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„Bahn-Pläne völlig aus der Zeit gefallen“

Kreis fordert beidseitigen Anschluss des Bahnhofs Gelnhausen

03. August 2022 / 15:15 Uhr
Gelnhausen/Linsengericht (re). Der Main-Kinzig-Kreis unterstützt die Forderung der Gemeinde Linsengericht nach einem barrierefreien und beidseitigen Anschluss des Bahnhofs Gelnhausen. Die von der DB Netz AG angestellten Überlegungen, den südlichen Zugang im Rahmen der anstehenden Modernisierung zu schließen, beziehungsweise eine Finanzierungsbeteiligung der Gemeinde Linsengericht in Höhe von 16 Millionen Euro einzufordern, stoßen bei Landrat Thorsten Stolz auf großes Unverständnis.

Für Landrat Stolz ist es „absolut unvertretbar, dass der Bahnhof der Kreisstadt Gelnhausen künftig nur noch von der Nordseite zu erreichen sein soll“. Die Forderung an die Deutsche Bahn laute daher, die Anbindung auch für Linsengericht und die Region südlich der Bahnlinie weiterhin gleichermaßen sicherzustellen. Auch die Erwartung der Deutschen Bahn, dass der südliche Zugang von der Gemeinde Linsengericht zu finanzieren sei, wird als „völlig inakzeptabel“ zurückgewiesen. „Da braucht man kein großer Haushalts- und Finanzierungsexperte zu sein, um zu verstehen, dass für eine Gemeinde wie Linsengericht eine finanzielle Beteiligung in Höhe von 16 Millionen Euro nicht zu stemmen ist. Solche Gedankenspiele sind jenseits der Realität“, so Landrat Stolz.

Diese Entwicklung komme zudem für die Beteiligten sehr überraschend, denn bisher habe der Neubau einer durchgehenden Personenunterführung nicht in Frage gestanden. Auch in den veröffentlichten Darstellungen wie aus dem Dialogforum vom Dezember 2020 sei das Vorhaben in dieser Weise abgebildet. Vorgesehen sei dort ein barrierefreier Zugang unter anderem zu den rund 120 „Park & Ride“-Plätzen auf südlicher Seite. Doch nun, drei Monate bevor laut DB Netz AG das Ausschreibungsverfahren beginnt, solle die Gemeinde Linsengericht eine Finanzierungszusage über rund 16 Millionen Euro geben.

Zum Hintergrund: Im Zuge des Ausbaus des dritten und vierten Gleises zwischen Hanau und Gelnhausen wird der Bahnhof in Gelnhausen modernisiert und umgebaut. In diesem Zuge muss auch die bestehende Personenunterführung verlegt werden. Damit die künftige Personenunterführung wie bisher beide Bahnhofsseiten miteinander verbindet, soll jetzt die Gemeinde Linsengericht die Finanzierung tragen.

„Diese Forderung widerspricht auch den bisherigen Gesprächsverläufen rund um den Streckenausbau Hanau-Gelnhausen und ist ein beispielloser Vorgang“, sagt Landrat Thorsten Stolz. Es seien maßgeblich die Richtlinien und Standards der Bahn, die enorme Kostensteigerungen verursachen. Zudem diene die beidseitige Erschließung vor allem den Kunden der Bahn und sei bei einem Bahnhof dieser Größenordnung ein elementarer Bestandteil.

Der Bahnhof in der Kreisstadt zählt neben Hanau und Fulda die höchsten Passagierzahlen auf der Strecke und müsse daher auf dem bisherigen Niveau ertüchtigt werden, formuliert der Landrat die Erwartung des Main-Kinzig-Kreises. Es sei absolut nicht zu rechtfertigen, dass eine Gemeinde eine solche Investition in die allgemeine Infrastruktur quasi im Alleingang finanzieren soll. „Diese Idee der Deutschen Bahn ist völlig aus der Zeit gefallen und widerspricht den Anforderungen der eingeleiteten Mobilitätswende“, sagt Thorsten Stolz.

Der Linsengerichter Bürgermeister Albert Ungermann bedankte sich beim Landrat für die Unterstützung des Main-Kinzig-Kreises, um auf die Interessen der Gemeinde Linsengericht beim Bahnhofsumbau aufmerksam zu machen.

Der Main-Kinzig-Kreis werde diese Position sowohl politisch als auch öffentlichkeitswirksam vertreten, um eine angemessene Umsetzung der Modernisierung des Gelnhäuser Bahnhofes zu erreichen. „Das Projekt steht seit Jahren auf der Agenda, und es ist völlig inakzeptabel, dass es nun von der Bahn nur halbherzig umgesetzt werden soll. Wenn die Deutsche Bahn für den Neubau der Personenunterführung zusätzliche Finanzmittel benötigt, so sind diese bei Bund und Land einzufordern. Unsere Position ist jedenfalls klar: Beide Bahnhofsseiten, Gelnhausen und Linsengericht, müssen miteinander verbunden werden und diese finanzielle Belastung darf nicht auf die Kommunen übertragen werden“, so Landrat Thorsten Stolz abschließend.

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