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Veritas AG wird verkauft

Alleine am Stammsitz in Gelnhausen sollen 700 Arbeitsplätze wegfallen

20 Feb 2020 / 16:47 Uhr
Gelnhausen (dan/re). Paukenschlag in der Barbarossastadt: Die Veritas AG wird an den amerikanischen Investor AIAC verkauft werden. Dieser soll neuer Mehrheitsaktionär des Traditionsunternehmens werden. Für die Veritas-Mitarbeiter bedeutet der Verkauf harte Einschnitte. Alleine am Stammsitz in Gelnhausen sollen 700 Arbeitsplätze wegfallen, ein Großteil der Produktion werde an ausländische Standorte verlagert, teilte das Unternehmen gestern Nachmittag mit.

Die Veritas bewertet den Verkauf an den US-amerikanischen Industrieinvestor American Industrial Acquisition Corporation als einen „entscheidenden Meilenstein im laufenden Restrukturierungsprozess“. Im herausfordernden Marktumfeld der Automobilindustrie habe die Poppe-Veritas-Gruppe als Zulieferer seit Ende 2018 mit zunehmend schwierigeren Bedingungen zu kämpfen. Die Unternehmen der Gruppe seien mittlerweile mit einem Marktrückgang von mehr als 10 Prozent konfrontiert.

Der Vergleich mit dem globalen Wettbewerbsumfeld zeige, dass ein signifikanter Teil der Arbeitsplätze in Deutschland nur dann gesichert werden könne, wenn Herstellungsanteile in Länder mit geringeren Produktionskosten verlagert würden. Obwohl seit Mitte vergangenen Jahres bereits 15 Prozent der Arbeitsplätze an den deutschen Standorten abgebaut wurden, seien im Zuge der Verlagerung weitere Reduzierungen im Personal unausweichlich.

Konkret bedeute dies: Bis Ende des Jahres 2022 sollen am Hauptstandort in Gelnhausen 700 Arbeitsplätze wegfallen. Gleichwohl bleibe Gelnhausen weiterhin ein entscheidender Standort für die Poppe-Veritas-Gruppe, an dem langfristig mehr als 700 hochwertige und stabile Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen, kündigt das Unternehmen an. Am Standort in Benshausen (Thüringen) sei der Abbau von 120 Arbeitsplätzen geplant. Am Standort in Neustadt (Sachsen) fielen 40 Stellen und bei Poppe in Gießen 20 Stellen weg. Als weitere Sofortmaßnahme wurden die Mitarbeiter auch aufgefordert, auf ihre Jahresleistungsprämien für die Jahre 2019 bis 2022 zu verzichten.

Bei der Arbeitnehmerseite sind die Veritas-Ankündigungen gestern auf massives Unverständnis gestoßen: „Die Arbeitnehmer bei der Poppe-Veritas-Gruppe sollen auf Einkommen verzichten und damit den massiven Stellenabbau auch noch mitfinanzieren“, kritisierte der Konzernbetriebsrat in einer gemeinsam mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) verfassten Pressemitteilung. Die Spitzenvertreter von Betriebsrat und der IG BCE sowie alle Beschäftigten seien über die Übernahmepläne des US-amerikanischen Investors AIAC informiert worden. AIAC und Vorstand hätten dabei mitgeteilt, dass die Wirksamkeit des Verkaufs noch davon abhänge, dass die Beschäftigten erneut einem umfangreichen Einkommensverzicht bei gleichzeitigem drastischen Personalabbau zustimmen würde. „Wir sind, wie in der Vergangenheit auch, stets zu konstruktiven und lösungsorientierten Gesprächen und Verhandlungen bereit, um Standorte, Arbeitsplätze und Unternehmen zu retten. Zeitdruck und Ultimaten sind dabei allerdings keine guten Voraussetzungen“, teilt die Gewerkschaft mit.

Mehr lesen Sie in der GNZ vom 21. Februar.

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