaltschaft von Experten untersucht werden, um die Absturzursache zu ermitteln.

Das Unglück ereignete sich gegen 14.30 Uhr an einer Böschung der Landesstraße 3202 in unmittelbarer Nähe zur dort verlaufenden Bahntrasse. Das einmotorige Propeller-Fluggerät vom Typ Ikarus C42 kam mit der Front an der Böschung und mit dem Heck im Baum- und Heckenbewuchs hängend zum Stillstand.

Die beiden Leichname konnten zunächst nicht aus dem Wrack geborgen werden, da das in dem Flieger verbaute Notfallrettungssystem augenscheinlich noch nicht ausgelöst war, teilten die Staatsanwaltschaft Hanau und das Polizeipräsidium Südosthessen am Mittwoch gemeinsam mit. Dabei handele es sich um eine Art Sprengkapsel, die im Notfall bei Zündung einen großen Rettungsfallschirm aktiviere. Aufgrund der dadurch anfangs noch bestehenden Explosionsgefahr sei zunächst ein Sicherheitsradius eingerichtet worden, der es den hinzugezogenen Spezialisten des Hessischen Landeskriminalamtes ermöglicht habe, die Sprengkapsel kontrolliert auszulösen.

Im Zuge der Einsatzmaßnahmen an der Unfallstelle war die Landesstraße bis in den späten Abend hinein zwischen der Kreuzung zur Lagerhausstraße und dem Abzweig Clamecystraße voll gesperrt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft weiter mitteilten. Zeitweise musste auch der Bahnverkehr eingestellt werden. Das Wrack sei mit einem Autokran der Feuerwehr Frankfurt am Main geborgen und zur weiteren Begutachtung sichergestellt worden. Die Unfallstelle sei mittlerweile komplett geräumt.

Warum die Maschine verunglückte, ist bislang noch unklar. Nach ersten Erkenntnissen galten die beiden Männer als erfahrene Piloten. Bekannt ist mittlerweile laut Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei, dass sich der Absturz offenbar kurz nach dem Start auf dem Gelnhäuser Flugplatz ereignet hat. Die Staatsanwaltschaft Hanau, die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sowie beauftragte Gutachter haben die Ermittlungen zur Absturzursache bereits an der Unfallstelle aufgenommen.

Die Kriminalpolizei sucht nun insbesondere Zeugen, die Angaben zum Flugverlauf unmittelbar vor dem Absturz machen können, und bittet um Zeugenhinweise unter Telefon 06051/8270.

Dr. Benjamin Schaum, Vorsitzender des Aero-Clubs Gelnhausen, zeigte sich am Tag nach dem tragischen Unglück schockiert und fassungslos über den Absturz, der sich während eines Übungsfluges von zwei lizenzierten Piloten ereignete. „Beide waren sehr erfahren, einer von ihnen war Berufspilot und Fluglehrer“, berichtete er im Gespräch mit der GNZ. „Der Fluglehrer hatte sicherlich tausend Flugstunden absolviert.“ Er könne nicht verstehen, was da passiert sei und warum auch kein Rettungssystem ausgelöst habe.

Vor knapp einem Jahr sei ein Flugzeug auf derselben Route unterwegs gewesen und nach einem Motorausfall auf einer Wiese in Hailer notgelandet. „Sie waren zu erfahren, um so einzuschlagen“, sagte Schaum. „Ich kann mir einfach nicht erklären, was da schief gelaufen ist.“ Einen vergleichbaren Unfall habe es seines Wissens nach in der Geschichte des Aero-Clubs Gelnhausen nur ein einziges Mal gegeben. „Das ist bestimmt 30 Jahre her, und die Ursache war ein medizinisches Problem: Der Pilot war während des Fluges bewusstlos geworden.“

Der Verlust der beiden Mitglieder trifft den Aero-Club Gelnhausen hart. „Wenn ein Mensch stirbt, ist es immer eine Katastrophe“, sagte Schaum. Darüber hinaus seien beide Personen aber auch sehr präsent gewesen und hätten viel gemacht. Insbesondere der Fluglehrer habe sich sehr um den Verein verdient gemacht und durch seine Tätigkeit ein freundschaftliches Verhältnis zu vielen Mitgliedern aufgebaut.

Ein ausdrückliches Lob sprach Schaum, selbst Notfallmediziner, den Einsatzkräften vor Ort aus: „Sie haben sensationelle Arbeit geleistet und alle super zusammengearbeitet.“ Schaum war vom Gelnhäuser Bürgermeister Daniel Glöckner, der ebenfalls vor Ort war, zur technischen Rettung und zur Identifizierung der Personen verständigt worden.

So tragisch der Absturz mit zwei Toten auch war, so hätte das Unglück angesichts der Nähe des Unfallortes zur Autobahn 66 durchaus noch tragischer enden können. Dessen ist sich auch Schaum bewusst. „An der Stelle muss man wohl froh sein, dass es nicht noch schlimmer ausgegangen ist.“

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