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Reichsbürger kündigen Rückzug an

Hasselroth: „Königreich Deutschland“ sagt Eröffnung von Projektzentrum ab. Gegendemo soll trotzdem stattfinden.

04. Mai 2022 / 17:23 Uhr
Hasselroth-Neuenhaßlau (mab). Das große mediale Echo, eine deutliche Stellungnahme von Landrat und Bürgermeister und nicht zuletzt der lautstark bekundete Unmut der Bürger hat offenbar dazu geführt, dass die für das kommende Wochenende angekündigte Einweihung eines sogenannten Projektzentrums als Außenstelle des „Königreich Deutschland“ in Neuenhaßlau abgesagt wurde. „Aufgrund von negativer Berichterstattung und Unverständnis in der Bevölkerung werden wir unsere Eröffnungsveranstaltung nicht durchführen und den Laden ‚Paradiesgarten‘ und die Außenstelle im Gemeinwohlstaat Königreich Deutschland (KRD) nicht eröffnen. Wir wollen keinen Unfrieden, sondern Frieden“, heißt es seit Dienstagabend auf der entsprechenden Webseite der Gruppe „EMX Exchange“, die für das Projekt verantwortlich zeichnet. Ungeachtet des angekündigten Rückzugs hält das Bündnis „Hasselroth ist kein Königreich“ an seinen Plänen für eine Gegendemonstration am Samstag fest.

Wie Bürgermeister Matthias Pfeifer informiert, haben sich die vier Fraktionen im Gemeindeparlament mit den beiden Kirchengemeinden zum erwähnten Bündnis zusammengeschlossen, um zu zeigen, das extremistisches und verfassungsfeindliches Gedankengut keinen Platz in Hasselroth hat. Für Samstag rufen die Beteiligten zu einer friedlichen Gegendemonstration um 10 Uhr an der Bahnhofstraße auf. Die Teilnehmer treffen sich zwischen Zahnarzt und Metzgerei, also auf Höhe des geplanten Lebensmittelladens, der zur selben Zeit eröffnet werden sollte. Dass die Initiatoren mittlerweile ihren Rückzug aus Hasselroth verkündet haben, ändere nichts an den Plänen für die Kundgebung, teilt Pfeifer mit, der den Mitteilungen der vom Verfassungsschutz als extremistisch geltenden Organisation nicht traut.

Dass Misstrauen durchaus angesagt ist, legt auch eine Mitteilung auf der Telegram-Seite des „Projektzentrums“ nahe. Dort wird der Rückzug mit einem „Pressewirbel“, der Stellungnahme von Landrat und Bürgermeister und dem Unmut der Bürger begründet. „Jemand sagte uns, ‚das halbe Dorf sei aufgebracht‘“, heißt es in der Mitteilung und weiter: „Seltsam, dass die Politik so Angst vor einem Tante-Emma-Laden hat.“ Aufhorchen lässt ein anderer Satz: „Ich kann eure Enttäuschung verstehen, es ist nicht das Ende, sondern ein Schachzug, in diesem Fall ein Rückzug“, schreibt der namentlich nicht genannte Autor. „Für mich steht fest, dass ein heißer Corona-Herbst droht und Gott wird uns zeigen, was/wie/wo die nächsten Schritte bis dahin sein werden, dass wir das Paradies mit anderen Schachzügen verwirklichen.“ Ob das in Hasselroth oder an einem anderen Ort, womöglich in der Region, geschehen soll, lässt der Autor offen.

Wie Bürgermeister Matthias Pfeifer derweil informiert, habe er mittlerweile Kontakt zu den Vermietern der Immobilie an der Bahnhofstraße aufgenommen. Dabei habe sich herausgestellt, dass diesen das Ausmaß der geplanten Einrichtung offenbar nicht bewusst gewesen sei. Für Freitag ist ein weiteres Gespräch geplant.

„Da es sich um ein rein privates Vermietungsgeschäft handelt, ist die Gemeinde übrigens nicht involviert“, sagt Pfeifer. Zudem liege eine Gewerbeanmeldung nicht vor. „Da es sich um ein Wohnhaus handelt, darf dort unseres Erachtens kein Laden rein.“

Die Bürger ruft Pfeifer auf, am kommenden Samstag zahlreich zur geplanten Kundgebung zu erscheinen: „Lasst und friedlich Stärke und klare Kante zeigen.“

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