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Algermissen kritisiert eigene Kirche

„Im Krisenmanagement nicht immer glücklich verhalten“

31 Mai 2019 / 17:34 Uhr
Main-Kinzig-Kreis/Fulda (dpa).. Vor rund einem Jahr hieß es für Heinz Josef Algermissen in Fulda: Bye, bye Bischof! Der frühere Oberhirte hat sich in seinem neuen Leben eingerichtet. Er ist Seelsorger und Aushilfspfarrer. Auch als kritischer Geist in umstrittenen Kirchen-Fragen äußert er sich.

Ruhestand? Nein, so empfindet der emeritierte Bischof Heinz Josef Algermissen seine aktuelle Lebensphase nicht. Der 75-Jährige ist zwar seit bald einem Jahr nicht mehr in Amt und Würden als katholischer Ortsbischof von Fulda. Der Papst hatte am 5. Juni 2018 seinen altersbedingt eingereichten Rücktritt angenommen. Aber Ruhestand? „Das kann man wirklich nicht sagen. Das wäre auch furchtbar“, betont Algermissen im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Algermissens Kalender ist noch immer voll. Er hält Vorträge, ist ein gefragter Gesprächspartner. Vor allem als Seelsorger ist er tätig. „Ich werde als Aushilfspriester angefragt, wenn jemand krank ist.“ Wenn Algermissen Gottesdienste hält, bekommt er an der Basis einen ungeschönten Eindruck vom Bedeutungsverlust seiner Kirche. Dann sitzen eben nur ein paar Dutzend Gläubige auf den Bänken. Er ist mehr Publikum gewöhnt.

Aber Algermissen hat Erklärungen für die Misere. Mit etwas Abstand zu seinem Amt redet er nun Klartext: „Die katholische Kirche hat sich beim Krisenmanagement in den vergangenen Jahren nicht immer glücklich verhalten.“ Beim Skandal um sexuellen Missbrauch habe die Kirche sich zu sehr um die Täter gekümmert. „Das war ein großer Fehler. Wir wollten die Täter schon raussondieren, aber wir wollten, damit das nicht so bekannt wurde, im Grunde die Kirche schützen. Und das geht heute natürlich wahnsinnig nach hinten los.“ Der Missbrauch sei nicht richtig aufgearbeitet worden. Wenn die Täter versetzt und behandelt worden seien, sei es wenig später „wieder schiefgegangen. Pädophilie ist nicht zu kurieren“, sagt Algermissen.

Ob er auch selbst Fehler gemacht hat? „Nein, das kann ich nicht sagen.“ Er sei mit aller Härte und Entschiedenheit gegen die Täter vorgegangen. „Entweder Du gehst zur Staatsanwaltschaft, oder wir machen das“, ordnete er an. „Ob man mitunter auch ein zu gutes Herz hatte, das weiß ich jetzt nicht. Ich habe mich immer bemüht, eine absolute Klarheit zu fahren.“

Mehr dazu lesen Sie am Samstag, 1. Juni, in der GNZ.

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