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„Bei mir beißen die Nazis auf Granit!“

Ausstellung über den Märtyrer und Widerstandskämpfer Franz Reinisch

06. Mai 2022 / 14:45 Uhr
Jossgrund-Burgjoß (aw). Weil er als katholischer Priester den Fahneneid auf Hitler verweigerte, wurde der Pallottinerpater Franz Reinisch am 7. Juli 1942, mit 39 Jahren, von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt und einige Wochen später am 21. August im Zuchthaus Brandenburg-Görden durch das Fallbeil hingerichtet. Im Gedenken an diesen gradlinigen, entschiedenen und konsequenten Priester findet vom 15. Mai bis zum 13. Juni in der Kirche „Zum kostbaren Blut“ in Burgjoß eine Ausstellung statt.

Auf 14 Schautafeln wird das Leben und Wirken dieses Märtyrers und Widerstandskämpfers, dessen Seligsprechungsprozess auf diözesaner Ebene in Trier 2019 feierlich abgeschlossen wurde, mit vielen historischen Fotos, kurzen und einprägsamen Texten dokumentiert. Eine zusätzliche Schautafel geht eigens auf sein Wirken im Spessart ein.

Franz Reinisch wurde 1903 in Österreich geboren. 1922 begann er sein Jurastudium in Innsbruck und trat der späteren CV-Verbindung Leopoldina bei. Nach kurzer Studienzeit wechselte er zur Theologie und trat 1926 dem Pallottinerorden bei. Als Priester wirkte er vor allem im süddeutschen und südwestdeutschen Raum als Prediger und Leiter von Einkehrtagen.

Schon früh bekannte er sich als scharfer Gegner Hitlers und der NS-Diktatur, was zu einem Rede- und Predigtverbot führte. Als er 1942 zur Wehrmacht eingezogen werden sollte, verweigerte er aus Gewissensgründen den Eid auf Adolf Hitler. Er wurde daraufhin vom Reichskriegsgericht in Berlin zum Tode verurteilt und am 21. August 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Der Gefängnispfarrer, der ihn in seinen letzten Lebenswochen begleitete, berichtete über den tiefen Glauben, der der mutigen Gewissensentscheidung zugrunde lag. Briefe aus der Todeszelle an seine Familie belegen seine gottergebene Entschlossenheit.

Gegenüber einem Priesterfreund, dem Gelsenkirchener Vikar Heinrich König, der das Nazi-Regime ebenso verachtete und in Dachau ein qualvolles Ende fand, soll Pater Reinisch bei einem Besuch in Gelsenkirchen wörtlich geäußert haben: „Bei mir beißen die Nazis auf Granit!“

Die katholische Kirche nahm Pater Franz Reinisch 1999 als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts auf. Am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess von Pater Reinisch eröffnet und am 28. Juni 2019 konnte er auf der diözesanen Ebene feierlich abgeschlossen werden. Die Untersuchung hat über sechs Jahre gedauert. Seine Schriften wurden zusammengetragen und von Theologen und Historikern begutachtet. Die Akten und Dokumente umfassen weit über 6000 Seiten. Die Untersuchungen zu seiner möglichen Seligsprechung laufen nach erfolgreichem Abschluss des Diözesanprozesses inzwischen im Vatikan.

Am Sonntag, 15. Mai, wird die Ausstellung um 10.30 Uhr mit einer Heiligen Messe eröffnet. Hauptzelebrant und Prediger wird Prof. Dr. Heribert Niederschlag sein, ein Mitbruder von Pater Reinisch. Der Pallottinerpater aus Vallendar befasst sich seit Jahren mit Pater Reinisch und hat als Vizepostulator seinen Seligsprechungsprozess wesentlich vorbereitet. Als profunder Kenner der Lebensgeschichte von Pater Reinisch versteht es Niederschlag, für das vorbildliche Lebenszeugnis seines Märtyrer-Mitbruders zu begeistern und aktuelle Bezüge für die heutige Zeit aufzuzeigen.

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