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Ein Pfarrer, eine leere Kirche und eine Kamera

Wie Hennig Porrmann in der Corona-Krise die Gläubigen in Meerholz und Meerholz via Internet erreicht

01 Apr 2020 / 14:32 Uhr

Gelnhausen-Hailer/Meerholz. Geschlossene Kirchen, abgesagte Gottesdienste, eine arg eingeschränkte Seelsorge: Die Corona-Pandemie ist für Kirchengemeinden und Pfarrer eine immense Herausforderung. Viele wählen nun den Gang ins Internet, um den Gläubigen ein alternatives Angebot zu ermöglichen und den Kontakt nicht komplett abreißen zu lassen. So auch die evangelische Kirchengemeinde Meerholz-Hailer. Im Interview mit GNZ-Redakteur David Noll spricht Pfarrer Henning Porrmann über das Gefühl, einen Gottesdienst in einer menschenleeren Kirche zu halten und die Reaktionen der Gemeindemitglieder.

GNZ: Sie haben nun bereits den zweiten Videogottesdienst in der Schlosskirche gefeiert und im Internet übertragen. Eine Situation, die Sie sich vermutlich auch nicht hätten vorstellen können. Wie schwer ist Ihnen diese Art der Digitalisierung gefallen?

Pfarrer Porrmann: Letztendlich ist mir die Entscheidung sehr leicht gefallen. Wie so viele Gemeinden haben auch wir überlegt, wie wir die Menschen ermutigen können, die sonst in den Gottesdienst kommen würden. Aber auch Menschen, die vielleicht normalerweise den Gottesdienst nicht besuchen, suchen nach Zuspruch und Ermutigung. Gerade in dieser schwierigen Zeit kann der Glaube den Menschen Zuversicht und Halt geben, und wir Kirchen können dabei die Verbindung darstellen. Da war der Videogottesdienst die erste Wahl. Schon länger liegen mir aber auch die Menschen am Herzen, die nicht mehr in die Kirche kommen können, weil sie krank oder zu alt sind oder auch aus anderen Gründen. Deshalb gibt es seit einiger Zeit schon Predigten, die als Audiobeitrag auf der Internetseite der Kirchengemeinde abrufbar sind. Daher habe ich mich mit der Idee der Digitalisierung schon länger beschfätigt.

Was ist das für ein Gefühl, als Pfarrer in einer leeren Kirche zu stehen und Gottesdienst zu feiern?

So ganz ohne Gemeinde in der Kirche Gottesdienst zu feiern, ist schon seltsam. Ich schaue in die aufgebauten Kameras und niemand singt die Lieder mit. Mir hilft es dabei sehr, mir vorzustellen, wie alle da sind, wer wo sitzt zum Beispiel. Auf eine gewisse Weise fühle ich mich der Gemeinde so trotzdem verbunden. Oder ich stelle mir vor, wie jemand diesen Gottesdienst dann zu Hause mit einer Kerze auf dem Sofa sitzend mitfeiert. Dass das dann erst zwei Tage später geschieht, ist für die Vorstellung egal.

Mehr lesen Sie in der GNZ vom 2. April.

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