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Pfaffenhausen – unerreicht in Opferwilligkeit

Historiker Tobias Picard gibt detaillierte Einblick in den Bau der Kirche

04. November 2021 / 17:01 Uhr
Jossgrund-Pfaffenhausen (bis). Tobias Picard, Diplom-Archivar und Historiker am Institut für Stadtgeschichte Frankfurt, widmet sich ehrenamtlich unter anderem dem Pfarrarchiv Jossgrund. Dabei war er auf Dokumente gestoßen, die noch mehr Informationen über den Kirchbau in Pfaffenhausen enthalten, als bislang an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

Anhand einer 98-seitigen Powerpoint-Präsentation in der gut gefüllten Kirche in Pfaffenhausen hat er interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Gotteshauses gewährt. Es war die letzte Veranstaltung anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Herz-Jesu-Kirche in Pfaffenhausen“.

Über das Schicksal der ehemaligen Kirche im 18. Jahrhundert berichtete die GNZ bereits. Picard legte in seinem Vortrag den Fokus auf die Entstehungsgeschichte des Kirchengebäudes, das 1921 eingeweiht wurde. Ungefähr 170 Jahre lang gingen die Pfaffenhäuser nach Oberndorf zu den Gottesdiensten bis sich der Wunsch regte, wieder eine eigene Kirche zu haben.

Bauern, die Holz ins Pfarrhaus nach Oberndorf lieferten, traten mit dem Anliegen an Dechant Deufert heran. Dieser schlug vor, Bürgermeister Josef Hagemann zu bitten, eine Versammlung zur Gründung eines Kirchbauvereins einzuberufen. Nachdem der Bürgermeister kein Interesse zeigte, nahm Deufert die Angelegenheit selbst in die Hand. 1898/99 wurde ein Kirchbauverein gegründet. Vorsitzender wurde Anton Amberg, sein Stellvertreter Ludwig Pfahls (beide Jahrgang 1857). Schneidermeister Philipp Amend (1855) verwaltete die Finanzen. Er schrieb sogar an ehemalige Pfaffenhäuser, die in die USA ausgewandert waren. So floss mancher wertbeständige Dollar in die Kirchbaukasse.

Die Mitglieder zahlten einen Monatsbeitrag von 50 Pfennig. Im Winter wurde zugunsten des Projekts Theater gespielt. Nach zehn Jahren waren 10.000 Mark zusammengekommen. Ein Fuldaer Architekt fertigte für 1.000 Mark eine Entwurfszeichnung an. Der Bau wurde mit 30.000 Mark veranschlagt.

Dechant Deufert wollte die Kirche am Ortsausgang Richtung Oberndorf bauen, doch der Mehrheit der Pfaffenhäuser gefiel der Platz nicht. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs stellte der Vorstand seine Tätigkeit ein. Als Deufert 1916 starb, kam das Projekt zum Erliegen, heißt es in der Rützel-Chronik.

Bei seinen Recherchen im Diözesanarchiv Fulda hatte Tobias Picard herausgefunden, dass 1914 Entwurf und Baugenehmigung bereits vorlagen. Die politische Gemeinde Pfaffenhausen wollte für das Projekt einen größeren Kredit in Höhe von 20.000 Mark aufnehmen, doch der Kreisausschuss lehnte dies ab. Das Regierungspräsidium genehmigte zwar den Bauplan, sah aber die Kirche für die Finanzierung zuständig.

Mehr dazu lesen Sie am Freitag, 5. November, in der GNZ.

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