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Grüne Grabenkämpfe: Sommer, Leinhaas und Schmidt werfen hin

Nach einer emotionalen Debatte und gegenseitigen Schuldzuweisungen stellt
sich der Vorstand nicht mehr zur Wiederwahl / Wietzorek und Krieg übernehmen

15 nov 2021 / 17:25 Uhr
Gelnhausen (jol). Die verhärteten Fronten bei den Gelnhäuser Grünen sind in der Hauptversammlung am Freitagabend mehr als deutlich zu Tage getreten. Gegenseitige Schuldzuweisungen zum Austritt von vier engagierten Mitgliedern aus dem Stadtverband und eine fehlgeschlagene Mediation sorgten für heftige Diskussionen im Sitzungssaal im Rathaus. Die emotionale Debatte kumulierte schließlich darin, dass Holger Sommer, Victoria Schmidt und Uwe Leinhaas sich als Vorstandsteam nicht mehr zur Wiederwahl stellten. Selena Krieg und Bernd Wietzorek bilden die neue Führungsetage, die viel Arbeit vor sich hat und noch ein weiteren Mitstreiter sucht.

Es dauerte mehr als drei Stunden vom Beginn der Hauptversammlung bis zu den abschließenden Neuwahlen. Dabei wurde schon früh deutlich, dass Holger Sommer und Kassenwart Uwe Leinhaas keine Chance mehr haben würden, einen Vorstandsposten zu ergattern. Ihre Kollegin Victoria Schmidt wurde aus der Kritik ausgenommen, stellte sich aber ebenso nicht mehr zur Wahl. Zu fortgeschrittener Stunde und nachdem zwei Mitglieder die Versammlung vorzeitig verlassen hatten, wurden die beiden Stadträte Selena Krieg und Bernd Wietzorek, der die Kassenführung übernehmen wird, zum neuen Vorstand gewählt. Mindestens ein weiteres Vorstandsmitglied wird noch gesucht, aber erst in der nächsten Sitzung gewählt werden können.

Zuvor hatte sich Bernd Wietzorek als Wortführer derer erwiesen, die nicht mit Kritik am Vorstand sparten. Der Stadtrat warf dem Trio Geklüngel und unsaubere Arbeit vor. Statt öffentlich als Vorstand zu tagen und so den Mitgliedern eine Chance zur Beteiligung zu geben, habe man das als „Treffen unter Freunden“ tituliert. Dabei richtete sich die Kritik ausschließlich gegen Holger Sommer und Uwe Leinhaas. Bei den Querelen um Sophie Abend und Clara vom Endt, die schließlich ihre Mandate in der Stadtverordnetenversammlung abgaben, habe selbst eine Mediation nicht helfen können. Dass Victoria Schmidt von einer deutlichen Mitgliedersteigung auf 28 berichten konnte, war da nur ein schwacher Trost. „Wir haben unnötig junge und engagierte Kräfte verloren“, sagte Wietzorek. Nur mit Mühe habe die Spaltung der siebenköpfigen Fraktion, die sich eigentlich über den Wahlerfolg hätte freuen und die so wichtige Arbeit auf dem Weg zur einer klimaneutralen Stadt einleiten sollen, vermieden werden können.

„Ich habe den Stadtverband viele Jahre alleine getragen“, verwies Holger Sommer auf die Jahre vor dem Wachstum. Die Kritik Wietzoreks wies er zurück. Viel Zeit und vor allem Herzblut sei in die Arbeit der Grünen geflossen. Ihm vorzuwerfen, dass er nach schwerer Krankheit in Reha kurzfristig andere Prioritäten gesetzt habe, könne er nur als Angriff unter der Gürtellinie werten.

Die weiteren Mitglieder machten deutlich, dass sie Bernd Wietzorek weitgehend unterstützen. Dies bezog sich auch auf einen Aspekt der Kassenführung von Uwe Leinhaas. „Vor der Entlastung des Vorstands muss doch eine Kassenprüfung erfolgen, oder?“, wollte Heike Krieg wissen. Diese Kassenprüfung habe 2019 und 2020 nicht stattgefunden. Auch Wietzorek, der eigentlich gemeinsam mit der aus dem Stadtverband ausgetretenen Clara vom Endt die Kasse prüfen sollte, bestätigte das. Für den Stadtrat passte das ins Bild des „klüngelnden Vorstands“. „Ich will damit aber nicht behaupten, dass die Kassenführung nicht korrekt ist“, stellte Wietzorek klar. Uwe Leinhaas stellte durchaus positive Zahlen vor. „Die beiden Jahresabschlüsse wurden vom Landesverband geprüft und genehmigt“, sagte der ehemalige Kassenwart. Die Entlastung wurde ihm und dem Vorstand dennoch bis zu einer Kassenprüfung durch die neu gewählten Kassenprüfer Jakob Mähler und Marie-Luise Schmitz verwehrt.

Statt über wichtige Themen zu diskutieren, hatte der Abend bereits mit einer einstündigen Debatte zur Tagesordnung begonnen. Wietzorek setzte sich am Ende damit durch, dass die geplante Satzungsänderung von der Tagesordnung genommen werden musste. Anlass der Änderung war die Zahlungsmoral von Mandatsträgern, die mit ihren Aufwandsentschädigungen angehalten sind, die Parteiarbeit zu fördern. Doch da es sich dabei im eigentlichen Sinne um Spenden handelt, kann eine Nicht-Zahlung nicht zu einem Verlust von Mitgliedsrechten führen, wie es der Entwurf vorgesehen hatte. Das Problem soll dennoch angegangen werden. Victoria Schmidt regte eine komplette Überarbeitung der Satzung an. „Die ‚Grüne Jugend‘ kommt darin gar nicht vor“, brachte sie nur einen von vielen Gründen vor. Ein Arbeitskreis soll diese Änderung vorbereiten und in diesem Rahmen auch gemeinsam mit dem Landesverband einen Weg finden, die Finanzierung der Parteiarbeit zu verbessern und zu verhindern, dass einige Mitglieder nur die Vorteile von Workshops und Klausurtagungen nutzen, aber sich nicht auch entsprechend daran beteiligen wollen.

Nach den Wahlen wurden aufgrund der späten Uhrzeit alle weiteren Aussprachen verschoben. Auf Selena Krieg und Bernd Wietzorek wird sehr viel Arbeit zukommen, den Stadtverband der Grünen wieder in sichere Bahnen lenken zu können.

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