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Die Stadt, das Geld und die Zeit

Gerd Eidam hat Gelnhausen zum Schauplatz einer großen Romanreihe gemacht

02. Januar 2021 / 19:28 Uhr

Gelnhausen (mab). Mit der Serie „Gelnhausen und seine Menschen damals“ gewährt Gerd Eidam seit 2020 GNZ-Lesern viele Einblicke in die Geschichte seiner Heimatstadt. Auch wenn der heute 80-Jährige bereits seit 1978 in Großburgwedel bei Hannover lebt, ist die Barbarossastadt für ihn bis heute ein Quell beständiger Faszination geblieben. Seit 1997 schreibt er an einem groß angelegten Entwicklungsroman. Dessen Hauptfigur, Martin Langer, wurde wie ihr Erfinder in der Burg geboren. Fünf Bände hat Eidam bereits veröffentlicht, der sechste und wohl abschließende Teil soll 2023 erscheinen.

Wenn Gerd Eidam die Augen schließt, sieht er die Barbarossastadt vor sich. Wenn er sie öffnet auch, zumindest dann, wenn er in seinem Arbeitszimmer in Großburgwedel sitzt, inmitten von mehr als 3 000 Goethe-Bänden. Auf dem Bildschirmhintergrund seines Computers leuchtet das rechtzeitig zur 800-Jahr-Feier 1970 fertiggestellte Gemälde „Gelnhausen“ seines Vaters Wilhelm Eidam. Im August 2021 hat es der Sohn dem Main-Kinzig-Kreis geschenkt. Auf den ersten Blick wirkt das Bild leicht, sogar fröhlich. In klaren Konturen sind die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die Kirchen, die Wehrtürme, die Fachwerkhäuser und das Haintor eng aneinander gerückt. „Wenn man es länger betrachtet, stimmt das Gemälde nachdenklich“, meint Gerd Eidam. „Warum stehen die Gebäude so dicht gedrängt? Warum gibt es kein Leben in der Stadt?“ Diese Fragen hat er seinem Vater selbst gestellt. Und der hat ihn gelehrt, auch auf das zu achten, was nicht sichtbar ist. „Im Mittelpunkt des Bildes siehst du, versteinert, die Erinnerung an die meist ruhmreiche Vergangenheit unserer schönen Stadt. Doch am oberen Bildrand, über dem Büdinger Wald, dem Himmel zu und auf der Müllerwiese im Vordergrund ist Platz für die Zukunft. Nach Höherem streben, aber nicht die Bodenhaftung verlieren. Das gilt“, so hat ihm der Vater erklärt, „auch für die beiden einzigen Menschen, die du auf dem Bild siehst. Adam und Eva heute. Beide, feierlich gekleidet, irgendwie nachdenklich wirkend, reiten sie auf ihren Pferden, die die Natur symbolisieren, in Richtung rechter Bildrand, der unbekannten Zukunft entgegen. Es liegt in beider Hand, Mensch und Natur, gemeinsam, wie das Morgen auf unserer Erde aussehen wird.“

Mehr in der GNZ vom Montag, 3. Januar.

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